Börse Frankfurt: Sorgen um Griechenland drücken den Dax

Börse Frankfurt
Sorgen um Griechenland drücken den Dax

Gestern noch der höchste Schlussstand seit Anfang August - heute ging es schon wieder abwärts. Angesichts des anhaltenden Pokers um die Entschuldung Griechenlands nahmen einige Spekulanten die jüngsten Gewinne mit.
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Frankfurt, DüsseldorfDie anhaltenden Sorgen um die Finanzstabilität einiger europäischer Staaten hat die Anleger am Dienstag vom deutschen Aktienmarkt ferngehalten. Der Dax schloss 0,3 Prozent tiefer bei 6.419 Punkten und damit im Vergleich zum Tagestief von 6.399 Zählern mit einem noch moderaten Minus. Der MDax knickte um 0,9 Prozent auf 9.765 Punkte ein, der TecDax sackte um 1,8 Prozent auf 736 Punkte ab.

„Der deutsche Aktienmarkt gibt vor dem Hintergrund stockender Gespräche um einen Forderungsverzicht privater Gläubiger Griechenlands nach“, sagte Analyst Gregor Kuhn von IG Markets. Erste Ergebnisse oder gar ein Durchbruch bei den Verhandlungen der griechischen Regierung mit Banken und Versicherungen ließen weiterhin auf sich warten. „Gewinnmitnahmen sind angesichts der unsicheren Lage und der fulminanten Jahresanfangsrally nicht weiter verwunderlich“, so Kuhn.

Die Euro-Länder wollen den privaten Gläubigern einen stärkeren Verzicht abringen. Die Euro-Gruppe schickte den griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos mit der „Bitte“ um niedrigere Zinsen für die neuen griechischen Staatsanleihen zurück an den Verhandlungstisch.

Auch der Gewinneinbruch bei Siemens hat den Anlegern die Kauflaune verdorben. Mit einem Abschlag von knapp zwei Prozent gehörten die Papiere zu den größten Verlierern im Dax. Das Ergebnis nach Steuern des ersten Geschäftsquartals 2011/12 schrumpfte bei Siemens im Jahresvergleich um ein Sechstel auf 1,46 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr bestätigte Siemens-Chef Peter Löscher zwar die Gewinnprognose, erklärte aber, man müsse angesichts der anhaltenden Schuldenkrise hart arbeiten, um die Ziele zu erreichen. „Der Konzern stimmt die Anleger offenbar auf ein schwieriges Jahr ein, das verunsichert“, sagte ein Händler.

Mächtig abwärts ging es auch für die Aktien von Q-Cells. Die Titel verloren 17,9 Prozent. Der Solarkonzern befindet sich nach einem Gerichtsentscheid in extremer finanzieller Not. Nachdem das Unternehmen im Februar fällige Wandelschuldverschreibung nicht stunden kann, ist offen, ob Q-Cells die Anleihen voll zurückzahlen kann. Zudem leidet das Unternehmen unter der Branchenkrise und rutschte deshalb 2011 tief in die roten Zahlen. Der Verlust zehrt das Grundkapital komplett auf. Die Gesellschaft hat derzeit kein Eigenkapital mehr. Es wird eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, bei der es um die Existenz der Gesellschaft gehen wird. Auch Centrotherm, Solarworld und SMA Solar gerieten in den Abwärtsstrudel. Sie verloren zwischen 4,8 und 5,4 Prozent.

Die nachlassende Furcht vor einer Rezession in der Euro-Zone hat dem Euro am Dienstag Auftrieb gegeben. Mit 1,3062 Dollar beziehungsweise 0,8389 Pfund war er zeitweise so teuer wie seit dem Jahreswechsel nicht mehr. Im Gegenzug bröckelte der Bund-Future um 20 Ticks auf 137,24 Zähler ab. Der Anstieg des Konjunkturindex der Einkaufsmanager aus der Dienstleistungsbranche in der Euro-Zone habe die Stimmung aufgehellt, sagten Börsianer. „Das meiste sind aber lediglich Positionsglattstellungen von Investoren, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten“, ergänzte einer von ihnen.

Ebenfalls Verlierer im TecDax waren die Papiere der Software AG. Das Unternehmen hat im vierten Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verbucht. Der zweitgrößte deutsche Software-Konzern verdiente nach Angaben vom Dienstag im Schlussquartal operativ 78 Millionen Euro und damit 17 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Der Umsatz sank währungsbereinigt um neun Prozent auf 294 Millionen Euro. Die Software AG hatte die Anleger bereits vor zwei Wochen mit vorläufigen Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr geschockt und ihre Anteilsscheine auf Talfahrt geschickt. Heute ging es noch einmal 6,7 Prozent abwärts.

