Börse Frankfurt

Dax leidet unter Gewinnmitnahmen

Den Börsen fehlt derzeit die Beständigkeit. Zu viel Unsicherheit und zu viele offene Fragen bezüglich der Euro-Krise sorgen für kurzlebige Aktienmärkte. Was der Dax gestern gewonnen hat, gibt er heute wieder ab.
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Börse Frankfurt am Abend

FrankfurtStabilität scheint an den Börsen ein Fremdwort geworden zu sein. Gestern noch getragen von Hoffnungen um die Europäische Zentralbank, bekam der Dax heute Gegenwind aus Japan. Am Ende gab der Leitindex ein Prozent nach auf 7.018 Punkte. Die zweite Reihe schloss ebenfalls im roten Bereich. Der MDax ging mit einem Abschlag von einem Prozent auf 11.141 Punkte aus dem Handel und der TecDax notierte ebenfalls ein Prozent schwächer auf 788 Zähler.

Sinkende Ausfuhren nach China und Europa hatten im Juli den Außenhandel Japans ausgebremst. Dies hatte bereits die Kurse in Asien ins Minus gedrückt und die wieder hochkommenden Sorgen vor deutlich fallenden Unternehmensgewinnen in China dürften auch die Investoren hierzulande beunruhigen.

Die Lage in den USA kann den Experten ebenfalls kein Lächeln ins Gesicht zaubern. Händlerin Anita Paluch vom Broker Gekko Global Markets sagte: „Nachdem es jüngst einige Anzeichen für eine Verbesserung der Wirtschaft in den USA gegeben hat, sinken nun die Hoffnungen auf eine weitere geldpolitische Lockerungsrunde der US-Notenbank (Fed) rapide.“ Wie die Fed die aktuelle Konjunkturlage beurteilt und welche Schlüsse sie daraus zieht, dürfte sich nach Börsenschluss in Deutschland erweisen. Dann veröffentlicht die Notenbank ihr jüngstes Sitzungsprotokoll.

Die US-Börsen wussten auch nicht zu überzeugen. Nach Frankfurter Börsenschluss verzeichnete der Dow Jones ein Minus von 0,5 Prozent auf 13.142 Punkte, der S&P-500 sank um 0,3 Prozent auf 1.409 Zähler und die Technologiebörse Nasdaq-100 notierte 0,1 Prozent schwächer auf 2.770 Punkten.

Neben den schwachen Konjunkturdaten geriet heute wieder das Dauerthema Griechenland in den Fokus der Anleger. In den Handelsräumen wird diskutiert, wie es mit dem Krisenstaat weitergeht. Der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras wollte sich im Tagesverlauf mit Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker treffen. Der Regierungschef kommt am Freitag auch nach Berlin, einen Tag zuvor berät Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande über die Schuldenkrise. Im Vorfeld an das Treffen in Berlin machte Samaras in einem "Bild"-Interview deutlich, dass seine Regierung bei den europäischen Partnern um einen Aufschub nachsuchen will. "Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Geld", betonte der Regierungschef, der keine konkreten Fristen nannte. Die "Financial Times" hatte vor einer Woche unter Berufung auf Unterlagen der griechischen Regierung berichtet, Samaras strebe einen Zeitrahmen von vier statt zwei Jahren zur Umsetzung der Sparmaßnahmen an.

Das Eurogeddon-Depot
huGO-BildID: 7591209 ** FILE ** A flagrance and flavours researcher analyses a pineapple, at Givaudan in Duebendorf near Zurich, in this June 7, 2000
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Givaudan

Der weltgrößte Aromen- und Riechstoffhersteller hat im vergangenen Jahr 252 Millionen Franken verdient. Vor allem der starke Franken und steigende Rohstoffkosten haben den Gewinn des weltgrößten Aromen- und Riechstoffherstellers schrumpfen lassen. Der Genfer Konzern peilt ein jährliches organisches Wachstum von 4,5 bis 5,5 Prozent an, bei einem durchschnittlichen Marktwachstum von zwei bis drei Prozent. Große Hoffnungen setzt das Unternehmen dabei auf die Schwellenländer. Bis ins Jahr 2015 soll gut die Hälfte der Umsätze mit Riechstoffen und Aromen in Asien und Lateinamerika erzielt werden. Dafür hat das Unternehmen im abgelaufenen Jahr große Investitionen in Anlagen in China, Brasilien, Mexiko, Argentinien und Russland getätigt. Im Jahr 2011 erzielte Givaudan bereits 42 Prozent seiner Umsätze in Schwellenländern.

