Börse Frankfurt
Konjunkturdaten vermiesen Dax das Wochenende

Wieder brachte der Nachmittag den Kursrutsch: Die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten fielen schlechter aus als erwartet und weckten die Rezessionsängste. Der Dax bekam dies zu spüren und fiel tief ins Minus.
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FrankfurtDer Dax geht mit einem dicken Minus ins Wochenende: Am Ende des heutigen Handelstages lag der deutsche Leitindex rund 3,4 Prozent im Minus bei 5.538 Punkten. Die zweite Reihe verzeichnete ähnliche Verluste. Der MDax verlor zum Vortag 3,8 Prozent auf 8.832 Punkte, der TecDax beendete die Handelswoche mit einem Abschlag von 3,4 Prozent auf 729 Zähler.

Entscheidend für das große Defizit im Dax waren die US-Arbeitsmarktdaten am Nachmittag. Die Daten hatten Anleger und Analysten negativ überrascht. Volkswirte gingen davon aus, dass im August 68.000 neue Stellen entstanden seien, im Endeffekt lag die Zahl jedoch bei Null. Damit blieb die Arbeitslosenquote unverändert bei 9,1 Prozent. Das brisante an den Zahlen war, dass die größte Volkswirtschaft der Welt erstmals seit Februar 1945 in einem Monat unterm Strich keine neuen Arbeitsplätze schaffen konnte. Vor Bekanntgabe der schwachen Daten hielten sich die Anleger zurück, doch danach begannen sie aus ihren Aktien zu fliehen und brachten den schon schwach gestarteten Dax noch stärker ins Wanken. Er erreichte seinen Tagestiefpunkt bei einer Marke von 5.493 Punkte.

"Der Arbeitsmarktbericht ist eine große Enttäuschung, auch wenn die Zahlen durch Sondereffekte etwas verzerrt sind", sagte Chefvolkswirt Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus und bezog sich damit auf einen Streik von 45.000 Angestellten von Verizon Communications, der die Statistik der IT-Branche belastete. "Fest steht, dass auch nach Herausrechnung der Sondereffekte der Beschäftigungsaufbau schwach bleibt. Die US-Wirtschaft durchläuft eine Phase außerordentlich schwachen Wachstums, die sich für viele Haushalte in den USA wie eine Rezession anfühlt."

Für Unruhe hatte zuvor bereits die deutliche Rücknahme der Wachstumsprognosen für dieses wie auch für das kommende Jahr durch die US-Regierung gesorgt. Außerdem rechnen die USA mit einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit.

Dementsprechend sackten auch die Kurse an den US-Börsen deutlich ab: Der Dow-Jones lag 1,6 Prozent auf 11.315 Punkte im Minus, der S&P-500 verlor 1,7 Prozent auf 1.183 Punkte und der Nasdaq-100 notierte 1,6 Prozent schwächer auf 2.183 Zähler.

Neben den Spannungen in den USA kam am Freitag das alte Thema Griechenland wieder auf die Tagesordnung. Der Mittelmeerstaat, Europas größtes Sorgenkind, wird Finanzminister Evangelos Venizelos zufolge das Defizitziel verfehlen. Das Minus beläuft sich demnach 2011 auf 8,1 bis 8,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - Ziel waren 7,6 Prozent. "Die Sorgen um die Euro-Zone sind zurückgekehrt", urteilte ein Händler. Der Euro fiel bis auf ein Drei-Wochen-Tief von 1,4209 Dollar nach 1,4257 Dollar im späten US-Vortagesgeschäft.

Griechenlandkrise belastet Banken-Titel

Die Banken-Werte im Dax zeigten sich am letzten Handelstag der Woche von den Turbulenzen an den Märkten am stärksten beeindruckt. Die Commerzbank duellierte mit einem Minus von 5,5 Prozent auf 1,91 Euro mit der Deutschen Bank um den letzten Platz der Dax-Werte. Am Ende war die Deutschen Bank-Aktie mit einem Abschlag von 5,9 Prozent auf 26,02 Euro der schwächste Dax-Titel. Händler verwiesen auf wieder verstärkte Sorgen um einen möglichen Zahlungsausfalls Griechenlands. Bei dem Branchenprimus kommt noch hinzu, dass die US-Regierung einem Bericht der „New York Times“ zufolge ein Dutzend Großbanken wegen unlauterer Hypothekengeschäfte auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagen will. Ein Börsianer sagte: „Die Geschichte ist zwar nicht neu, hilft der Aktie aber auch nicht weiter.“ Derweil berichtete die „Financial Times Deutschland“, dass es wie bei zahlreichen Konkurrenten auch bei der Deutschen Bank bald ein Sparprogramm geben dürfte, sofern sich die gesamtwirtschaftliche Lage in den kommenden Monaten verschlechtert.

Unter den Dax-Werten zeigten sich zum Wochenausklang die Aktien der Metro am stärksten. Die Papiere der Metro-Gruppe profitierten von ein positiven Händleranalyse der Bernstein Research. Diese stufte den Großhandelskette von "market perform" auf "outperform" hoch. Die Metro-Aktien seien - kurz gesagt - jetzt günstig genug, fasste ein Experte zusammen. Die Bewertung der Aktie sei auf einem langjährigen Tiefstand und der Kurs liege damit deutlich unter dem Unternehmenswert. In Folge der Hochstufung verteuerten sich die Anteilsscheine der Metro AG und gingen mit einem Plus von 1,7 Prozent auf 31,31 Euro als einer der wenigen Gewinner ins Wochenende.

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