Börse Frankfurt
Händler verzweifeln an Spanien

Spanien muss unter den Rettungsschirm. An der Börse können sich die Anleger nicht recht entscheiden, was sie davon halten sollen. Am Ende verliert der Dax nur leicht. Die Nervosität der Investoren bleibt.
  • 83

FrankfurtDie anhaltenden Sorgen um die Weltkonjunktur haben die Anleger an den europäischen Aktienmärkte auch zum Wochenschluss in Atem gehalten. Dass Spanien voraussichtlich noch am Wochenende einen Hilfsantrag für seinen angeschlagenen Bankensektor stellen wird, beruhigte die Investoren am Freitag aber etwas. Der Dax beendete den Handel 0,2 Prozent im Minus bei 6130,82 Zählern. Auf Wochensicht gewann der deutsche Leitindex 1,3 Prozent. Der MDax verlor am Freitag ein Prozent auf 10.123,12 Punkte, der TecDax 0,5 Prozent auf 745,09 Stellen und der SDax 0,2 Prozent auf 4768,81 Punkte.

Am Vormittag hatten Gerüchte die Runde gemacht, dass die spanische Regierung am Wochenende Finanzhilfen aus dem europäischen Rettungsfonds EFSF für die angeschlagenen Banken des Landes beantragen werde. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird die Ankündigung für den Antrag für Samstagnachmittag erwartet. Die spanische Vizeregierungschefin Soraya Saenz de Santamaria sagte, die Regierung habe in der Sache noch keine Entscheidung getroffen. „Spanien ist wohl klargeworden, dass die Zeit drängt und das Problem dringend gelöst werden muss“, sagt ein Händler. „Am Markt wurde wohl schon vermutet, dass sich Spanien nicht mehr so viel Zeit lassen kann. Deswegen wird das nur zur Kenntnis genommen.“

Ein weiterer Händler stellte fest, dass Anleger verzweifelt auf der Suche nach guten Nachrichten seien. Dass Spanien jetzt wohl doch ein Einsehen habe und um Gelder aus dem EFSF bitten werde, stütze den Markt.

Viele Marktbeobachter blieben skeptisch, ob ein spanischer Hilferuf einen positiven Effekt auf die Märkte haben wird. Es dürfte bald zu Spekulationen kommen, ob das Land nicht auch für die normalen Staatsfinanzen ein Rettungsprogramm beantragen müsse, prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. „Schließlich würde Spanien mit einem solchen Hilfsantrag für Bankenhilfen einräumen, dass es sich nicht mehr für alle Zwecke am Markt finanzieren kann.“ Börsianer rechneten zudem damit, dass sich der Fokus der Finanzmärkte künftig wieder stärker auf Italien richten wird.

Ein anderer Händler sagte: „Die Frage ist, ist das gut oder schlecht?“ Die meisten wüssten nicht, wie sie den Hilfsantrag Spanien bewerten sollten und warteten zunächst ab. Der Hilfsantrag nehme zwar erst einmal etwas Unsicherheit aus dem Markt. „Gleichzeitig wissen aber alle, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich die Aufmerksamkeit auf den nächsten Dominostein richtet. Und das ist Italien“, sagte der Händler. Marktstratege Jörg Rahn von Marcard Stein & Co sagte: „Das ist grundsätzlich eine positive Nachricht, denn es wirkt erst einmal stabilisierend.“ Die EU nehme Spanien vor der Wahl in Griechenland unter die Fittiche, damit die Unsicherheiten nicht überhandnähmen. Er gab aber zu bedenken: „Man darf nicht vergessen, dass das ordentlich Geld kostet.“

Für Unmut hatte bei den Dax-Anlegern am Morgen vor allem die Angst vor einer deutlichen Abkühlung der Weltwirtschaft gesorgt. US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte am Donnerstag im Kongress klargemacht, dass sich die Fed trotz der schleppenden Wirtschaftserholung in den USA zunächst nicht auf weitere Konjunkturspritzen festlegen lassen will. Für einen Dämpfer sorgte zudem die Leitzinssenkung in China. „Hatte die Ankündigung am Donnerstag noch für Begeisterung gesorgt, macht sie die Investoren heute nervös. Denn den meisten ist klargeworden, dass die Konjunktur dort offenbar wirklich schwächelt, wenn die Chinesen so überraschend die Zinsen senken“, sagte ein Börsianer.

Spanien belastete die Märkte allerdings auch mit einem bereits am Donnerstag gesenkten Kreditrating. „Vor allem die Abstufung Spaniens wiegte am Morgen recht schwer“, sagte Händler Jörg Heineke von der Investmentgesellschaft TAO Capital. Das Ausmaß der Senkung bis auf zwei Stufen über Ramsch-Niveau sei nicht erwartet worden. Zudem drohten aufgrund des negativen Ausblicks weitere Abstufungen.

Auf der Verkaufsliste im Dax standen vor allem konjunktursensible Titel wie Thyssen-Krupp und MAN. Sie gaben 3,8 beziehungsweise 2,5 Prozent nach. Auch die Finanzwerte, die immer sehr stark auf Nachrichten rund um die Euro-Zone reagieren, mussten Federn lassen. Commerzbank und Deutsche Bank verloren 3,1 beziehungsweise 0,5 Prozent. Der europäische Bankenindex verlor 0,5 Prozent. Versorger starteten dagegen eine Gegenbewegung nach oben, nachdem sie am Vortag zu den schwächsten Branchen in Europa gehört hatten. Eon und RWE legten jeweils um etwas mehr als ein Prozent zu. Auch der Dialysespezialist FMC konnte zulegen, um ein Prozent. Die DZ Bank äußerte sich in einer Analyse positiv zu den Chancen langfristig orientierter Anteilseigner.

Celesio-Anleger honorierten den Umbau der Führungsstruktur. Mit einem Plus von gut fünf Prozent waren die Papiere des Pharmahändlers größter Gewinner im MDax. Die Neuorganisation sei längst überfällig gewesen und sollte den Aktienkurs nach oben treiben, schrieb DZ-Bank-Analyst Thomas Maul in einem Kommentar.
Übernahmespekulationen schoben Freenet im TecDax um 1,7 Prozent an. Mehrere Händler erklärten, es gebe Spekulationen, dass die Deutsche Telekom an Freenet interessiert sei. Sprecher beider Unternehmen wollten das Marktgerücht auf Anfrage nicht kommentieren. Im Handelsverlauf reduzierte sich das Freenet-Plus auf 1,4 Prozent.
Am Rentenmarkt fiel die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere von 1,11 Prozent am Vortag auf 1,05 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,25 Prozent auf 134,46 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,57 Prozent auf 143,93 Punkte. Der Kurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2468 (Donnerstag: 1,2595) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8021 (0,7940) Euro.


Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Händler verzweifeln an Spanien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich weiß sogar schon, was er sagen wird.

    "Spanien, muahahaha, Griechenland haha... diese Woche gehen alle pleite. DAX fällt auf 3500. IWF geht pleite. Spanien versinkt im Meer. DAX fällt auf 1000. Kauft Puts. Hahaha. Verdient 100 Euro."

  • Die kommt morgen um 07:30 Uhr mit Sicherheit :-)

  • Kurzfristprognosen überlasse ich dem Hamburger.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%