Börse Frankfurt
MAN und Infineon sorgen für Spannung beim Dax

Der Dax kann die Marke von 5 800-Punkten nicht halten. Zum Börsenschluss liegt der Index 0,55 Prozent im Minus, neue Daten von der US-Konjunktur enttäuschen die Anleger. Der Machtkampf um MAN elektrisiert die Börsianer und Gerüchte treiben die Infineon-Aktie an die Dax-Spitze.
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HB FRANKFURT. Der Dax kann die Gewinne von gestern nicht halten und rutscht ins Minus. Zum Handelsende lag der Leitindex bei 5 769 Punkten mit 0,55 Prozent im Minus. Zwischenzeitlich konnte der Dax die Marke von 5 800 Punkten überspringen. Der MDax gab um 0,63 Prozent auf 7 324 Punkte nach. Dagegen rettete der TecDax Kursgewinne von 0,24 Prozent ins Ziel und verabschiedete sich bei 781 Zählern. Im Dax stieg das Handelsvolumen auf 96,6 (Montag: knapp 85) Millionen Aktien. Der Umsatz belief sich auf 2,6 (2,3) Milliarden Euro.

Analyst Mark Rohles von IG Markets sprach von Gewinnmitnahmen nach den deutlichen Aufschlägen zum Wochenstart. "Zunächst hielt sich der Dax trotz einiger Gewinnmitnahmen dank des deutlich verbesserten Ifo-Geschäftsklimas relativ verlustfrei, aber am Nachmittag ging es nach US-BIP-Zahlen abwärts", beschrieb er das Börsengeschehen. Besser als erwartete Daten zum US-Verbrauchervertrauen hätten die Entwicklung allerdings etwas abgefedert. Das vom Conference Board ermittelte US-Verbrauchervertrauen war im November auf 49,5 Punkte von revidiert 48,7 Punkten im Vormonat und damit stärker als erwartet gestiegen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November auf den höchsten Wert seit August 2008 und erreichte das Niveau vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Die US-Wirtschaft hat zwar die Rezession hinter sich gelassen, ist im dritten Quartal aber bei weitem nicht so stark gewachsen wie zunächst angenommen. Das US-Handelsministerium musste am Dienstag seine Ende Oktober verkündete Zahl deutlich nach unten korrigieren: Nicht um 3,5 Prozent, sondern nur um 2,8 Prozent hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der größten Volkswirtschaft der Welt nach der schlimmsten Rezession seit den 1930er Jahren zugelegt. Zuvor war die US-Konjunktur vier Quartale in Folge geschrumpft.

Die Gewinnerliste im Dax führten die Aktien von Infineon mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 3,25 Euro an. Händler verwiesen auf vage Gerüchte, der südkoreanische Technologiekonzern Samsung sei an dem deutschen Halbleiterhersteller interessiert. "Jetzt ist es Infineon, vorher wurde herumgereicht, dass DuPont BASF für 51 Euro je Aktie kaufen will", merkte ein Börsianer an. Die Aktie des Chemie- und Pharmaunternehmens hatte auf diese Gerüchte allerdings nicht reagiert. Infineon wollte sich dazu nicht äußern. Samsung war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Im Fokus standen auch die Aktien des Lkw- und Maschinenbauers MAN, die 1,3 Prozent nachgaben. Die Deutsche Bank sehe den überraschenden Rücktritts von Chef Hakan Samuelsson am Montag negativ und begründe dies mit seiner "eindrucksvollen betrieblichen Bilanz" bei MAN, zitierte ein Händler aus der Kurzstudie. Die Analysten der Bank of America/Merrill Lynch sehen die Ursachen für den Rücktritt in Spannungen mit MAN-Großaktionär VW. "Das ist ein Machtgerangel, das schadet der Aktie", sagte ein Händler.

VW-Stammaktien waren das Dax-Schlusslicht und verbilligten sich um 5,6 Prozent auf 89,04 Euro. Sie fielen damit auf den tiefsten Stand seit Februar 2007. "Der Abgang von Samuelsson hat Spekulationen über ein Gebot von VW für MAN wieder aufkommen lassen. In diesem Fall wäre eine Kapitalerhöhung bei Volkswagen nicht auszuschließen", sagte ein Händler. "Die VW-Aktien waren einfach auch überbewertet, und jetzt ist langsam wieder ein vernünftiger Kurs erreicht." Die Analysten von JP Morgan hatten sich skeptisch zur operativen Gewinnentwicklung bei VW geäußert.

Zu Verlierern am Aktienmarkt zählten zudem die Finanzwerte, was Händler auf eine Studie der Ratingagentur Standard & Poor's zurückführten. Weltweit stünden die meisten Banken nach wie vor finanziell auf schwachen Beinen, stellen die Analysten fest. Der europäische Stoxx-Branchenindex gab 1,2 Prozent nach. Im Dax büßten Deutsche Bank 1,9 Prozent und Commerzbank 3,4 Prozent ein. Skeptisch hatte sich S&P auch zur Citigroup geäußert, deren Aktien 0,7 Prozent verloren.

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