Börse Frankfurt
Gute US-Daten können Dax-Abstieg nicht verhindern

Nachdem Turbulenzen aus der Eurozone und Konjunkturdaten aus Deutschland den Dax tief ins Minus trieben, konnten Wirtschaftsdaten aus den USA die Sorgen ein wenig zerstreuen. Dennoch geht es weiter abwärts.
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Frankfurt, DüsseldorfPositive Wirtschaftsdaten aus den USA haben die Verluste am deutschen Aktienmarkt am Dienstag abschmelzen lassen. Zuvor hatten Turbulenzen an den Anleihemärkten der Eurozone für Katerstimmung gesorgt. Die anhaltend steigende Zinslast für Staatspapiere und die sich somit verteuernden Schulden drückten den Dax zeitweise um 2,8 Prozent. Am späten Nachmittag schloss der Leitindex 0,9 Prozent tiefer auf 5.933 Punkte, nachdem er kurzzeitig sogar leicht ins Plus drehte. Der MDax sank um 1,5 Prozent auf 8.898 Punkte und für den TecDax ging es um 1,9 Prozent nach unten auf 686 Punkte.

Die US-Konsumenten zeigten im abgelaufenen Monat bessere Kauflaune als erwartet, entsprechend stiegen die Umsätze der Einzelhändler im Oktober überraschend stark. Zudem hellte sich die Stimmung des Verarbeitenden Gewerbes im US-Bundesstaat New York im November überraschend stark auf.

Die erneut zugespitzte Lage am europäischen Anleihemarkt bleibt jedoch ein großer Belastungsfaktor. So kletterten die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen aus Frankreich und Belgien auf Rekordstände und auch Papiere aus Spanien, Italien und Österreich gerieten auf die Abschussliste der Investoren. Die steigenden Renditen seien Ausdruck von Befürchtungen, dass die Schuldenkrise nicht in den Griff zu bekommen ist, kommentierte Marktstratege Stan Shamu von IG Markets. Nachdem Italien am Vortag für frisches Geld deutlich mehr als sechs Prozent Zinsen zahlen musste, folgte nun Spanien mit über fünf Prozent.

Der Kurs des Euro ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,3532 (Montag: 1,3659) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7390 (0,7321) Euro.

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit und steigender Löhne verunsichert die ausufernde Schuldenkrise allmählich auch die deutschen Konsumenten. „Die Verbraucher reagieren schon leicht zurückhaltend“, sagte der Präsidenten des Einzelhandelsverbandes HDE, Josef Sanktjohanser. Da sich gleichzeitig der Welthandel abschwächt, steht der Export-Vizeweltmeister vor schwierigen Zeiten. Die Industrie beklagte zuletzt den stärksten Auftragseinbruch seit knapp drei Jahren. „Wir rechnen mit einer milden Rezession im Winter“, sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. Wie lange sie dauern werde, hänge sehr stark von der Schuldenkrise ab.

Börsenprofis rechnen nicht mit einer raschen Trendwende: Sie blicken so skeptisch auf die deutsche Wirtschaft wie seit rund drei Jahren nicht mehr. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sanken im November den neunten Monat in Folge - um überraschend starke 6,9 auf minus 55,2 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu der Umfrage unter knapp 300 Börsenexperten mitteilte. Das war der niedrigste Wert seit drei Jahren. Die andauernde Schuldenkrise im Euroraum und in den USA lege sich «wie Mehltau» auf die Konjunktur in Deutschland, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz am Dienstag. «Diese Risiken könnten noch gewichtiger werden, was das Wachstum in Deutschland weiter beeinträchtigen dürfte.»

Schlusslicht im deutschen Leitindex war unter anderem die Deutsche Bank, deren Aktie sich um zwei Prozent verbilligte. Die Finanzkrise holt den Branchenprimus ein: Das Frankfurter Institut zahlt in einem Vergleich in den USA 145 Millionen Dollar (106 Mio Euro), um Streitigkeiten wegen der Pleite von fünf großen Genossenschaftsbanken beizulegen. Am Vorabend hatte Vorstandschef Josef Ackermann zudem überraschend den Verzicht auf einen Wechsel an die Aufsichtsratsspitze bekanntgegeben. Die Nominierung von Paul Achleitner für den Posten sahen Analysten kritisch. Der Kauf der Dresdner Bank durch die Allianz, den der Finanzvorstand des Versicherers mit eingefädelt hatte, und den späteren Verkauf der Dresdner an die Commerzbank seien kein Glanzstück gewesen, sagte einer von ihnen.

Im MDax rutschten Papiere von Kabel Deutschland nach Zahlen um 3,2 Prozent ab. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat im zweiten Quartal dank gestiegener Abonnentenzahlen und einer geringeren Zinslast zwar mehr umgesetzt und verdient. Für das Gesamtjahr konkretisierte das Unternehmen das Umsatzziel aber nach unten.

Anleger haben am Dienstag die kräftigen Umsatz- und Gewinnsteigerungen bei Norma honoriert. Die Aktien des Industrie- und Autozulieferers stiegen 4,7 Prozent und waren damit Spitzenreiter im SDax. Die Zahlen hätten über den Erwartungen gelegen, sagte ein Börsianer. Positiv sei außerdem das angehobene Umsatzziel für das Gesamtjahr.

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  • @KeepCool: Na, dann ist ja alles fein:) Modelle sind Gedankenkonstrukte mit zum Teil stark vereinfachenden Annahmen, teils sind die Schlußfolgerungen völlig weltfremd. Beispiel CAPM: Prämisse: Fama plus blabla. Schlußfolgerung: Alle Marktteilnehmer halten das gleiche Portfolio. Schwachsinn! Aber ein Portfolio nach dem Minimum-Varianz-Ansatz ist statistisch nachprüfbar deutlich risikoärmer. Ergo: Auch aus widerlegbaren Modellen resultieren praktische Verhaltensweisen.
    Ich fand unsere Diskussion sehr ansprechend und freue mich auf weitere Debatten! ciao

  • @deltaone: Ich verdamme nicht die VWLer pauschal, sondern nur eine bestimmte Fraktion davon.

    Ich schätze die VWL mit ihren Modellen, die einem viele Effekte erklären. Schöne qualitative Modelle, gut ausgearbeitet, selbstverständlich mit den modell-inhärenten Idealisierungen und Abstraktionen.

    Wer aber aus einem quaLitativen Modell quaNtitative Schlüsse ziehen will, dem unterstelle ich entweder Ahnungslosigkeit oder Bösartigkeit.

    Modelle sind Modelle: Volkswirtschaften mit 2 Ländern und 2 Waren; ein Homo oeconomicus; Volkswirtschaften mit Geld, aber ohne Banken...

    Um zu sehen, inwieweit man konkrete Schlüsse für die Realität ziehen kann, muss man die theoretischen Ergebnisse mit Messungen aus der Praxis und historischen Erfahrungswerten vergleichen.

    Manche VWLer versuchen, die Realität ihren Theorien anzupassen. Der IWF hat das schon oft in Ländern praktiziert, als man vorgab helfen zu wollen, und hat viel Schaden erzeugt. Das ist es, was ich nicht gut heisse.

  • @Kohelet: Gerne! Und viel Glück!

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