Nach der rund 40-prozentigen Kursrally der vergangenen Tage haben einige Commerzbank-Anleger am Dienstag Kasse gemacht. Mit einem Minus von 2,9 Prozent waren sie nun Schlusslicht im Dax, nachdem sie zunächst um bis zu 3,3 Prozent auf ein Drei-Monats-Hoch von 2,01 Euro gestiegen waren. Dabei wechselten innerhalb der ersten Handelsstunde ungefähr so viele Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Trotz der aktuellen Kursverluste ist die Aktie immer noch gut ein Drittel teurer als Anfang Januar.

Deutsche Bank fielen um 1,8 Prozent. JPMorgan hat die Titel auf „Neutral“ von zuvor „Overweight“ heruntergestuft. Die Analysten verwiesen darauf, dass sich die Aktien des hiesigen Branchenprimus seit Anfang September 26 Prozent besser entwickelt hätten als der Sektor. Auf dem jetzigen Niveau seien die Titel vom Chance-Risiko-Profil her weniger attraktiv als Citi, BofA Merrill Lynch oder UBS. Die Analysten gehen zudem davon aus, dass die Deutsche Bank in den kommenden Monaten eine Kapitalerhöhung ankündigen wird.

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  • @ AdamRies

    Diese Einschätzung könnte meine sein. Ich habe diese Aspekte bereits vor Wochen und Monaten ähnlich dargestellt. Deshalb bin ich weiterhin eher sehr vorsichtig und rechne mittelfristig mit verhaltener Konjunkturentwicklung. Die Schulden bleiben, selbst wenn man die aktuelle "Staatsschuldenkrise" lösen könnte, ja erhalten, nur andere haften eben; und da steht Merkel als Melkkuh im Sturm. Ich erinnere mich grob an eine EU-Einigung zu Beginn ihrer Amtszeit (habe Detaills nicht im Kopf und will nicht recherchieren), da wurde Merkel für diplomatisches Geschick gefeiert. Hinterher kam raus, sie hatte enorme finanzielle Zusagen gemacht.
    Merkel ist noch für einige Belastungen gut. Die werden nicht heute oder morgen kommen. Aber sie kommen unaufhaltsam.
    @ R2D2
    Sie haben also 2 Rollen
    1.) Als Händler Orders ausführen (hatte ich provokativ als Knechtsleistung bezeichnet).
    2.) Auf sehr kleiner Flamme Eigenhandel.

    Ihre Posts, soweit ich die gelesen hatte, trennten das aber nicht so klar ...!

  • @ Kai,
    tut Ihnen es wirklich Leid oder sagen Sie es blos so?
    Diese deutsche Scheinhöflichkeit kann ich nicht mehr ausstehen.

  • @ Realist,
    Nicht die Sorgen um Griechenland drücken den Dax.
    Die Überschuldung der Euroländer hat auf die deutsche Wirtschaft wie ein Konjunkturprogramm gewirkt.
    Die deutsche Wirtschaft hat sehr stark in diese Länder exportieren können und dadurch an Stärke gewonnen. Leider, wegen des starken Euro, wurden die Gewinne ins Nichteuroausland reinvestiert.
    Diese waren aber in Wirklichkeit für die Eurozone nur Scheingewinne da nur auf Überschuldung von Euroländer basierend.
    Die jetzige erzwungene Entschuldung der Euroländer bewirkt genau das Gegenteil, wir werden daher bestenfalls eine Stagnation wenn nicht gar Deflation erleben. Daher die DAX-Entwicklung.
    Nur ein realistisch bewerteter Euro, um die 1,20,- zum US-Dollar, kann die sich abzeichnende Rezession im Euroraum mildern. Für Konzerne die ihre Gewinne außerhalb des Euroraumes investiert haben, gewiss vom Nachteil.
    Wünschenswert und auch wahrscheinlich, wegen des Eurowechselkurs, wäre eine moderate Inflation, die das Entschulden der Euroländer erleichtern würde. Nur wer Bundesanleihen mit sehr niedriger Verzinsung unterzeichnet hat müsste dann, wegen der Inflation, Bauchschmerzen bekommen.

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