Börse Frankfurt
Nichts geht mehr!

Jetzt hängt alles von der Fed ab. Ihre Aussagen zur künftigen Geldpolitik können zu deutlichen Verwerfungen an den Börsen führen. Deutsche Anleger sind zum zuschauen verdammt. Sie können erst morgen wieder eingreifen.
  • 71

FrankfurtDie Aktionäre in Deutschland hatten heute noch die Chance sich im Vorfeld der Veröffentlichung der Fed-Protokolle gemäß ihrer Vorstellung und Spekulationen zu positionieren. Wirklich genutzt haben sie die Möglichkeit aber nicht. Der Dax notierte beinah den ganzen Handelstag über in sehr engen Bahnen. Erst kurz vor Handelsschluss nahmen die Verkaufsorder in Frankfurt ein wenig zu. Am Ende schloss der Dax bei einem Kurs von 8285 Punkten knapp 0,2 Prozent im Minus. Das Handelsvolumen lag heute weit unterhalb des normalen Niveaus.

In der zweiten Reihe waren die Kursbewegungen ebenfalls überschaubar. Der MDax kam am Ende nicht über einen Kurs von 14.595 Punkten hinaus, womit er wie der Dax 0,2 Prozent im Minus lag. Auch der TecDax gab 0,2 Prozent nach auf 1021 Zähler.

Der Handel in den USA war wie in Europa nicht gerade von Lebhaftigkeit gekennzeichnet. Der Dow Jones pendelte mit einem Minus von 0,4 Prozent auf 14.950 Punkten in der Nähe seine Eröffnungskurses. Wie auf dem alten Kontinent warten die Händler auch in den Staaten auf die Veröffentlichung der Protokolle des Offenmarktausschusses von Ende Juli. Die Börsianer erhoffen sich weitere Anhaltspunkte darüber zu erhalten, wie die Fed künftig ihre Geldpolitik gestalten wird. Bisher kauft die Notenbank zur Unterstützung der amerikanischen Konjunktur Monat für Monat US-Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar auf. Eine Drosselung des Anleihekaufprogramms wurde schon mehrfach von US-Notenbanker angedeutet. Konkreter Zeitpunkt und Umfang des sogenannten "Tapering" sind jedoch nicht bekannt.

Unter den Analysten wird darüber heftig spekuliert. Es herrscht keinesfalls Einigkeit bei diesem Thema. So erwartet die Credit Agricole ein Drosselungsvolumen von 20 Milliarden Dollar. Einen genauen Zeitpunkt nannte die Bank allerdings nicht.

Demgegenüber hält Michelle Girard, Chefvolkswirtin für die USA bei der Royal Bank of Scotland (RBS), eine zeitnahe Reduzierung der Anleihekäufe für wahrscheinlich. "Die Protokolle sollten die Einschätzung untermauern, dass die Drosselung in der September-Sitzung beschlossen wird, solange sich der Arbeitsmarkt gut entwickelt.". Für den Commerzbank-Analysten Lutz Karpowitz ist dieser Termin allerdings alles andere als sicher. "Wir rechnen damit, dass der Markt letztlich überrascht sein wird."

Die Börsianer werden sich wohl oder übel gedulden müssen – zumindest in Europa. Denn wie sich die Notenbank letztlich entschieden hat, wird sie erst um 20 Uhr (MESZ), also nach europäischen Börsenschluss, preisgeben. Dann werden in Washington die Fed-Protokolle des Offenmarktausschusses der Öffentlichkeit präsentiert.

Weiteren Aufschluss über das Anleihekaufprogramm soll das einen Tag später beginnende internationale Treffen der Top-Notenbanker in Jackson Hole bringen – wo die Geldelite indes mit Abwesenheit glänzt. EZB-Chef Mario Draghi und Ben Bernanke schwänzen den Pflichttermin.

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Nichts geht mehr!"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • http://federalreserve.gov/monetarypolicy/fomcminutes20130731.htm

  • Ich hoffe, Ihr habt nicht auf den Spieler/Programmierer gehört und Euch gut mit Puts eingedeckt. Wall Street schön fett ins Minus gerutscht. Ach, das wird ein schöner Tag für Bären morgen!

  • So ist es - man konnte schön günstig an Puts kommen und wenige Minuten später wieder verticken ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%