Die zunehmende Volatilität der Rohstoffpreise mache die Ergebnisse unberechenbarer, schrieb HSBC-Analyst Sebastian Satz zuletzt in einer Studie. Allerdings könnten der defensive Charakter und die Wachstumsdynamik im derzeitigen Marktumfeld positiv gesehen werden.

Allerdings ist die Aktie bei einem Kurs von derzeit 770 Euro nicht wirklich ein Schnäppchen.

KGV (Prognose 2012): 17,89


Nestle cereal boxes are pictured through a logo in the company supermarket at the Nestle headquarters in Vevey
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Nestlé

Der Wachstumshunger des weltgrößte Lebensmittel-Konzern ist riesig. Neben so bekannten Marken wie Nespresso, Häagen-Dazs, Maggi, Kitkat oder Perrier gesellt sich seit neuestem auch die Babynahrungssparte des US-Pharma-Konzerns Pfizer hinzu. Fast zwölf Milliarden Dollar haben die Schweizer dafür auf den Tisch gelegt. Dass das Unternehmen gerade mal 2,4 Milliarden Dollar Umsatz macht wird angesichts des hochprofitablen Geschäfts und der starken Präsenz im Boom-Markt Asien scheinbar Nebensache.

Auch in Europa läuft es trotz Krise erstaunlich gut. So konnte der Konsumgüter-Hersteller im Geschäftsjahr 2011 nicht nur den Absatz steigern (plus vier Prozent), sondern auch die operative Gewinnmarge - um stolze 2,3 Punkte auf 15,6 Prozent. Die Titel selbst sind in den letzten drei Jahren von 26 auf 46 Euro gestiegen.

Analyst Warren Ackerman von Societe Generale zeigte sich in einer Studie zwar langfristig von dem Lebensmittelkonzern nach wie vor überzeugt, allerdings sehe er auf kurze Sicht weniger Kurstreiber für die Aktie. Dem widerspricht seine Kollegin Eileen Khoo von Morgan Stanley. Ihrer Meinung nach wird das Tiernahrungsgeschäft der Schweizer als wichtiger Treiber für das Wachstum und den Gewinnmix unterschätzt. Vor allem dank eines positiveren Ausblick im entscheidenden US-Markt dürfte sich das Wachstum in diesem Bereich in den kommenden zwölf Monaten beschleunigen, so die Expertin.

KGV (Prognose 2012): 16,52

Logo of Swiss pharmaceutical company Roche is pictured in Rotkreuz
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Roche

Gerade erst musste der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzern die Entwicklung des Herz-Kreislauf-Medikaments Dalcetrapib aufgeben. Das Medikament, dem bereits ein Umsatzpotenzial von bis zu zehn Milliarden Dollar zugesprochen wurde, hatte sich in einer Phase-III-Studie als unwirksam erwiesen.

Dafür sorgten Meldungen zu anderen Medikamente für freundliche Analystenstimmen. Die Zulassung von Pejeta sei nach der deutlichen Verlängerung der progressionsfreien Überlebenszeit in Brustkrebsstudien allgemein erwartet worden, schrieb Kepler-Experte Martin Voegtli in einer Studie. Die Probleme im Herstellungsprozess des Mittels dürfte Roche schnell in den Griff bekommen. Die Zulassung sei ein wichtiger Schritt, um dem künftigen Umsatzschwund von Herceptin ab 2014 in Europa entgegen zu wirken.

Sein Kollege Stephen McGarry von der französischen Großbank Societe Generale äußerte sich wohlwollend zu den Studienergebnissen für den Antikörper RoActemra zur Therapie der Rheumatoiden Arthritis. Die statistischen Daten wiesen auf einen bedeutenden Vorteil für das Roche-Mittel gegenüber Humira vom Konkurrenten Abbott hin. Die Studie sei mit einer hohen Anzahl an Probanden sehr umfangreich. Dies sei nicht nur ein Zeichen für den Wettbewerbsdruck, sondern auch für das Potenzial, das Roche hinter der Entwicklung sehe.

