Börse Frankfurt
Portugal lässt Dax-Anleger zittern

EU-Kommissionspräsident Jose Barroso behauptete jüngst, die Euro-Krise sei überstanden. Falsch gelegen! Sie ist wieder da und lässt den Dax tief ins Minus fallen. Auslöser allen Übels war Portugal.
  • 25

FrankfurtDer Dax kann sich auch am Mittwoch nicht von seinen Verlusten befreien. Schon zum Start präsentierte sich der Deutsche Aktienindex in desolater Verfassung. Schlechte Vorgaben aus China und die Regierungskrise in Portugal ließen ihn am Morgen auf ein Tagestief von 7.730 Punkten fallen.

Später grenzte der Dax seine Verluste ein wenig ein. Am Ende ging der Leitindex mit einem Minus von 1,1 Prozent auf 7.827 Zählern aus dem Handel. In der letzten Handelsstunde kamen dem Dax die positiv ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten sowie die freundlicher notierenden US-Börsen zugute.

Insgesamt stand der heutige Handelstag ganz unter dem Zeichen der Euro-Krise. Die Krise von der EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso noch vor etwas mehr als einem Monat behauptet hatte, sie sei überstanden. Die Regierungskrise in Portugal, die die Krise wieder auf den Tagesplan gebracht hat, wirkte so stark, dass sogar das Notenbanken-Hick-Hack der vergangenen Wochen in den Hintergrund rückte

Die Regierung des spanischen Nachbarlandes zeigt immer größere Auflösungserscheinungen. Immer mehr Minister treten zurück oder haben es vor. Ministerpräsident Pedro Passos Coelho warnte vor politischer Instabilität. Zuvor war nach dem Finanzminister auch der Außenminister Paulo Portas zurückgetreten. Zuletzt sickerte durch, dass vermutlich Landwirtschaftsminister Assuncao Cristas und Sozialminister Pedro Mota Soares, die wie Portas der konservativen CDS-PP angehören, am Mittwoch ihre Ämter niederlegen wollen. Die Spitze CDS-PP wolle im Laufe des Tages ihr weiteres Vorgehen abstimmen, berichtete die Zeitung "Diario de Noticias". Ohne die Partei hat der konservative Ministerpräsident Pedro Passos Coelho keine Mehrheit im Parlament.

Der Leitindex der Lissaboner Börse gab am Mittwoch satte 5,2 Prozent nach. Besonders deutlich rauschten portugiesische Banken in den Keller. Die Banco Portugues verlor knapp 13 Prozent, die Banco Espirito Santo gab fast elf Prozent nach. Auch die Staatsanleihen gerieten unter Druck. Die Rendite der zehnjährigen Titel stieg zeitweise auf über acht Prozent, den höchsten Stand seit Dezember 2012.

"Die politische Unsicherheit in Portugal geistert durch die Märkte", sagte Marktstratege Ishaq Siddiqi von ETX Capital. Er skizzierte das "worst-case-Szenario" der Investoren - nämlich dass das Land womöglich seine Schulden nicht mehr bezahlen kann, die Regierung zerbricht und eine Staatspleite droht. Der Ansteckungseffekt könne nach Griechenland schwappen, "ein Land, das im Moment ohnehin schon um die Auszahlung seiner nächsten Hilfstranche kämpft".

In Griechenland drehe sich derzeit alles um die Frage, ob der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Auffassung über die Schuldentragfähigkeit des Landes ändern und aus dem Hilfsprogramm aussteigen werde, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Wenn das kein Déjà-vu ist." Es gebe sogar erste Anzeichen für Ansteckungseffekte bei spanischen und italienischen Anleihen. Die Renditen der jeweiligen zehnjährigen Titel stiegen von 4,41 Prozent auf 4,75 Prozent beziehungsweise von 4,567 Prozent auf 4,707 Prozent.

Seite 1:

Portugal lässt Dax-Anleger zittern

Seite 2:

Bank-Aktien geraten unter Druck

Kommentare zu " Börse Frankfurt: Portugal lässt Dax-Anleger zittern"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Na liebe Riester-Sparer, dann schreibt mal Eure Versicherung an und fragt, ob sie zufällig Portugal-Anleihen oder sonstige GIIPS-Anleihen im Portfolio hat und wie denn so die Wertentwicklung einschließlich nicht realisierter Buchverlustabschreibungen aussieht.
    Aber laut Miegel, Raffelhüschen, Börsch-Supan und Maschmeyer-Rürup ist Kapitaldeckung ja besser als das Umlageverfahren.

  • Solange die Gemeinschaftswährung EURO bleibt, bleiben auch die Ansprüche auf Rettungsmilliarden. Was Griechenland billig, sollte allen anderen Mitgliedsländern teuer sein...hahahhaha

    Mit dem EURO wird Europa sich nicht erholen, dies kann nur gelingen, wenn die Mitgliedsländer wieder auf Eigenwährung zurückstellen und deren Stabilität wieder in Eigenregie übernehmen. Währungsumrechnung ist doch noch nie ein Problem gewesen, wie sollte man sonst ausserhalb Europas Welthandel betreiben?

  • Leute es ist doch noch gar nichts passiert.

    Alles Peanuts. "Spaßig" wird es erst, wenn Spanien kippt...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%