Börse Frankfurt: Volkswagen triumphiert im Dax

Börse Frankfurt
Volkswagen triumphiert im Dax

Der Deutsche Aktienindex rutscht nach einem Zwischenhoch am Abend wieder ins Minus, vor allem der gestiegene Euro-Kurs drückt die Stimmung. Doch die Aktie von VW trotzt dem Trend.

FrankfurtDer deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch mit weiteren Verlusten aus einer nervösen Handelssitzung gegangen. Ein kräftiger Anstieg des Eurokurses machte Börsianern zufolge jeden Erholungsversuch nach der jüngsten Aktienschwäche zunichte. Das Bild des Leitindex Dax sei angeschlagen. Im Fokus bleiben auch die zuletzt stark schwankenden Rohstoffpreise, die sich etwas erholten. Positive Aussagen der Wirtschaftsforscher des Ifo-Instituts für Deutschland im kommenden Jahr fanden kaum Beachtung.

Nach freundlichem Start rutschte der deutsche Aktienindex Dax schnell ins Minus und konnte am Nachmittag nur kurzzeitig ins Plus klettern. Der Leitindex ging 0,76 Prozent tiefer bei 10.592,49 Punkten aus dem Handel. Das ist der niedrigste Schlusskurs seit dem 22. Oktober. Der MDax mittelgroßer Titel verlor am Mittwoch 0,70 Prozent auf 20 709,14 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,46 Prozent auf 1831,69 Punkte herunter.

Die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten aus China und der Preisrutsch beim Öl wirkten noch nach. „Das war für den deutschen Leitindex eine bittere Pille“, sagte Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Größter Dax-Gewinner waren Volkswagen. Die Falschangaben zu den CO2-Werten in Abgasen der Fahrzeuge aus Wolfsburg betreffen deutlich weniger Autos als zunächst angenommen. Auch der Schaden wird damit deutlich geringer ausfallen als zunächst befürchtet. Eine gute Nachricht, meint Analyst Michael Punzet von der DZ Bank stellvertretend für viele Börsianer. Die Vorzugsaktien von Volkswagen sprangen an der Dax-Spitze um 6,21 Prozent nach oben.

Unter den Einzelwerten richteten die Anleger ihren Fokus vor allem auf Bayer. Der mögliche Ärger um den Blutgerinnungshemmer Xarelto, über den das Handelsblatt berichtet hat, drückte den Dax-Wert um bis zu fünf Prozent ins Minus. Am Abend lag die Aktie mit 2,07 Prozent im Minus. Die europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMA) prüft die Studiendaten des Blutgerinnungshemmers Xarelto noch einmal. Es geht darum, ob es bei einer 2010 abgeschlossenen Zulassungsstudie zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Möglicherweise kam ein defektes Testgerät zum Einsatz. Analyst Volker Braun vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe zeigte sich aber wenig beunruhigt. Nach Einschätzung von Equinet-Analystin Marietta Miemietz ist das Ergebnis der Untersuchungen schwer vorherzusagen. „Wir sehen allerdings nur eine geringe Chance, dass Xarelto einen schweren Imageschaden erleiden könnte“, schrieb sie in einem Kommentar. Die Expertin rechnet mit einer schnellen Erholung der Bayer-Aktien.

Tagesverlierer im Dax waren aber die Papiere von Adidas, die im Zuge eines Investorentages bei dem Sportartikelhersteller 3,06 Prozent verloren. Höhere Einkaufspreise und steigende Löhne erschweren künftig die Gewinnsprünge bei Adidas. Aktienhändler sprachen nach der seht guten Kursentwicklung bis auf ein Rekordhoch in der Vorwoche allerdings auch davon, dass einige Anleger Kasse machten.

Auf der Gewinnerseite standen zudem Deutsche Telekom, die sich von ihren jüngsten Verlusten etwas erholten und 0,6 Prozent zulegten. Nachdem Deutsche Lufthansa bis Mittag zu den Gewinnern im Dax gehört hatte, drehte sie ins Minus und notierte am Nachmittag um 1,3 Prozent ins Minus. Der Grund: Der Streik der Flugbegleiter hat tiefe Spuren bei der Airline hinterlassen. Der Konzern beförderte im November mit 7,2 Millionen Passagieren 8,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Bei der vom Streik betroffenen Lufthansa Passage gingen die Passagierzahlen sogar um 12,5 Prozent zurück.

Auftrieb erhielten auch die in Frankfurt notierten Aktien von Dow Chemical und DuPont. Die Aussicht auf eine mögliche Mega-Fusion der beiden größten US-Chemiekonzerne trieb die Titel um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Dow Chemical und DuPont verhandeln über einen Zusammenschluss, eine Vereinbarung könnte schon in den nächsten Tagen erreicht werden. Dabei könnte ein neuer Branchengigant mit einem Börsenwert von mehr als 120 Milliarden Dollar entstehen, der den bislang weltgrößten Chemiekonzern BASF vom Thron stoßen würde. BASF verloren im Dax 0,3 Prozent.

Für Teilnehmer an der wöchentlichen Sentimentumfrage des Handelsblatts kommen solche verlustreichen Tage an der Börse nicht überraschend. „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können“, meinte Börsenexperte Stephan Heibel bereits am vergangenen Montag. Er interpretiert die Umfrageergebnisse und gibt eine Einschätzung, wie sich der Dax in der folgenden Woche entwickeln könnte. Er bleibt bei seiner Einschätzung, dass die momentanen Rückschlage Kaufgelegenheiten seien. „Ich würde aber nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“, rät Heibel.

Gefragt war erneut der Euro. Seit der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag hat die Gemeinschaftswährung in der Spitze fast vier US-Cent zugelegt. Anleger hatten mit umfangreicheren Schritten zur Ausweitung der Geldpolitik gerechnet. Am Mittwoch notierte der Euro zeitweise bei 1,0989 Dollar nach 1,0893 Dollar im Schlussgeschäft vom Vortag.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%