Börse Frankfurt Verfassungsrichter beflügeln Dax

Das ESM-Urteil sorgte für viel Wirbel an den Märkten. Doch schon morgen folgt die nächste Zitterpartie. Die Fed wird ihre Beschlüsse veröffentlichen. Einige Anleger spekulieren auf weitere geldpolitische Lockerungen.
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Börse Frankfurt am Abend

FrankfurtMit dem "Ja" des Bundesverfassungsgerichts zum Rettungsfonds ESM haben die deutschen Verfassungsrichter heute für Erleichterung an den Finanzmärkten gesorgt. Der Dax stieg zeitweise über 7.400 Punkte. Kurz vor Handelsschluss ging dem Leitindex dann aber ein wenig die Luft aus. Am Ende reichte es für ein Plus von 0,5 Prozent auf 7.344 Punkte. Das satte Kursplus gestern und der heutige Kursschwung veranlasste viele Anleger vor Handelsende ihre Gewinne zu realisieren.

Die zweite Reihe zeigte heute eine ähnlichen Kursverlauf wie der Dax. Der MDax schloss 0,2 Prozent fester auf 11.202 Punkte und der TecDax legte um 0,6 Prozent zu auf 811 Zähler. Der Euro stieg zeitweise über 1,29 Dollar und war damit so teuer wie zuletzt Mitte Mai.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgericht haben die Verfassungsrichter die Mitwirkung Deutschlands am ESM und am Fiskalpakt gebilligt. Damit ist der Weg frei für die geplante Ablösung des vorläufigen Rettungsschirms EFSF durch den ESM, der schrittweise auf ein Kreditvolumen von 500 Milliarden Euro aufgebläht werden soll. Deutschland beteiligt sich mit 190 Milliarden Euro am ESM. 22 Milliarden werden sofort in Form von Steuergeldern verfügbar sein, die restlichen 168 Milliarden Euro setzen sich aus Garantien zusammen.

Mit den Milliarden sollen Länder wie Italien und Spanien, die unter kaum noch tragbarer Zinslast ächzen, mit Kreditlinien oder Anleihekäufen vor der Pleite bewahrt und wieder fit gemacht werden.

"Der Markt hatte damit gerechnet, auch mit Auflagen", sagte Kevin Lilley, Fondsmanager bei Old Mutual Asset Management. "Was ich an Auflagen gesehen habe, scheint keine große Überraschung zu sein. Zumindest hat es den Markt nicht negativ überrascht und daher kann es mit den Kursen weiter nach oben gehen."

Eine der Auflagen ist die Haftungsgrenze. Denn die Richter in Karlsruhe urteilten, dass einer Erhöhung der Haftungsgrenze Deutschlands von 190 Milliarden Euro nur mit Zustimmung des Bundestages geändert werden kann. Dadurch ist in der derzeitigen Form wohl keine Banklizenz für den ESM möglich. Außerdem verhinderte die Verfassungsrichter, dass der Betrag des ESM unbegrenzt erhöht werden kann.

Dass es den Märkten derzeit nicht an Geld fehlt beziehungsweise an Geld fehlen wird, zeigt auch ein Blick über den Atlantik. Eine Serie schwacher US-Konjunkturdaten gab in den vergangenen Tagen den Spekulationen um eine weitere Lockerung der Geldpolitik (QE3) durch die US-Notenbank Fed neue Nahrung. "Die Amerikaner hoffen auf eine dritte Geldspritze durch die US-Notenbank und kaufen deshalb auch schon kräftig am europäischen Aktienmarkt zu", begründete ein Händler die Rekordjagd. Am Donnerstag will die US-Notenbank ihre Beschlüsse veröffentlichen.

Allerdings zeigen sich schon jetzt die ersten negativen Anzeichen der Politik des billigen Geldes. Denn im ganzen Trubel um den Rettungsschirm ESM gingen die neuen deutschen Inflationszahlen fast unter. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte stieg die Inflation von 1,7 auf 2,1 Prozent. Experten erwarteten einen Anstieg auf lediglich zwei Prozent. Damit übersteigt Deutschland die von der EZB festgelegte Schwelle, bis zu der stabile Preise gewährleistet sind. Als Erklärung für die erhöhte Inflation nannten die Experten den rasanten Preisauftrieb bei Sprit und Heizöl.

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81 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Verfassungsrichter halten Dax auf der Überholspur"

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  • nur darum gehts Graf Drahgi :

    der psychologische Rausch des Machtgefühls ist
    um ein mehrfaches höher und gefährlicher als der des Geldes

