Börse Frankfurt US-Daten retten Dax das Wochenende

JP Morgan verzockte sich um Milliarden, Frankreich und Spanien fahren höhere Staatsschulden ein und Griechenlands Regierung bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Trotzdem gewann an der Börse der Optimismus.
Update: 11.05.2012 - 17:53 Uhr 91 Kommentare

Börse Frankfurt am Abend

FrankfurtDer Konsumklima-Index der Uni Michigan schaffte es, trotz einer Flut negativer Meldungen, Optimismus an der deutschen Börse zu stiften. Nach einem Auf und Ab schloss der Deutsche Leitindex schließlich 0,95 Prozent höher bei 6.579 Punkten. Auf Wochensicht hat der Dax damit ein moderates Plus von 0,3 Prozent geschafft. Den Handelstag über beschäftigten insbesondere Sorgen um die europäische Schuldenkrise und die milliardenschwere Zockerei der US-Großbank JP Morgan die Anleger.

Bevor der Konsumklima-Index der Uni Michigan (15:55 Uhr MESZ) veröffentlicht wurde notierte der Dax tief im Minus. Das von Reuters und der Universität Michigan ermittelte Stimmungsbarometer der US-Verbraucher stieg im Mai auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. "Der erneute Anstieg der Verbraucherstimmung ist erfreulich", sagte Helaba-Analystin Viola Stork. "Insgesamt werden die moderaten Wachstumsaussichten für die USA unterstützt."

Den ganzen Handelstag über sorgte JPMorgan für trübe Stimmung bei den Anlegern. Die US-Großbank hat sich um zwei Milliarden Dollar verzockt - die Aktie gibt an der Wall Street neun Prozent nach. „Die Befürchtung ist, dass andere Banken auch noch Leichen im Keller haben“, sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Lex van Dam, Hedgefonds-Manager bei Hampstead Capital, äußerte sich ähnlich: „Dass nicht einmal JPMorgan in der Lage ist, seine Händler zu kontrollieren, heißt, dass es mehr Regulierung und weniger Gewinne geben wird.“

Aktien der Deutschen Bank konnten ihre hohen Verluste eingrenzen und schlossen lediglich 0,2 Prozent tiefer, Commerzbank 0,26 Prozent. Der europäische Branchen-Index verlor 0,8 Prozent.

Für Verunsicherung bei den Anlegern sorgte auch die schwierige Lage im spanischen Bankensektor. Erst am Donnerstag hatte Spanien die zweitgrößte Sparkasse des Landes, Bankia, verstaatlicht. Die Analysten von UBS warnten in einem Kommentar vor „erheblichen Risiken“ für die spanischen Banken, die Staatsschulden und die Wirtschaft, sollten die für Freitag erwarteten Pläne der spanischen Regierung zur Rettung der Finanzbranche enttäuschen.

Hinzu kamen schlechte Nachrichten bezüglich der Staatsschuldenkrise. Spanien und Frankreich verfehlen nach Einschätzung der EU-Kommission ihre Defizitziele. Die beiden großen Euro-Länder werden es nicht schaffen, im kommenden Jahr - wie fest vereinbart - die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent der Wirtschaftsleistung einzuhalten. Das teilte die EU-Behörde am Freitag in ihrer Konjunkturprognose in Brüssel mit.

Das von einer Bankenkrise erschütterte Spanien kommt 2013 demnach auf 6,3 Prozent Haushaltsdefizit vom Bruttoinlandsprodukt (BIP), Frankreich auf 4,2 Prozent. Auch die Niederlande liegen im kommenden Jahr mit 4,6 Prozent weit über der Zielmarke von 3 Prozent.

In Griechenland werden Neuwahlen immer wahrscheinlicher. Nach Gesprächen am Freitag erteilte der Parteivorsitzende der Demokratischen Linken, Fotis Kouvelis, einer Koalition mit der sozialistischen PASOK und der konservativen Neuen Demokratie (ND) eine Absage. "Wir haben unsere Haltung klar gemacht. An einer Regierung mit (nur) Neuer Demokratie und PASOK werden wir uns nicht beteiligen", sagte Kouvelis. Das Hin und Her geht damit weiter und Anleger bleiben verunsichert.

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91 Kommentare zu "Börse Frankfurt: US-Daten retten Dax das Wochenende"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ deltaone

    Die Londoner Abteilung hat sich derart verspekuliert; das bleibt nicht bei zwei Milliarden. Achten Sie bitte am Montag auf den FTSE. Ich bin dann mal weg.

  • @Hamburger: Ebenfalls schönes WE, viel Spaß in Hamburg, meiner Perle...
    @daytrader-wave: Na dann freue ich mich ausnahmesweise auf die Posts eines Anonymen. Kleiner Tip bzgl. des vorherigen Nicks möglich?
    @kopernikus: Über das Maschmayer/Arzt-Beispiel muss ich noch etwas nachdenken. Erste Reaktion: Wer von einem Strucki kauft, sollte tendenziell immer vorsichtig sein - caveat emptor. Sicherlich richtig ist aber "Brot in den Tank" eine Sünde.

