Börse Frankfurt
US-Notenbank macht Dax-Anleger nervös

Der Dax wird zum Spielball der Emotionen. Falsche Interpretationen der Fed-Protokolle sorgten für einen sprunghaften Handel. Inmitten dieser Spekulationen gehen derweil Konjunktur- und Unternehmensdaten unter.
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FrankfurtBeständigkeit sieht anders aus: Zwischen dem Tageshöchst- und dem Tagestiefstkurs des Dax lagen heute rund 165 Punkte. Stark gestartet rutschte der Dax schnell wieder unter 9000 Punkte. Am Ende rettete der Leitindex ein mickriges Plus von 0,1 Prozent auf 9005 Punkte über die Ziellinie.

In der zweiten Reihe offenbarte sich ein geteiltes Bild. Während der MDax 1,1 Prozent nachgab auf 15.202 Punkte, schloss der TecDax 0,2 Prozent fester auf 1184 Zähler.

Ausschlaggebend für die Kursgewinne in der ersten Handelshälfte waren Spekulationen rund um die Sitzungsprotokolle der Fed. Viele Investoren werten die darin enthaltenden Bemerkungen der Notenbanker als Beleg dafür, dass die Zinswende in den USA doch etwas später einsetzen könnte, als erhofft. Vor allem die Aussage, dass die Fed ihre Geldpolitik weiterhin an die Konjunktur binden werde, hatte die Hoffnung ausgelöst.

Doch Händler und Anleger haben die Sitzungsprotokolle nur oberflächlich studiert. Denn die Notenbanker äußerten außerdem erheblich Bedenken bezüglich ihres Bekenntnisses der Fed die Zinsen langfristig niedrig zu halten. Sie sind in Sorge, dass das Signal für eine noch lange Zeit laxe Geldpolitik als Verpflichtung missverstanden werden könnte. Die ausgiebige Debatte im Entscheidungsgremium der Notenbank lässt darauf schließen, dass das Bekenntnis bereits auf der Sitzung Ende des Monats kassiert oder zumindest umformuliert werden dürfte.

Möglicherweise habe der Markt die Aussagen überinterpretiert, merkte ein Händler an. „Das passt überhaupt nicht zu den derzeit guten Konjunkturdaten – und die Sitzung der Fed, die da protokolliert wurde – fand schließlich im September statt.“

Für gedämpfte Stimmung sorgte heute außerdem das gemeinsame Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für das deutsche Wirtschaftswachstum. Den Experten zufolge dürfte es einen leichten konjunkturellen Einbruch geben. Sie gehen nunmehr nur noch von einem Wachstum von 1,3 Prozent. Noch im Frühjahr hatten sie mit 1,9 Prozent Wachstum für den Herbst 2014 gerechnet. Auch ihre Prognose für das kommende Jahr korrigierten die Forscher von 2,0 auf 1,2 Prozent deutlich nach unten.

Von den miesen Konjunkturdaten zeigen sich die US-Anleger sichtlich beeindruckt. Der Dow Jones musste am Donnerstag ein Minus von 0,8 Prozent auf 16.854 Punkten hinnehmen. Gestern noch hatten Spekulationen rund um die Fed-Sitzungsprotokolle den New Yorker Leitindex auf ein Plus von rund 1,6 Prozent geschoben.

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    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • "Möglicherweise habe der Markt die Aussagen überinterpretiert, merkte ein Händler an. „Das passt überhaupt nicht zu den derzeit guten Konjunkturdaten – und die Sitzung der Fed, die da protokolliert wurde – fand schließlich im September statt.“"

    Es kommt nach wie vor auf die Berichtssaison an. Sehr gute oder gute US-Ergebnisse erhöhen die Wahrscheinlichkeit für eine Erhöhung. So oder so: Der Termin rückt näher und selbst Yellen kennt ihn noch nicht und daher lässt sich aus den Protokollen kein Juli oder August bzw. März ableiten. Der Termin kommt, wenn es ziemlich offensichtlich ist, dass ein Zinsschritt notwendig bzw. der Markt einen solchen verträgt.

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