Börse Frankfurt
„Super-Mario“ verschreckt die Anleger

Die EZB schickt Europas Börsen auf Talfahrt. Die Anleger sind enttäuscht, dass die Notenbank vorerst keine Anleihen kriselnder Eurostaaten aufkauft. Vor allem Banktitel verlieren.
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FrankfurtTagelang hatten die Anleger an den Finanzmärkten auf ein stärkeres Eingreifen der EZB in der Euro-Krise spekuliert. Doch als EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag ankündigte, sich mit dem Kauf von Anleihen klammer Euro-Staaten zunächst zurückzuhalten, war die Enttäuschung groß. Der Dax beendete den Handel 2,2 Prozent im Minus bei 6606 Punkten. Auch der Euro ging auf Talfahrt, während die Renditen für zehnjährige spanische Anleihen wieder die kritische Sieben-Prozent-Marke übersprangen. "Die erhoffte Schützenhilfe der EZB ist ausgeblieben, statt dessen hat Draghi den Schwarzen Peter zurück an die Politik gegeben", sagte Ioan Smith, Stratege bei Knight Capital.
Draghi kündigte zwar weitere Maßnahmen der Notenbank zur Krisenbekämpfung an. Mit Anleihekäufen wolle die EZB Krisenstaaten aber erst dann unter die Arme greifen, wenn die Euro-Rettungsschirme am Bondmarkt aktiv werden, signalisierte der EZB-Chef. Seit Draghis Bekenntnis zur Währungsunion in der vergangenen Woche hatten die Anleger darauf gehofft, dass die EZB ihr Programm zum Ankauf von am Markt gehandelten Staatsanleihen sofort reaktivieren würde, um so die extrem hohen Zinskosten von Krisenstaaten wie Italien und Spanien zu drücken.

Christian Schulz, Analyst bei der Berenberg Bank, wertete die Äußerungen der Zentralbank dennoch als positiv: "Das ist ein starkes Signal. Das bedeutet eine ernsthafte Intervention der EZB." Sie werde allerdings wohl nur eingreifen, wenn ein Land ein ESM-Programm habe und der ESM müsse zunächst einmal um Hilfe gebeten werden. "Das heißt, dass Bedingungen zu erfüllen sind von Ländern wie Italien und Spanien. Und das heißt auch, Deutschland, die Niederlanden oder Finnland werden möglicherweise ein Vetorecht haben."

Am Markt überwog aber die Enttäuschung: Der Euro fiel in der Spitze auf 1,2132 Dollar zurück, nachdem er zuvor zeitweise auf einem Vier-Wochen-Hoch von 1,2404 Dollar notiert hatte. Der italienische und spanische Leitindex rutschten um bis zu 4,6 beziehungsweise 5,3 Prozent ab. Auch an den Rohstoffmärkten machte sich Enttäuschung breit.

Kupfer verbilligte sich um 1,4 Prozent auf 7319 Dollar je Tonne. Öl der US-Sorte WTI kostete mit 87,89 Dollar je Fass gut ein Prozent weniger. Hier sorgte neben der EZB aber auch der Verzicht der Fed auf weitere Geldspritzen für Verkäufe. Nur bei Bedarf will die US-Notenbank zusätzliche Maßnahmen zum Ankurbeln der Wirtschaft ergreifen, wie der Offenmarktausschuss am Mittwoch mitgeteilt hatte. Die Wall Street notierte am Donnerstag zu Handelsschluss in Europa im Minus. "Ähnlich wie in Europa könnte die Fed vermeiden wollen, dass sich die Politik zu sehr auf die Notenbank verlässt", urteilte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz in einem Kommentar.

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Banktitel rutschen ab

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  • Hmm...vielleicht wird bei dem ganzen Hin und Her, Auf und Ab vergessen, dass die ganzen "Schrottpapiere" über diese Gesamtstrategie entsorgt werden, um den Markt wieder zu beleben. Was meinen die Experten dazu? Einige Staaten der Zone halten den Kopf für die Irrungen und Spekulationen des Finanzmarktes her. Kontrollaufsichten beseitigen die Spuren und Verstrickungen der Global-Player und alle sind sich am Ende einig - jetzt muss die große Betrügerei verdeckt werden, bevor z.B. der "Normalanleger" mit Panik reagiert und sein bedrucktes Papier gänzlich aus dem Markt abzieht...großes Kino. Mein Tipp: Zukunftsmärkte antizipieren, Risiko streuen und immer in tauschbare, in reale & zukunftsweisende werthaltige Unternehmen investieren und vordergründig den eigenen Lebensbereich bedienen oder durch Investitionen schützen.

  • http://www.wallstreetjournal.de/article/SB10000872396390444320704577562552049064324.html

    Weidmanns Vorgänger Axel Weber und Jürgen Stark, der damalige Chefvolkswirt der EZB, hatten ihre Posten nach früheren Eingriffen der EZB protestierend niedergelegt.
    Weidmann steht mit seiner einen Stimme im 23-köpfigen Rat der EZB ziemlich allein...und wie wir jetzt wissen,ist es
    auch so gekommen..Selbst Merkel hat ihn ganz offen im
    Regen stehen lassen..Deutschland allein im Euroland.

  • @Poppkopp
    Sie sind zwar nicht auf der Höhe des Sachgegenstandes, macht aber nichts, auf Leute wie Sie kann man in der Diskussion verzichten.

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