  • Ich sage nicht, das der Staat dem Markt grundsätzlich überlegen ist in der Preisfindung. Nichts läge mir ferner. Aber bei öffentlichen Gütern? In der Reinform wäre dann auch der Markt überlegen, wenn es um die Preisfindung für die innere oder äussere Sicherheit geht, was ich bei aller Sympathie für marktwirtschaftliche Preissysteme doch bezweifeln möchte.
    Über das staatliche Geldmonopol kann man bei von Mises oder von Hayek einiges lesen, was dem Postulat des staatlichen Zentralbankmonopols fundiert entgegen steht.
    Zustimmung zu der Aussage, die Theorie über den Markt sei wertfrei nicht möglich, da die Ökonomie zwar gern den Anschein einer perfekten Quasi-Naturwissenschaft (wie z.B. Physik) erweckt, damit aber zum Scheitern verurteilt ist.

  • @daytrader_wave

    ein weiteres gutes Beispiel ist die Verspritung von Lebensmitteln:
    Mais zu Öko-Gas,
    Raps zu Diesel,
    Zucker zu Alkohol.
    Das waren die Grünen, deshalb sind sie auch so auffällig ruhig,
    sie sind nämlich für die Verteuerung von Ackerflächen, lebensmitteln, Monokulturen in Brasilien, e.t.c verantwortlich.
    Ebenso für die Solartechnik, ein einziges Desaster außer man subventioniert alles.

  • Ja, danke für den Tipp mit der Registrierung!
    Wir kennen uns auch schon aus früheren postings zum Dax hier auf der HB-Kommentarseite zur Rubrik "Dax", aber ich hatte früher als registrierter Nutzer einen Nickname, der bei wirklich gezielter Recherche zu schnell auf meine reale Identität hätte schließen lassen können, und das war mir angesichts mancher Hass-postings gegen unsereins hier zu riskant.
    Man weiss ja nicht...

    Außerdem finde ich die mail-Funktion praktisch, weil die eigenen Postings aufgehoben werden. Ich poste also einstweilen weiter als "unbekannter Benutzer" mit meinem Nickname.

    Das Traden im Markt ist für mich schön wie das Wellenreiten in Florida.
    Waves sind in der Tat meine Produkte, je nach Marktlage, eben wie man als Wellenreiter auch je nach Wellengang das passende Brett wählt...

  • schönes we delta. Sieht noch nach einem kleinen Turnaround der amis aus ;-)

    Montag geht es weiter...

    ab zum 823. Hafengeburtstag. Schiff Ahoi

  • @deltaone

    sind Sie sicher, daß man das nur der Politik überlassen darf ?
    Oder ist jeder einzelne für sich selbst und andere
    mitverantwortlich ?
    Verkauft ein Maschmeyer einem Arzt unsinnige Produkte, was soll dann der Arzt mit Maschmeyer machen, wenn der krank zu ihm kommt ?

  • @deltaone
    ...dabei muss man aber auch sehen, dass der Staat bzw. die öffentliche Hand keineswegs "besser weiss als der Markt", was ein "gerechter Preis" für ein bestimmtes Gut ist.
    Erfahrungsgemäß ist der Staat weder ein guter Unternehmer noch ein gutes Substitut für den Markt, der zwar moralfrei ist, aber dafür zu untrüglich effizienten Allokationsergebnissen führt.

    Der Glaube an den Staat, "gerechter" zu sein als der Markt ist leider meistens irrig. Häufig gilt hier auch, dass gut gemeint und schlecht gemacht zu moralisch weit schlimmeren Ergebnissen führt als marktgerechte Lösungen.

    Ein treffendes Beispiel hierfür ist übrigens das staatliche Geldmonopol...

    Im übrigen möchte ich noch ergänzen, dass die Aussage, der Markt sei ein moralfreier Ort, selbstverständlich eine moralische (bzw. eine ethische) Aussage ist, und damit der Beweis angetreten ist, dass zwar der Markt moralfrei, nicht aber die Theorie von ihm moralfrei ist.

  • @daytrader-wave: Wünsche weiter viel Erfolg beim trading. Bevorzugtes Vehikel (day) Waves ? :) Übrigens: Was spricht gegen eine Registrierung als user, es gab hier in der Vergangenheit wiederholt unschöne Versuche von Identitätsdiebstahl...

  • @Kopernikus: Ich stimme zu, nicht für alle von Menschen produzierten/nachgefragten Güter und Leistungen existiert ein wertgerechter Marktpreis (z.B. öffentliche Güter). Diese sollten daher nicht einem marktlichen Preissystem unterworfen werden. Spannende Frage, welche Teilbereiche hiervon auszunehmen sein sollten - somit Aufgabe der Politik, nicht des Marktes.

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