Börse Frankfurt Volkswagen triumphiert im Dax

Der Deutsche Aktienindex rutscht nach einem Zwischenhoch am Abend wieder ins Minus, vor allem der gestiegene Euro-Kurs drückt die Stimmung. Doch die Aktie von VW trotzt dem Trend.
Update: 10.12.2015 - 00:43 Uhr

VW-Aktien mit kräftigem Plus

FrankfurtDer deutsche Aktienmarkt ist am Mittwoch mit weiteren Verlusten aus einer nervösen Handelssitzung gegangen. Ein kräftiger Anstieg des Eurokurses machte Börsianern zufolge jeden Erholungsversuch nach der jüngsten Aktienschwäche zunichte. Das Bild des Leitindex Dax sei angeschlagen. Im Fokus bleiben auch die zuletzt stark schwankenden Rohstoffpreise, die sich etwas erholten. Positive Aussagen der Wirtschaftsforscher des Ifo-Instituts für Deutschland im kommenden Jahr fanden kaum Beachtung.

Nach freundlichem Start rutschte der deutsche Aktienindex Dax schnell ins Minus und konnte am Nachmittag nur kurzzeitig ins Plus klettern. Der Leitindex ging 0,76 Prozent tiefer bei 10.592,49 Punkten aus dem Handel. Das ist der niedrigste Schlusskurs seit dem 22. Oktober. Der MDax mittelgroßer Titel verlor am Mittwoch 0,70 Prozent auf 20 709,14 Zähler. Für den Technologiewerte-Index TecDax ging es um 0,46 Prozent auf 1831,69 Punkte herunter.

Die zuletzt enttäuschenden Konjunkturdaten aus China und der Preisrutsch beim Öl wirkten noch nach. „Das war für den deutschen Leitindex eine bittere Pille“, sagte Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Diesen Öl-Konzernen laufen die Anleger weg

OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
AT0000743059
Börse
L&S

-1,75 -3,41%
+49,43€
Chart von OMV AG INHABER-AKTIEN O.N.
OMV
1 von 12

Als einer der wenigen Konzerne hat es der österreichische Öl- und Gaskonzern OMW bisher erfolgreich geschafft, dem Preisverfall an den Ölmärkten die Stirn zu bieten. Die Aktien konnten seit Jahresanfang über 15 Prozent zulegen. Zwar brach der bereinigte Gewinn im dritten Quartal um 25 Prozent auf 495 Millionen Euro ein. Experten hatten jedoch mit deutlich höheren Verlusten gerechnet. Abgefedert wurden die sinkenden Erträge in der Ölförderung von einem starken Raffineriegeschäft.

Kursentwicklung: + 15,2 Prozent

TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50

WKN
ISIN
FR0000120271
Börse
L&S

+0,15 +0,31%
+50,76€
Chart von TOTAL S.A. ACTIONS AU PORTEUR EO 2,50
Total
2 von 12

Der französische Öl-Konzern Total sieht angesichts der jüngsten Opec-Konferenz nicht unter Druck. Das läge vor allem daran, dass der derzeitige Ölpreis vieles davon schon eingepreist habe. Allerdings ist der Blick in die Zukunft alles andere als zuversichtlich. 2016 erwartet Total keine Erholung beim Ölpreis. Im kommenden Jahr werde die Fördermenge weiterhin über der Nachfrage liegen. „Ich bin nicht sehr optimistisch für 2016“, sagte Total-Chef Patrick Pouyanne. Die Aktien haben sich im laufenden Jahr bislang wacker geschlagen. Seit Jahresanfang liegen die Papiere leicht im Plus.

Kursentwicklung (seit dem 1. Januar 2015): + 0,8 Prozent

ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.

WKN
ISIN
IT0003132476
Börse
L&S

-0,29 -1,87%
+15,33€
Chart von ENI S.P.A. AZIONI NOM. O.N.
Eni
3 von 12

Effizienzsteigerung ist beim italienischen Ölförderer Eni derzeit oberstes Gebot. Zuletzt hatte sich der Konzern daher von der portugiesischen Galp Energia getrennt. Eni verkaufte seinen Vier-Prozent-Anteil für 325 Millionen Euro. Das Geld soll in Investitionen ins Kerngeschäft von Randgesellschaften fließen. Die Aktien haben den Preisverfall an den Rohölmärkten bisher recht gut verkraftet. Analysten der UBS und von Goldman Sachs halten ihre Kaufempfehlungen für die Eni-Aktien daher bei.

