Börse Frankfurt
US-Jobdaten machen ängstlichen Anlegern zu schaffen

Gut oder schlecht? Die US-Arbeitsmarktdaten lassen viel Interpretationsspielraum, vor allem was die künftige Geldpolitik der Fed betrifft. Der Dax durchlebte am Freitag heftige Kursschwankungen.
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FrankfurtDie Börsenwoche hat eine ganz deutlich gezeigt. Die Volatilität steigt. So mancher mag sich an den Höhepunkt der Euro-Krise erinnern. Damals schwankten die Kurse wild hin und her und Prognosen glichen mehr einem Lotteriespiel denn einer fundierten Analyse.

Am Freitag folgte der Dax ganz diesem Credo. Bis zum Nachmittag verhielten sich die Anleger weitestgehend ruhig. Die um zwölf Uhr veröffentlichten Auftragseingänge der deutschen Industrie ließen den Dax zwar tiefer ins Minus fallen, der Geschwindigkeit des Kursverfalls bewegte sich aber noch im "normalen" Bereich.

Erst als die neuesten Arbeitsmarktdaten aus den USA nach Europa schwappten, beschleunigte sich der Betrieb an den Börsen. Der Dax katapultierte sich augenblicklich vom Minus ins Plus, um danach genauso schnell und noch heftiger wider ins Negative zu rauschen. Am Ende stand beim Dax ein sattes Minus von 2,4 Prozent auf 7.806 Punkte. Die zweite Reihe fiel mit leichter Verzögerung ebenfalls in den roten Bereich. Der MDax schloss am Freitag ein Prozent tiefer auf 13.716 Punkte und der TecDax notierte zum Schluss 0,9 Prozent leichter auf 952 Zähler.

Die Arbeitsmarktdaten aus den USA waren auf den ersten Blick vielversprechend. Über den Erwartungen wurden im Juni rund 195.000 neue Stellen geschaffen. Der ADP-Bericht am Mittwoch ging von 188.000 Stellen aus, von Reuters befragte Experten rechneten mit 165.000 Stellen. Die Arbeitslosenquote beläuft sich derzeit auf 7,6 Prozent.

"Die Zahlen sind erfreulich und untermauern die Erwartungen, dass sich die US-Notenbank im Verlauf des Herbstes von den Anleihekäufen zurückzieht", kommentierten die Analysten der Helaba. Die Fed hat die Fortsetzung ihrer ultralockeren Geldpolitik von der Entwicklung am Arbeitsmarkt abhängig gemacht.

Auf den zweiten Blick vergrößerten die Zahlen allerdings die Unsicherheit über eine mögliche Drosselung der laxen Geldpolitik der Fed. Zwar ist man immer noch weit von der Quote entfernt, ab der man davon ausgehen kann, dass die Fed ihre lockere Geldpolitik straffen könnte. Allerdings zeigt die hohe Zahl der neu geschaffenen Stellen einen klar positiven Trend des US-Arbeitsmarktes. Dieser Trend wiederum lässt eine Drosselung der monatlichen Anleihekäufe durch die Fed näher rücken.

"Hält der Arbeitsplatzaufbau in ähnlicher Größenordnung in den kommenden drei Monaten an, kann ab Oktober mit einer Drosselung der Wertpapieraufkäufe gerechnet werden", erklärte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. "So empfindlich auch die Finanzmärkte in den vergangenen Wochen reagiert haben mögen, der erste Schritt zu einer Normalisierung der Geldpolitik ist ein gutes Signal."

Finanzmarkt-Experte Alister Gaines von CDC Wealth Management rechnet sogar noch früher mit dem Einstieg in den Ausstieg aus dem sogenannten "Quantitative Easing" (QE). "Die Wahrscheinlichkeit für die Drosselung des QE im September sind gestiegen."

Die überraschend starken US-Jobdaten ließen den Euro tief ins Minus fallen. Am Abend rutschte die europäische Gemeinschaftswährung um 0,6 Prozent ab und wurde mit 1,2833 Dollar bewertet – der tiefste Stand seit Ende Mai.

In den USA verhielten sich die Anleger am Freitag besonnener. Denn während die Kurse in Europa abstürzten, konnte der Dow Jones bei einem Kurs von 15.009 Punkten ein Plus von 0,1 Prozent halten.

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Jobdaten-Chaos sorgt für negative Marktperformance

Kommentare zu " Börse Frankfurt: US-Jobdaten machen ängstlichen Anlegern zu schaffen"

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  • @ (untergangs)realist

    Hier ein schönes Zitat von Mark Twain für Sie:

    October: This is one of the peculiarly dangerous months to speculate in stocks in. The other are July, January, September, April, November, May, March, June, December, August, and February.

    Viele Grüße in den Bunker!

  • Es war ein normaler Freitag, an dem die großen Banken ihre offenen Positionen glattgestellt haben. Kein gutes Zeichen, wenn das mit einem solchen Abstieg in 2 Stunden passiert.

    Sagt: Der WAHRE Realist

  • ......................möchte noch einmal kurzen Nachhilfeunterricht geben, weil ich es vorhin vergessen habe mit zu erwähnen. Es wird neben einem richtigen Paukenschlag nach Unten, der Chrash auf Raten sein. Die erste Etappe haben wir heute erlebt, nicht wahr? Wieso auf Raten? Nun, beim Crash auf Raten blutet die Wunde nicht so stark. Das ist die neue Form des Abstiegs, eine psychologisch raffiniert verpackte Verfahrensweise den Anleger nicht ganz zu verprellen und ihn ggf. noch bei Laune zu halten. Also für den unerfahrenen Anleger eine lausige Erkenntnis? Ja, so ist es. Es ist die Prügel auf Raten, die ihm verabreicht wird. Was soll er denn tun? Wenn er seinen Sachverstand am anderen Ende seines Körperteils hat, verliert er auch über diesen schrittweisen Untergang des Daxes sein Geld. Ja, was soll er jetzt tun, um nicht alles zu verlieren? Sofort und unverzüglich aussteigen. Da er es aber nicht tun wird, wird das Szenario wie oben beschrieben eingeläutet. Es wird so kommen...................

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