    Narzissmus und Macht – Zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik
    http://www.narzissmus.net/?p=172

    http://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus

  • Mit dem JA der Bundesverfassungsgerichts zum ESM steht jetzt unwideruflich fest, daß die Politik verantwortlich ist für alle Nachteile, die sich für Deutschland aus dieser blinden, nicht mehr zu kontrollierenden Schuldenpolitik zwecks EURO-Rettung ergibt. Eigentlich geht es hierbei letztlich gar nicht mehr um die EURO-Rettung, sondern um die Rettung von EURO-Mitgliedsländern, welche sich durch Misswirtschaft selbst in die Lage drohender Staatsinsolvenz gebracht haben. Ohne die Existenz des EURO (Währungsunion) wäre diese wenig Erfolg versprechende Staatenrettung durch Billionenkredite per Gelddruckmaschine der EZB gar nicht von nöten, denn es wäre jedes Mitgliedland mit eigener Währung selbst für dessen Stabilität verantwortlich geblieben. Auch wenn die Börsen den Schritt zu weiterer Verschuldung scheinbar begrüssen, wird der Abgrund in den alles abstürzt um so tiefer sein. Wirtschaft funktioniert nicht wie die 3 Musketiere - einer für alle, alle für einen - Wirtschaft braucht Wettbewerb. Es funktioniert nicht nach dem Motto, der Trottel der vernünftig arbeitet und wirtschaftet zahlt eben am Ende für alle anderen mit

  • nach Gewinnmitnahmen, die jetzt schon laufen, geht es morgen wieder in Richtung 7.400

  • Ich bleibe dabei. Je nach Entscheidung morgen gibt's 'nen kleinen bis mittelschweren Crash ...

  • Der DAX liegt aktuell auf dem Level, wie er heute begonnen hat.
    War es das für das Erste?

  • Also dafür das ein Händler heute gesagt hat, das sei der Termin des Jahres, waren die Ausschläge überschaubar und der Tagesgewinn bis jetzt eher gering.
    Klar war schon viel eingepreist aber das es so harmlos ausfallen würde hätte ich nicht gedacht.
    Viel Luft ist da oben leider nicht mehr

  • @lichtenberg
    Das habe ich mal in der Schule gelernt, dass an der Börse die entsprechenden Unternehmen bewertet werden.
    Aber ist dies die ganze Wahrheit???
    Kann es sein, dass ein Teil des frischgedruckten Geldes in die Aktienmärkte fließt (mangels Alternative) und dadurch die Kurse puscht, unabhängig von fundamentalen Daten der realen Industrie.
    Wenn meine These stimmt, dann macht Dragi die Aktienkurse.

  • heute, am 12.08.12 haben das Verfassungsgericht, den europäischen Stabilitätsmechanismus ( ESM ) abgesegnet.
    Deutschland ( das sind wir ) wird ab jetzt, einen Großteil der Schulden, die die Südländer über Jahre angehäuft haben bezahlen bzw. Garantien übernehmen.
    Die Folge wird sein, dass der deutsche Staat in einpaar Jahren 3 Billonen Schulden hat und diese von keiner Generation jemals getilgt werden können.
    Die Zinszahlungen für diesen Euro-Wahnsinn, werden in die hunderte von Milliarden Euro gehen.
    Nebenher wird die Inflationrate stark ansteigen und der Euro wird deutlich an Wert verlieren.
    Für diesen politischen Unsinn, werden die Rentner, Kleinverdiener und Sparer aufkommen müssen. Sie sind die eingendlichen Verlierer bei dieser geistreichen Rettung.
    Die Gewinner sind die Staaten, die es sich jahrelang haben gutgehen lassen, fleißig bei uns eingekauft, aber nicht bezahlt haben, ihre Reallöhne bis zu 30 % erhöht haben und mit 55 - 62 Jahren in Rente gehen konnten, jetzt aber hoffen, dass ihnen Deutschland, Österreich und die Niederlande ihre Schulden abbezahlt. Finnland hat sich Garantieen geben lassen und lacht sich jetzt in Fäustchen.
    Bedanken können wir uns bei Frau Merkel, Herrn Schäuble, ihren Helfershelfer und den Karlsruher Richtern.

  • Ja! Und der Euro ist auch fester gegangen, obwohl der ESM noch nie stärker gewackelt hat als mit dem Urteil. Das passt nur, wenn Interventionen im Markt erfolgten.

    D.h. das die Bedingungen, die das Bundesverfassungsgericht formuliert hat, nie erfüllt werden. Keine Chance!!!

    Die Bedingungen sind nur einige wenige Punkte der Kritik am Vertragstext, diesmal formuliert vom Bundesverfassungsgericht.

    Eine Watchen wie sie hätte nie größer hätte ausfallen können.
    Die Südländer hängen damit nur noch an der EZB (Ankauf deren Staatsanleihen) und der Deutschen Bundesbank (Target 2-Salden). Sie sind im wahrsten Sinne auf "Droge".

  • Herr Draghi macht letztendlich keine Börsenkurse,

    sondern die darunter angesiedelten Firmen.

    Letztendlich geht es auch um deren Bewertung an der Börse
    und dort sollte Vernunft herrschen und nicht der Zirkus.
    Denn jeder Börsenclown hat auch seinen Abtritt bisher gehabt.
    Es gibt keinen Grund Draghi zu feiern.
    es gibt keinen Grund den ESM zu feiern,
    es gibt aber auch keinen Grund den Tanz ums Goldene Kalb der
    Goldbugs zu feiern.
    Ihr kriegt dann nämlich alle einen Kater der sich gewaschen hat..

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