Kursentwicklung: - 1,8 Prozent

HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50

WKN
ISIN
US4062161017
Börse
L&S

-2,01 -4,50%
+42,80€
Chart von HALLIBURTON CO. REGISTERED SHARES DL 2,50
Halliburton
4 von 12

Der zweitgrößte US-Öldienstleister Halliburton muss neben der Flaute in der Energiebranche auch zunächst die Übernahmekosten des Rivalen Baker Hughes verdauen. Im dritten Quartal schrieb der Konzern daher einen Verlust von 54 Millionen Dollar. Im Vorjahr hatte Halliburton noch einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Der US-Konzern beliefert Ölförderer mit Ausrüstung. Der Investitionsrückgang der großen Ölkonzerne macht Halliburton daher stark zu schaffen.

Kursentwicklung: - 7,0 Prozent

EQUINOR ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50

WKN
ISIN
NO0010096985
Börse
L&S

-0,21 -0,93%
+21,46€
Chart von EQUINOR ASA NAVNE-AKSJER NK 2,50
Statoil
5 von 12

Der norwegische Ölkonzern sucht fieberhaft nach Möglichkeiten seine Kosten zu drücken, um trotz des Ölpreisverfalls eine Dividende auszahlen zu können. Daher will Statoil im kommenden Jahr seine Ausgaben zur Erforschung neuer Ölquellen und Produktionsmethoden senken. „Unsere Aktivitäten werden im nächsten Jahr abnehmen“, erklärte der Chef der Statoil-Forschungsabteilung Tim Dodson.

Kursentwicklung: - 9,8 Prozent

BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
GB0007980591
Börse
L&S

-0,29 -4,38%
+6,26€
Chart von BP PLC REGISTERED SHARES DL -,25
BP
6 von 12

Unter dem Öl-Überangebot leidet auch die britische BP. Seit dem 1. Januar haben die Aktien über 15 Prozent verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich derzeit bei 14,9. Im kommenden Jahr rechnen die Experten mit einem KGV von 15,3. Doch angesichts der Entwicklungen auf den Öl-Märkten muss mit einem weiterhin sinkenden Preis gerechnet werden. Dementsprechend geringer dürfte der BP-Gewinn 2016 ausfallen. Ein KGV von 15,3 könnte daher als gewagte Prognose verstanden werden. Bei BP überwiegen derzeit die Abwärtsrisiken die Aufwärtschancen.

Kursentwicklung: - 15,4 Prozent

EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US30231G1022
Börse
L&S

-0,81 -1,19%
+67,25€
Chart von EXXON MOBIL CORP. REGISTERED SHARES O.N.
Exxon Mobil
7 von 12

Auch der größte Ölkonzern der Welt kann dem Preisverfall kaum etwas entgegensetzen. Im laufenden Jahr haben die Aktien von Exxon Mobil fast 17 Prozent verloren. Der Gewinn fiel im dritten Quartal um satte 47 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Obwohl das Unternehmen die Produktion zum Vorjahr leicht steigerte, blieb wegen des massiven Preisrückgangs bei Rohöl viel weniger Geld in der Kasse. Exxon hält mit kräftigen Ausgabenkürzungen dagegen. „Wir legen den Fokus schonungslos auf die Fundamentaldaten, dazu zählt das Kostenmanagement“, erklärte Vorstandschef Rex Tillerson.

Kursentwicklung: - 16,9 Prozent

Größter Dax-Gewinner waren Volkswagen. Die Falschangaben zu den CO2-Werten in Abgasen der Fahrzeuge aus Wolfsburg betreffen deutlich weniger Autos als zunächst angenommen. Auch der Schaden wird damit deutlich geringer ausfallen als zunächst befürchtet. Eine gute Nachricht, meint Analyst Michael Punzet von der DZ Bank stellvertretend für viele Börsianer. Die Vorzugsaktien von Volkswagen sprangen an der Dax-Spitze um 6,21 Prozent nach oben.

