Börse Frankfurt
Starker Euro drückt den Dax ins Minus

Die Querelen in der US-Innenpolitik schlagen Wellen bis an die europäischen Börsen: Der Dollar gibt nach, der Euro wird stärker. Als Folge muss das deutsche Börsenbarometer zum Handelsschluss mehr als 150 Punkte abgeben.
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Frankfurt/DüsseldorfDer Euro stieg am heutigen Mittwoch erstmals seit rund einem Jahr über die Marke von 1,15 Dollar. Zwischenzeitlich lag die europäische Gemeinschaftswährung sogar bei 1,1564. Den Aktienmärkten gefiel das gar nicht, denn ein starker Euro macht Waren aus der Euro-Zone teurer und die Firmen weniger wettbewerbsfähig. Der Dax rutschte um 1,3 Prozent ab und schloss bei 12.430 Punkten.

Damit knüpfte er an seine Schwäche vom Vortag an, nachdem er in der vergangenen Woche unter dem Strich noch deutlich zugelegt hatte.

Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen sank um 1,3 Prozent auf einen Schlussstand von 24.876 Punkten. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um ein Prozent auf 2.279 Zähler nach unten. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 fiel um ein Prozent auf 3483 Punkte.

Investoren sorgen sich, dass Trump nun mit seinen Plänen für milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur sowie Steuererleichterungen für US-Firmen nicht vorankommt. „Die Chancen schwinden mehr und mehr, dass Trump nach dem Rückschlag nun seinen Wirtschaftsplan umsetzen kann“, sagte Analyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader.

Zwei weitere Senatoren hatten angekündigt, gegen die Pläne der Republikaner zum Umbau des von Trumps Vorgänger Barack Obama eingeführten Gesundheitssystems Obamacare zu stimmen. Damit verfügt das Projekt über zu wenig Stimmen im Senat. „Wenn es scheitert, ist kein Geld da für Steuererleichterungen und Trump wird Probleme haben, seine wirtschaftspolitischen Pläne umzusetzen“, sagte Analyst Bart Wakabayashi vom Vermögensverwalter State Street.

Auch für die mit Spannung erwartete Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag könnte der Euro-Aufschwung nach Einschätzung der Commerzbank-Experten Auswirkungen haben. „Die gegenwärtige Euro-Stärke bedeutet eine zusätzliche Straffung der finanziellen Rahmenbedingungen. Und die könnte die EZB nervös werden lassen“, erklärte Analystin Esther Maria Reichelt. "Auch wenn die EZB zwar auf eine weitere Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe zusteuert, könnte sie sich auf der Sitzung am Donnerstag noch zurückhalten, um den Euro zu entlasten." Die Gemeinschaftswährung legte seit Jahresbeginn knapp zehn Prozent zu.

Julian Trahorsch, Investmentanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, erwartet, dass EZB-Präsident Mario Draghi während der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung zwei relativ deutliche Hinweise geben wird Zum ersten werde er darauf hinweisen, dass einem Ende des Anleihekaufprogramms angesichts der guten Konjunktur nichts mehr im Wege stehe. Daher könne im Eingangs-Statement die Passage zur möglichen neuerlichen Ausweitung des monatlichen Kaufvolumens gestrichen werden.

Zum zweiten werde er betonen, dass sich aufgrund der schwachen Inflationsdynamik an der expansiven Geldpolitik prinzipiell in absehbarer Zeit nichts ändern werde. Damit wolle er zuletzt aufgekommene Zinsanhebungsphantasien im Keim ersticken.

Wegen der Euro-Stärke flogen vor allem die exportlastigen Unternehmen aus den Depots. Die BASF-Aktie verlor fast zwei Prozent. In Paris gehörten die Autohersteller Peugeot und Renault zu den größten Verlierern.

Am Frankfurter Börsenparkett rückten Lufthansa-Titel in den Fokus, nachdem die Fluggesellschaft überraschend ihre Jahresprognose erhöht hat. Sie erwartet nun, dass das Ergebnis den Vorjahreswert von 1,75 Milliarden Euro übertreffen wird. Bislang ging der Vorstand davon aus, 2017 leicht unter dem Vorjahresniveau abzuschneiden. Gewinnmitnahmen drückten den Kurs aber um 1,3 Prozent. Die Papiere der Rivalen Air France KLM und der British-Airways-Mutter IAG rutschten jeweils rund zwei Prozent ab.

Auch die Software AG konnte nicht von der Zahlenvorlage und der angehobenen Prognose für die Ergebnismarge profitieren: Die Aktien rutschten nach Anfangsgewinnen ins Minus und büßten als einer der größten TecDax-Verlierer zwischenzeitlich mehr als zwei Prozent ein, konnten sich im weiteren Handelsverlauf auf minus 0,5 Prozent erholen. Börsianer sprachen von einem durchwachsenen zweiten Quartal.

Im Nebenwerteindex MDax rauschten Aktien von Zalando um 8,6 Prozent in die Tiefe. Der Online-Modehändler enttäuschte seine Anleger mit einen schwächeren Wachstum.

An der schwedischen Börse warfen Anleger Ericsson-Titel auf den Markt, die Aktien brachen um mehr als elf Prozent ein. Bei dem Telekomausrüster laufen die Geschäfte wegen zunehmender Konkurrenz und schwächerer Nachfrage in Schwellenländern noch schlechter als gedacht. Die Papiere des finnischen Rivalen Nokia verloren 3,7 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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