Börse Frankfurt
Linde zieht den Dax nach unten

Die Rekordstimmung an der Frankfurter Börse ist am Dienstag schnell verflogen. Das Börsenbarometer wurde von einem Kurseinbruch bei Linde in Mitleidenschaft gezogen. Bei dem Industriegase-Konzern hatte sich der Geschäftsausblick verdüstert.

FrankfurtAn Europas Aktienmärkten haben sich die Anleger am Dienstag mit Käufen zurückgehalten. Der Dax lag zum Handelsschluss rund ein Prozent im Minus und notierte bei 11.261 Punkten. Der Euro Stoxx 50 schloss 0,8 Prozent niedriger bei 3.479 Punkten. Zwar rechneten die meisten Investoren weiterhin mit einer größeren Geldflut durch die Europäische Zentralbank (EZB). Doch habe die Senkung der mittelfristigen Prognose durch den Industriegasekonzern Linde die Anleger an die konjunkturellen Sorgen erinnert, sagte ein Händler. „Daher machen einige Kasse, schließlich haben die Aktien zuletzt ja ordentlich zugelegt.“

In hohem Bogen warfen die Anleger die Aktien von Linde aus ihren Depots, nachdem das Unternehmen zum zweiten Mal innerhalb von gut einem Jahr seine mittelfristige Prognose über Bord geworfen hatte. Die Aktien stürzten um rund 14,3 Prozent ab – das war der größte Kurssturz seit mehr als zehn Jahren. Linde hatte angesichts der weltweit lahmende Industriekonjunktur, schlechteren Preisen im Medizingeschäft und den Folgen des niedrigen Ölpreises seine Gewinnprognose für 2017 zusammengestrichen. Das sei eine klare Enttäuschung gewesen, erklärte Equinet-Analyst Michael Schaefer. Dafür habe es keine Anzeichen gegeben, erläuterte Martin Roediger, Analyst bei Kepler Cheuvreux.

Im Sog von Linde verloren die Aktien des Erzrivalen Air Liquide in Paris mehr als vier Prozent, womit die Aktien auch im Euro Stoxx 50 die rote Laterne hielten.

Auf der Gewinnerseite im Dax standen RWE mit einem Kursplus von 16,6 Prozent ganz oben. Der Versorger will unter dem Druck wegbrechender Gewinne das Geschäft mit Ökostrom, Stromnetzen und dem Vertreib abspalten und voraussichtlich Ende 2016 im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen. „Das ist das, was alle wollen – nach dem Motto: Aus eins mach zwei und schon hast du glückliche Aktionäre“, fasste ein Händler die Begeisterung der bisher arg gebeutelten RWE-Aktionäre zusammen. RWE haben in diesem Jahr schon mehr als 50 Prozent verloren und sind damit im Dax bislang das Schlusslicht.

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