Börse Frankfurt
Sorgen vor strafferer Geldpolitik belasten den Dax

Die Rede von EZB-Chef Mario Draghi hat dem Euro einen Schub gegeben – dem Dax tat das allerdings nicht gut. Der deutsche Leitindex schloss am Dienstag mit dem niedrigsten Schlusskurs seit vier Wochen.
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FrankfurtSpekulationen auf eine straffere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) haben dem Euro am Dienstag angeschoben. Er verteuerte sich auf 1,1324 Dollar und war damit so teuer wie zuletzt vor etwa zehn Monaten. Weil dadurch Waren heimischer Firmen auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig werden, büßte der Dax 0,8 Prozent auf 12.671 Punkte ein. Der EuroStoxx50 sank um 0,7 Prozent auf Punkte 3538 Punkte. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen verlor 1,4 Prozent auf 24.898 Punkte. Beim Technologiewerte-Index TecDax stand ein Minus von einem Prozent auf 2245 Zähler zu Buche.

Zudem drückte eine Prognosesenkung von Schaeffler auf die Stimmung. Die Aktien des Autozulieferers brachen um bis zu 13,7 Prozent ein – so viel wie noch nie. Wegen gestiegenen Preisdrucks senkte das Unternehmen sein Ziel für die operative Umsatzrendite. „Schaefflers Gewinnwarnung feuert die Debatte über die Widerstandskraft der Autozulieferer-Margen wieder an, während wir auf den Höhepunkt des Konjunkturzyklus zusteuern“, schrieben die Analysten der Investmentbank Jefferies.

Der Konzern mit Sitz in Herzogenaurach bei Nürnberg stellt Bauteile für Motoren, Getriebe und Fahrwerke sowie Wälz- und Gleitlager für die Industrie her. Das zweite Quartal sei wegen erhöhten Preisdrucks im Autogeschäft deutlich schwächer gelaufen, hatte Schaeffler am Montagabend nach Börsenschluss mitgeteilt. Der Anteil des Gewinns am Umsatz vor Sondereinflüssen, Zinsen und Steuern dürfte deshalb statt mindestens zwölf Prozent nur noch mindestens elf Prozent erreichen. Seine Umsatzprognose für 2017 bestätigte Schaeffler dagegen. Im Sog des Schaeffler-Kurssturzes verloren Konkurrenten wie GKN, Contintental, ElringKlinger, Valeo, oder Faurecia bis zu 4,3 Prozent.

Ermutigende Konjunktur-Äußerungen von EZB-Chef Mario Draghi wurden am Markt als eine gewachsene Bereitschaft der Europäischen Zentralbank zur Straffung der Geldpolitik gedeutet. Bei einer Notenbank-Konferenz sagte Draghi, alle Zeichen deuteten auf eine Festigung und Verbreiterung der Erholung in der Euro-Zone hin. Faktoren, die die Inflation drückten, seien vor allem temporär. „Das ist ein klares Indiz, dass die EZB bereit ist, ihre geldpolitischen Konjunkturhilfen früher herunterzuschrauben als erwartet“, sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Online-Broker Forex.com.

Derzeit pumpt die Notenbank durch Anleihekäufe monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte. Spekulationen auf eine baldige Drosselung des sogenannten Quantitative Easing (QE) trieb die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf 0,37 von 0,249 Prozent. „Es bleibt aber die Frage, ob die Euro-Zone ohne die Unterstützung durch QE überleben würde“, sagte Analyst Neil Wilson vom Brokerhaus ETX Capital.

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