KGV (Prognose 2012): 11,33

Rolltreppen im Einkaufszentrum
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Schindler Group

Der Schweizer Aufzugs- und Fahrtreppenkonzern sprach im vergangenen Jahr noch von ungünstigen Konjunkturaussichten und einem schwierigen Marktumfeld insbesondere in Südeuropa und in den USA. Gleichzeitig wurden Entlassungen angekündigt, etwa vier Prozent der 44.000 Beschäftigen sollten abgebaut werden. Trotzdem konnte die weltweite Nummer Zwei unter den Aufzugshersteller den Auftragsbestand im ersten Quartal 2012 um 5,4 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Franken erhöhen und auch den Umsatz auf 1,9 Milliarden Franken anheben. Ein Problem bleibt allerdings weiterhin der starke Franken und so will sich die Gruppe verstärkt auf die strategischen Wachstumsmärkte konzentrieren und seine Produktions- und Entwicklungskapazitäten in China und Indien ausbauen.

Anleger die in den letzten drei Jahren involviert waren können sich derzeit bei knapp 90 Euro über eine Kursverdopplung freuen.

KGV (Prognose 2012): 17,95

Switzerland Syngenta US Litigation
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Syngenta

Die Verkäufe von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sind im ersten Quartal beim weltgrößte Hersteller von Saatgut stärker gestiegen als von Analysten erwartet. Syngenta profitierte eigenen Aussagen zufolge von der robusten Nachfrage aus Südamerika nach Saatgut. Zudem boomt derzeit das Geschäft mit Saatgut für Mais und Soja. Daneben will das Unternehmen in den nächsten zehn Jahren 380 Millionen Euro nach Afrika fließen lassen. Der Schweizer Agrarkonzern sieht den Kontinent als „strategische Wachstumsregion“ an.

Anfang Juni senkte Analyst Patrick Lambert von der Societe Generale in einer Studie seine diesjährige Gewinnprognose für den Agrarkonzern vor allem aufgrund des starken US-Dollars leicht ab. Dennoch entwickele sich das bereinigte Geschäft 2012 weiterhin stark, und auch insgesamt unterschätze der Markt die Wachstumsaussichten des Unternehmens, so Lambert. Auch die Experten von Cheuvreux beließen die Aktien von Syngenta auf ihrer "Country Selected List" mit einem Kursziel von 370,00 Franken.

KGV (Prognose 2012): 14,77

huGO-BildID: 21845839 Pressebilder Coca Cola zum Firmenjubiläum 125 Jahre 2011
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Coca-Cola

Der Getränkehersteller und seine Marken haben in mehr als 125 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren und sind beispielsweise in fast in allen Schwellenländern auf dem Vormarsch. Die Käufer sind bereit, mehr Geld dafür auszugeben als für das heimische Zuckerwasser. "Coca-Cola hat zum Beispiel in Indien 75 Prozent Marktanteil; ich halte es für ausgeschlossen, dass je ein indischer Getränkekonzern das erreicht", sagt Rajiv Jain, Schwellenländerfondsmanager für die Bank Vontobel in New York.

Aber auch in allen anderen Regionen der Welt konnte das Unternehmen aus Atlanta seinen Getränkeabsatz im ersten Quartal 2012 steigern. Star-Investor Warren Buffet schwört übrigens ebenfalls auf die braune Brause. Er hält rund 200 Millionen Aktien am US-Giganten, was einem Anteil von 21,2 Prozent in seinem Portfolio entspricht.

Die Aktien seien zwar ambitioniert bewertet, blieben wegen der stetigen Gewinnentwicklung aber langfristig kaufenswert, meint Analyst Emil Heppel von der Landesbank Berlin (LBB).

