Börse Frankfurt: Schlechte US-Daten - Dax schließt in Rot

Börse Frankfurt
Schlechte US-Daten - Dax schließt in Rot

Eine klare Richtung hat es für den Dax am Dienstag nicht gegeben. Am Ende wurde die zwischenzeitlich gute Stimmung durch die ZEW-Konjunkturerwartungen durch enttäuschende US-Einzelhandelsdaten zunichte gemacht.
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Trotz einer längeren positiven Tagesphase ist der Dax am Dienstag nach enttäuschenden Umsatzzahlen der US-Einzelhändler wieder auf Talfahrt gegangen. Der deutsche Leitindex schloss am späten Nachmittag 0,2 Prozent tiefer bei 6.728 Zähler, nachdem er am Vormittag im Zuge eines positiv ausgefallenen ZEW-Index noch bis zu 0,7 Prozent zugelegt hatte. Der US-Einzelhandelsumsatz fiel im Januar mit 0,4 Prozent geringer aus als von Analysten erwartet, die mit einem Plus von 0,7 Prozent gerechnet hatten. Der Euro sackte weiter ab und notierte bei 1,3150 Dollar nach 1,3193 Dollar zum Vortagesschluss in New York. Der MDax nahm derweil um 0,4 Prozent auf 10.254 Punkte ab, der TecDax verlor 0,2 Prozent auf 774 Zähler.

Unterstützend wirkte sich zeitweise zudem die Auktion italienischer Anleihen aus, die trotz des skeptischeren Blicks der Ratingagentur Moody's auf die Kreditwürdigkeit mehrerer Euro-Länder problemlos über die Bühne ging. Bei der Emission der drei- und fünfjährigen Papiere nahm Italien insgesamt rund sechs Milliarden Euro ein, obwohl das Land von Moody's auf „A3“ von „A2“ heruntergestuft worden war. „Der Markt scheint sich derzeit eher auf die Konjunktur und auf die Entwicklung der Schuldenkrise zu konzentrieren als auf Ratings“, kommentierte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Die Schelte der Ratingagentur Moody's für zahlreiche europäische Staaten schien die Stimmung der Anleger nicht zu tangieren. Moody's versah neben Frankreich auch die Top-Noten für Großbritannien und Österreich mit einem negativen Ausblick. Die Kreditwürdigkeit von sechs weiteren Euro-Staaten stuft die Ratingagentur inzwischen als geringer ein, darunter die Bonitäten Italiens und Spaniens.

Dennoch scheinen die Sorgen vor einer Rezession in Deutschland abzunehmen. Die Konjunkturzuversicht von Finanzexperten hat sich im Februar trotz der Euro-Schuldenkrise erneut deutlich aufgehellt. Die ZEW-Konjunkturerwartungen stiegen kräftig um 27,0 Punkte auf 5,4 Punkte und hoben den Indikator erstmals seit Mai 2011 wieder in den positiven Bereich. Besser stand er zuletzt im April 2011, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim mitteilte. „Aus der Sicht der Finanzmarktexperten stehen die Chancen gut, dass sich die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte in einem leichten Aufwind befinden wird“, erklärte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. Der Index war nach neunmonatiger Talfahrt im Dezember erstmals wieder leicht gestiegen und hatte im Januar bereits kräftig zugelegt.

Die Aussicht auf eine Sonderdividende hat die Anleger der Deutschen Börse am Dienstag wohlwollend gestimmt. Die Aktien des Frankfurter Börsenbetreibers stiegen um 2,4 Prozent. Börsen-Chef Reto Francioni hatte nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Nyse am Montagabend eine Sonderdividende und ein Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Das dürfte die Anleger versöhnlich stimmen, sagte ein Händler.  

Die mit Enttäuschung aufgenommenen Geschäftszahlen von ThyssenKrupp haben die Aktien des größten deutschen Stahlkonzerns am Dienstag unter Druck gesetzt. Mit einem Minus von 3,8 Prozent waren sie der mit Abstand schwächste Wert im Dax. Thyssen ist überraschend mit Verlusten in das neue Geschäftsjahr gestartet.

Die Übernahme von 21.000 Wohnungen von der LBBW haben Patrizia am Dienstag Auftrieb gegeben. Die Aktien der Immobilienfirma stiegen um 1,8 Prozent im SDax. Die neuen Wohnungen würden Patrizia voraussichtlich eine Gewinnmarge von 30 Prozent einbringen, schrieb Analyst Ralf Grönemeyer von Silvia Quandt Research in einem Kommentar.

Anleger haben die Quartalszahlen von Carl Zeiss Meditec am Dienstag mit Käufen honoriert. Die Aktien des Medizintechnikspezialisten kletterten im TecDax um 7,6 Prozent auf 17,64 Euro - den höchsten Stand seit knapp fünf Jahren. „Der Umsatz ist sehr stark, und liegt über unseren und den Markterwartungen. Auch das EBIT ist über den Erwartungen aufgrund eines sehr starken Ergebnisses in der Mikrochirurgie“, schrieb DZ-Bank-Analyst Michael Bissinger in einem Kommentar.

Die Titel von Beiersdorf haben von einem optimistischen Ausblick des Mitbewerbers L'Oreal profitiert und notierten 1,3 Prozent fester. Der Firmenchef des französischen Kosmetik-Herstellers, Jean-Paul Agon, stellte in einem Zeitungsinterview ein Umsatzplus von 40 Prozent in Aussicht, das er durch ein verstärktes Engagement in den wachstumsstarken Schwellenländern erreichen wolle.

Martin Barwitzki
Martin Barwitzki
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter
Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Am Tag nach der HV, dem sog. " ex-Tag " sinkt der Aktienkurs um die Bar-Dividende.

    Z.B. bei EON um 1,00 € am (HV am 03.05.), oder bei RWE um 2,20 € (HV am 30.04.)

  • Am Tag nach der HV sinkt der Aktienkurs um die Bar-Dividende.

    Z.B. bei EON um 1,00 € am (HV am 03.05), der RWE um 2,20 € (HV am 30.04.)

  • bei ausschüttung einer dividende sinkt der aktienkurs erstmal dementsprechen...

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