Unter den Einzelwerten richteten die Anleger ihren Fokus vor allem auf Bayer. Der mögliche Ärger um den Blutgerinnungshemmer Xarelto, über den das Handelsblatt berichtet hat, drückte den Dax-Wert um bis zu fünf Prozent ins Minus. Am Abend lag die Aktie mit 2,07 Prozent im Minus. Die europäische Zulassungsbehörde für Arzneimittel (EMA) prüft die Studiendaten des Blutgerinnungshemmers Xarelto noch einmal. Es geht darum, ob es bei einer 2010 abgeschlossenen Zulassungsstudie zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Möglicherweise kam ein defektes Testgerät zum Einsatz. Analyst Volker Braun vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe zeigte sich aber wenig beunruhigt. Nach Einschätzung von Equinet-Analystin Marietta Miemietz ist das Ergebnis der Untersuchungen schwer vorherzusagen. „Wir sehen allerdings nur eine geringe Chance, dass Xarelto einen schweren Imageschaden erleiden könnte“, schrieb sie in einem Kommentar. Die Expertin rechnet mit einer schnellen Erholung der Bayer-Aktien.

Tagesverlierer im Dax waren aber die Papiere von Adidas, die im Zuge eines Investorentages bei dem Sportartikelhersteller 3,06 Prozent verloren. Höhere Einkaufspreise und steigende Löhne erschweren künftig die Gewinnsprünge bei Adidas. Aktienhändler sprachen nach der seht guten Kursentwicklung bis auf ein Rekordhoch in der Vorwoche allerdings auch davon, dass einige Anleger Kasse machten.

Auf der Gewinnerseite standen zudem Deutsche Telekom, die sich von ihren jüngsten Verlusten etwas erholten und 0,6 Prozent zulegten. Nachdem Deutsche Lufthansa bis Mittag zu den Gewinnern im Dax gehört hatte, drehte sie ins Minus und notierte am Nachmittag um 1,3 Prozent ins Minus. Der Grund: Der Streik der Flugbegleiter hat tiefe Spuren bei der Airline hinterlassen. Der Konzern beförderte im November mit 7,2 Millionen Passagieren 8,9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte die Fluggesellschaft am Mittwoch mit. Bei der vom Streik betroffenen Lufthansa Passage gingen die Passagierzahlen sogar um 12,5 Prozent zurück.

Auftrieb erhielten auch die in Frankfurt notierten Aktien von Dow Chemical und DuPont. Die Aussicht auf eine mögliche Mega-Fusion der beiden größten US-Chemiekonzerne trieb die Titel um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Dow Chemical und DuPont verhandeln über einen Zusammenschluss, eine Vereinbarung könnte schon in den nächsten Tagen erreicht werden. Dabei könnte ein neuer Branchengigant mit einem Börsenwert von mehr als 120 Milliarden Dollar entstehen, der den bislang weltgrößten Chemiekonzern BASF vom Thron stoßen würde. BASF verloren im Dax 0,3 Prozent.

Für Teilnehmer an der wöchentlichen Sentimentumfrage des Handelsblatts kommen solche verlustreichen Tage an der Börse nicht überraschend. „Die Verunsicherung im Vorfeld der Entscheidung der US-Notenbank ist groß, so dass wir noch einige extrem volatile Tage erleben können“, meinte Börsenexperte Stephan Heibel bereits am vergangenen Montag. Er interpretiert die Umfrageergebnisse und gibt eine Einschätzung, wie sich der Dax in der folgenden Woche entwickeln könnte. Er bleibt bei seiner Einschätzung, dass die momentanen Rückschlage Kaufgelegenheiten seien. „Ich würde aber nicht alles auf eine Karte setzen, sondern mich für mehrere kleine Käufe bereithalten“, rät Heibel.

Gefragt war erneut der Euro. Seit der EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag hat die Gemeinschaftswährung in der Spitze fast vier US-Cent zugelegt. Anleger hatten mit umfangreicheren Schritten zur Ausweitung der Geldpolitik gerechnet. Am Mittwoch notierte der Euro zeitweise bei 1,0989 Dollar nach 1,0893 Dollar im Schlussgeschäft vom Vortag.

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