Börse Frankfurt Trump-Frust verdirbt Dax-Anlegern die Laune

Die Auswirkungen der gescheiterten US-Gesundheitsreform haben den deutschen Aktienmarkt erreicht. Trumps Image als Wachstumsguru bröckelt. Vor diesem Hintergrund flüchteten einige Investoren in „sichere Häfen“.
Update: 27.03.2017 - 17:53 Uhr 3 Kommentare

Das Ende des Trump-Effekts: Diese „sicheren Aktienhäfen“ suchen Börsianer

Das Ende des Trump-Effekts: Diese „sicheren Aktienhäfen“ suchen Börsianer

FrankfurtDie Anleger am deutschen Aktienmarkt sind am Montag angesichts eines schwindenden Vertrauens in Donald Trumps politische Durchsetzungsfähigkeit vorsichtig geworden. Der Dax verlor bis zum Handelsschluss 0,6 Prozent auf 11 996 Punkte. Damit rutschte das Börsenbarometer wieder knapp unter die viel beachtete 12 000-Punkte-Marke. Auch ein besser als erwartet ausgefallenes Ifo-Geschäftsklima änderte kaum etwas an der trüben Stimmung.

Für den Index der mittelgroßen Unternehmen MDax ging es um 0,8 Prozent auf 23 357 Zähler bergab und der Technologiewerte-Index TecDax sank um 0,6 Prozent auf 1991 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 verlor 0,3 Prozent.

Nach dem Scheitern der Gesundheitsreform des US-Präsidenten nehme das Unbehagen der Anleger zu, schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker AxiTrader. Da Trumps Versprechen die Börsenrally der vergangenen Monate ausgelöst hätten, „könnte die Trump-Blase schnell platzen, sollten nicht bald Resultate folgen“.

Das sind die größten Kapitalvernichter

EXCEET GROUP SE BEARER RED.SHARES A O.N.

WKN
ISIN
LU0472835155
Börse
Xetra

+0,04 +0,87%
+4,50€
Chart von EXCEET GROUP SE BEARER RED.SHARES A O.N.
Platz 10. Exceet Group
1 von 11

Die auf Elektronik und Sicherheitstechnik spezialisierte Exceet Group hat Anlegern auf fünf Jahre gesehen 67 Prozent Verlust gebracht. In den vergangenen drei Jahren verloren Aktionäre mit knapp 55 Prozent immer noch über die Hälfte ihres eingesetzten Kapitals, im vergangenen Jahr waren es 37 Prozent. In ihre Performancerechnung einbezogen haben die Anlegerschützer neben der Kursentwicklung auch die Dividendenzahlungen.

MYBET HOLDING SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0JRU67
Börse
Xetra

+0,01 +3,80%
+0,34€
Chart von MYBET HOLDING SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 9. Mybet Holding
2 von 11

Ein Glücksspiel-Konzern als Wertvernichter entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Auf fünf Jahressicht machten Mybet-Aktionäre fast 66 Prozent Verlust – die Dividendenzahlungen eingerechnet. Das ist zwar etwas weniger als die auf Platz zehn platzierte Exceet Group. Wer erst vor drei Jahren auf Mybet setzte, muss Kursverluste von 57 Prozent verschmerzen. Im vergangenen Jahr schlug ein Minus von 48 Prozent zu Buche.

AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0WMPJ6
Börse
Xetra

+0,21 +1,65%
+12,95€
Chart von AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 8. Aixtron
3 von 11

Minus 68 Prozent: So lautet die Bilanz der Aixtron-Aktionäre nach fünf Jahren. Auf Sicht von drei Jahren ist das Bild sogar noch schlechter, die Verluste summieren sich auf 70,5 Prozent. Die Herzogenrather hatten allein 2015 mit der drastischen Reduzierung eines chinesischen Großauftrags und anschließender Ausverkaufsstimmung bei den Aktionären zu kämpfen. Im vergangenen Jahr konnte der Absturz etwas abgebremst werden, Aixtron-Papiere verloren „nur“ 25 Prozent. In der Rangliste der größten Wertvernichter wird das Unternehmen damit nicht mehr auf Platz fünf geführt, sondern lediglich auf Platz acht.

SKW STAHL-METALLURGIE HLDG AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000SKWM021
Börse
Xetra

0,00 0,00%
+0,28€
Chart von SKW STAHL-METALLURGIE HLDG AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 7. SKW Stahl-Metallurgie
4 von 11

Drei Plätze verloren hat im Vergleich zum Vorjahresranking hingegen die SKW Stahl-Metallurgie. Auf fünf Jahre gesehen verloren Aktionäre 71 Prozent ihres Vermögens, Dividendenzahlungen eingerechnet. Wer die Aktie seit 2014 hält, machte ein Minus von 75 Prozent in den vergangenen drei Jahren. Für 2016 berechneten die Anlegerschützer der DSW ein Minus von 15 Prozent.

SGL CARBON SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007235301
Börse
Xetra

0,00 0,00%
+11,66€
Chart von SGL CARBON SE INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 6. SGL Carbon
5 von 11

Der Kohlenstoffspezialist SGL Carbon hofft derzeit auf die Wende. Konzernchef Jürgen Köhler: „Im Geschäftsjahr 2016 haben wir die Voraussetzungen für den Neubeginn und für die Rückkehr zu profitablem und nachhaltigem Wachstum geschaffen.“ Der Kohlefaserspezialist aus Wiesbaden will spätestens 2018 wieder schwarze Zahlen schreiben, im Oktober 2016 verkaufte man das verlustreiche Geschäft mit Grafitelektroden. In den vergangenen fünf Jahren machten Anleger mit SGL Carbon-Papieren 74 Prozent Verlust. Auf Dreijahressicht summierte sich der Verlust auf 67 Prozent, auf ein Jahr gesehen machten Anleger 15 Prozent Minus – Dividendenzahlungen eingerechnet.