KGV (Prognose 2012): 18,45

Unilever steigert Gewinn - Abbau von 20000 Arbeitsplätzen geplant
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Unilever

Der Konsumgüterriese konnte zum ersten Quartal trotz der Wirtschaftsflaute ein solides Wachstum präsentieren. Der Umsatz des britisch-niederländische Unternehmens stieg bereinigt um 8,4 Prozent. Der Hersteller von Knorr-Suppen und Dove-Seifen konnte damit sogar die Analysten übertreffen. Vor allem die Schwellenländer, wo Unilever mehr als die Hälfte seines Geschäfts macht, sorgen für Wachstum, während sich die Märkte in Europa eher schwach präsentieren. Die weltweite Nummer Drei der Branche fürchtet aber, dass die steigenden Materialkosten etwa für Öl die Geschäfte im Jahresverlauf bremsen werden. Auch bleibe das konjunkturelle Umfeld schwierig, stellte das Unternehmen klar.

Die US-Bank JPMorgan hat die Einstufung für Unilever nach Daten zum US-Konsumgütermarkt jedenfalls auf "Overweight" belassen. Der niederländisch-britische Konzern habe in den vier Wochen bis zum 12. Mai im unverändert robusten Konsumgütergeschäft Marktanteile gewonnen, schrieb Analystin Celine Pannuti Ende Mai in einer Branchenstudie.

KGV (Prognose 2012): 15,41

Die ungelösten Probleme und offenen Fragen in der Eurozone sorgen seit Wochen für sehr kurzlebige Aktienmärkte. Oft wird der Kursverlauf des Dax nicht von Fakten, sondern von Hoffnungen und Spekulationen beeinflusst. Dennoch konnte der deutsche Aktienindex in den letzten vier Wochen gut elf Prozent zulegen. Allerdings steht dieses Monatsplus auf wackligen Beinen. Denn sollte sich herausstellen, dass die EZB keine Anleihekäufe tätigt, um die Zinslast der Euro-Sorgenkinder Spanien und Italien zu senken, wird es an den Börsen umso schneller wieder bergab gehen.

Iran-Geschäfte bereiten Commerzbank Probleme
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24 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Wie gewonnen so zerronnen – Dax schließt schwach"

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  • Bin mal gespannt ob die 7.000 er Marke heute hält. Wenn ja gibt es einen Punkt mehr für die Bullen. Falls nein kann es auch ganz schnell gehen.
    Aktuell 7.025 Punkte. Wird also eng. Die US-Börsen sollten für einen kleine Schubs sorgen.

  • Sehr schön, weg damit.

  • die Indikatoren sind am drehen. MACD geht definitiv nicht höher, Euro stößt an die 100 Tage-Linie, hat in der Vergangenheit zu weiteren Kursverlusten geführt.

    Vielleicht ist die EZB doch nicht Allheilmittel? Börse ist keine Einbahnstraße!

  • Weil sie an der 20%igen Aufwärtsbewegung satt verdient haben und nicht so dämlich gewesen sind, bei 6000 auch auf noch tiefere Kurse zu hoffen.

  • Alllerdings ist der Euro-Dollar-Swapsatz sehr niedrig (Montag 0,33%), und der Euro tendiert stärker.

  • Europäische Aktienfonds verzeichnen diese Woche erhöhte Mittelabflüsse - die Langfristanleger (evtl. aus Übersee?) ziehen sich zurück. Weshalb wohl???

  • Auch wenn alle Weltbörsen fallen (ist doch egal) gilt auch heute im Dax kaufen ,kaufen , kaufen ... ;-), die Bären brauchen ab jetzt viel Futter auf ihrem beginnenden Weg zu 6600.

  • Ob bei 6800 Ende ist? Bin mir nicht sicher, wäre aber für mich der Startwert, um wieder rein zu gehen, wie gesagt portionsweise. Bin aktuell short mit Ziel 7015, gehe aber kein overnightrisk ein, das wäre ein unkalkulierbares Risiko. Viel Erfolg bei der Aktienauswahl, dafür bin ich zu faul, weswegen ich gerne den Index kaufe.

  • schon etwas vollmundig.
    Unter 7000 ist eher realistisch, als vergleichbar das bisherige hoch des DAX von 2012.
    Das schließt nicht aus, dass wir in diesem Jahr noch
    beides sehen.

  • Meinst du wirklich nur "6800" als Konsolidierungsziel? Ich gehe im Index eher von 6600-6800 aus.
    Aber Aktien Leerverkaufen (Shorten) tu ich trotzdem nicht, da viel zu risikoreich. Und ich kaufe ja dann auch nicht den Index, sondern Aktien.

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