Börse Frankfurt
Nahendes Brexit-Referendum belastet

Der Dax hat am Donnerstag weiter nachgegeben. Skepsis gegenüber dem Konjunkturprogramm der Europäischen Zentralbank belastet und auch Warnungen vor den Brexit-Risiken haben die Kurse purzeln lassen.

Frankfurt Zwei Wochen vor der Abstimmung über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens nimmt die Nervosität der Anleger zu. "Am Markt herrscht eine enorme Unsicherheit wegen des Brexit-Referendums", sagte Analystin Viola Julien von der Helaba. Viele Anleger stiegen am Donnerstag aus Aktien aus und flüchteten in die als sicherer geltenden Staatsanleihen.

"Es findet gerade eine Neubewertung statt", sagte Peter Dixon von der Commerzbank AG in London. "Es gibt auch viel Skepsis, ob Europa überhaupt in der Lage ist, Wachstum zu generieren. Viele glauben, dass es für die Wirtschaft gar keinen Unterschied macht, ob die EZB Anleihen kauft." Der Dax verlor 1,3 Prozent auf 10.088,87 Punkte und der EuroStoxx50 gab ein Prozent auf 2989,03 Zähler nach.

Vielen Anlegern seien deutsche Papiere auf dem aktuellen Niveau zu teuer, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Kauft man jetzt, holt man sich das Risiko eines Austritts Großbritanniens aus der EU ins Depot. Kommt die Korrektur, wenn die Briten für den Brexit stimmen, kann man höchstwahrscheinlich deutsche Aktien zu günstigeren Kursen erwerben."

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock warnte, Anleger hätten die Brexit-Risiken nicht ausreichend berücksichtigt. "Da die Aktienmärkte sehr nahe an ihren Höchstständen liegen, meine ich, es wäre vernünftig, ein bisschen Risiko rauszunehmen, weil der Ausgang des Abstimmung sehr unsicher ist", sagte Blackrock-Manager Owen Murfin. An der Wall Street ist der S&P500 -Index nur etwa 25 Punkte von seinem Rekordhoch bei 2134,72 Zählern entfernt.

Der Run auf Staatsanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen britischen Papiere auf ein Rekordtief von 1,22 Prozent. Die für die Euro-Zone richtungsweisenden deutschen Titel warfen sogar nur 0,023 Prozent ab - ebenfalls so wenig wie nie zuvor.

Am Devisenmarkt standen das Pfund Sterling und der Euro unter Druck. Ersteres verbilligte sich um etwa einen Viertel US-Cent auf 1,4475 Dollar und Letzterer kostete mit 1,1325 Dollar rund einen Dreiviertel US-Cent weniger als am Vortag. Parallel dazu kletterten die Kosten für die Absicherung gegen Kursturbulenzen der britischen Währung den vierten Tag ihn Folge auf ein Siebeneinhalb-Jahres-Hoch.

Erleichterung über einen Zuschlag bei der Entscheidung zu den TV-Rechten für die Fußball-Bundesliga trieb die Aktien des britischen Medienkonzerns Sky an. Die Papiere legten um 2,9 Prozent zu. Sky kann ab der Saison 2017/2018 weiter die Samstags- und Sonntagsspiele zeigen, lediglich 45 der insgesamt mehr als 600 Partien laufen bei Eurosport. Anleger hatten befürchtet, dass Sky ein größeres Stück vom Kuchen abgeben muss. Die Aktien der Eurosport-Mutter Discovery verloren an der Wall Street 2,6 Prozent.

In Wien schossen die Aktien des Wohnungskonzerns Buwog zeitweise auf ein Rekordhoch von 20,25 Euro und gingen 8,7 Prozent fester bei 19,97 Euro aus dem Handel. Anleger freuten sich über klare Verhältnisse in der Eigentümerstruktur: Der frühere Mutterkonzern Immofinanz verkaufte einen Teil seiner Beteiligung an dem Wohnungskonzern an die Investmentfirma Sapinda. Titel von Immofinanz stiegen um 0,7 Prozent.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite börsennotierter Bundeswertpapiere von minus 0,05 Prozent am Vortag auf ein neues Rekordtief von minus 0,06 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,03 Prozent auf 142,81 Punkte. Der Bund-Future gewann 0,19 Prozent auf 164,67 Punkte. Der Kurs des Euro fiel: Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1343 (Mittwoch: 1,1378) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8816 (0,8789) Euro.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%