AIR BERLIN PLC REGISTERED SHARES EO -,25

WKN
ISIN
GB00B128C026
Börse
Xetra

-0,00 -2,22%
+0,04€
Chart von AIR BERLIN PLC REGISTERED SHARES EO -,25
Platz 5. Air Berlin
6 von 11

Seit Jahren kommt die Berliner Airline einfach nicht aus den roten Zahlen. Die Fluglinie verfolgte einen Expansionskurs, der 2015 in einem Rekordverlust mündete. Ohne Finanzspritzen des größten Aktionärs – der arabischen Etihad – wäre Air Berlin vermutlich längst am Boden. Die chronisch unter Druck stehende Airline mutet Investoren einiges zu. Auf fünf Jahre gesehen haben Air Berlin-Aktionäre 76 Prozent ihres eingesetzten Kapitals verloren. Binnen drei Jahren verloren sie 63 Prozent, auf Sicht von einem Jahr summiert sich das Minus auf 34 Prozent.

SYGNIS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A1RFM03
Börse
Xetra

+0,03 +2,14%
+1,43€
Chart von SYGNIS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 4. Sygnis Pharma
7 von 11

Der deutsch-spanische Polymerase-Hersteller schreibt seit seiner Gründung 1997 durchgehend rote Zahlen. 2015 die Nummer fünf der Kapitalvernichter, belegt das Pharmaunternehmen in der aktuellen Auswertung der DSW sogar Platz vier. In den vergangenen fünf Jahren verloren Aktionäre 71 Prozent ihres Kapitals. Ähnlich schlecht fällt Bilanz nach drei Jahren aus. Auf Sicht von einem Jahr verloren Anleger mit Sygnis-Titeln 39 Prozent ihres Einsatzes.

„Trumps Image als Wachstumsguru bröckelt“, erklärte LBBW-Analyst Clemens Bundschuh. Für die Kapitalmärkte sei der Misserfolg in der Gesundheitspolitik mal abgesehen von der Pharmabranche zwar von untergeordneter Bedeutung. Doch habe das Vorhaben als Test für die politische Durchschlagskraft Trumps gegolten, die für konjunkturbeeinflussende Vorhaben wie die geplante Steuerreform nun einmal entscheidend sei.

Trumps nächstes Vorhaben dürfte noch schwerer durchzubringen sein, denn bei der Steuerreform müssen noch mehr Interessen unter einen Hut gebracht werden als bei der Gesundheitsreform.

Im Dax sorgten vor allem Analystenkommentare für Kursausschläge. Die Aktien des Versorgers RWE gehörten mit minus 2,5 Prozent zu den größten Verlierern. Die anstehende Kapitalmarktveranstaltung dürfte bestätigen, dass der Spielraum für Dividendenzahlungen ohne Berücksichtigung der Ökostrom-Tochter Innogy begrenzt sei, begründete Javier Garrido von der US-Bank JPMorgan die Streichung seiner Kaufempfehlung.

Die Anteilseigner des Softwareherstellers SAP mussten Verluste von 1,6 Prozent verkraften. UBS-Analyst Michael Briest begründete sein gestrichenes Kaufvotum mit einem begrenzten Kurspotenzial. Bei der Lufthansa drückte eine weiter negative Einschätzung der US-Bank Merrill Lynch auf die Stimmung - deren Experte Mark Manduca hält das Preisniveau der größten deutschen Fluggesellschaft strukturell für nicht wettbewerbsfähig. Die Aktien büßten 1,4 Prozent ein.

Kupferpreis fällt um zwei Prozent
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3 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Trump-Frust verdirbt Dax-Anlegern die Laune"

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  • Der Dax, das ist der tierische Zombi aus Deutschland, wer braucht das ?

  • ............es muß jetzt......oder bald geliefert werden.....diese Entwicklungen fordern eine Entscheidung....und so kann weiter geredet werden.....wie ein Wasserfall......

  • Der Autor spricht von einer "Trump Pleite". Das ist faszinierend und zeigt wieweit die Qualitätsmedien bewusst Meinungen zu generieren suchen.

    Soweit mir bekannt hat die Trump Administration einen Gesetzesentwurf zur Krankenversicherung in den Kongress (Parlament) eingebracht und diesen aufgrund einer erwarteten Ablehnung zurückgezogen. Soweit mir weiter bekannt beginnt jetzt ein Prozess in dem sich die unterschiedlichen Interessen der Abgeordneten einbringen, Abgeordnete mit Versprechungen und Drohungen für eine Lösung weich geknetet werden. Trump hat meines Wissens noch 3 3/4 Jahre um ein neues Gesetz zur Krankenversicherung mit dem Kongress zu verabschieden.

    Hintergrund: In Deutschland stimmen die Abgeordneten nach Parteizugehörigkeit ab. Im Grunde könnte man auf das Parlament verzichten und die Parteiführer die entsprechenden Stimmprozente einbringen. In den USA sind die Abgeordneten ihrem Gewissen und Interessen verpflichtet. Die Partei kommt an 2. Stelle. Das ist weniger berechenbar. Gesetze bedürfen langwieriger Abstimmungen.

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