Börse Frankfurt
Zinsgespenst verprügelt Dax

Dass die US-Zinswende immer noch nicht eingeläutet ist, sorgte am Freitag für einen Ausverkauf beim deutschen Leitindex. Drei ganze Prozent tiefer schloss der Dax, der damit deutlich unter die 10.000er Marke rutschte.

FrankfurtDie ausgebliebene US-Zinswende hat den Dax die Fünfstelligkeit gekostet. Der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank Fed konnte sich in seiner gestrigen Septembersitzung noch nicht zu einer Erhöhung der Leitzinsen durchringen. Doch anstelle von Freude über die weiterhin offenen Geldschleusen in den USA, herrschte an Europas Marktplätzen große Verunsicherung. Mit der Rückkehr des Konjunkturpessimismus brach der Dax ein. Das Minus in Frankfurt schwoll im Handelsverlauf immer weiter an. Am Ende schloss das wichtigste Börsenbarometer der Bundesrepublik ganze 3,1 Prozent tiefer bei 9916 Punkten.

Damit verpasste das Zinsgespenst den europäischen Börsen zum zwischenzeitlichen Abschied – bis zur nächsten, mal wieder entscheidenden Monatssitzung des obersten Fed-Gremiums ist es ja nicht mehr lang – eine ordentliche Tracht Prügel. Der Trend setzte sich auch an der Wall Street fort. Ihren Freitag bestritten die US-Börsen mit Abschlägen von jeweils etwa einem Prozent. Der Dow-Jones-Index kam zum Frankfurter Handelsschluss mit 16.503 Punkten auf ein Minus von 1,1 Hundertstel.

Der Grund für die roten Anzeigetafeln dies- und jenseits des Pazifiks: Mit der verschobenen Zinswende rückt ein gewisser Konjunkturpessimismus wieder mehr in den Blick der Börsianer. Auch wenn der amerikanische Arbeitsmarkt brummt und die US-Konjunktur weiter an Fahrt aufnimmt, gibt es laut Yellen derzeit globale Faktoren, die für weiterhin lockerere Zügel in der Geldpolitik sprechen.

Doch nicht nur in diesem Punkt herrscht Unklarheit. So sehen Experten beim Kurs der Federal Reserve selbst ein großes Fragezeichen. „Damit ist es noch nicht einmal klar, dass die Zinsen bei der nächsten Sitzung wirklich angehoben werden.“, sagte etwa Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Dem Aktienmarkt habe sie damit mittelfristig keinen Gefallen erwiesen.

Auch in der zweiten Frankfurter Reihe verbüßten die Kurse deutliche Abschläge. Die Nebenwerte des MDax, Deutschland Nummer Zwei, verloren ein Prozent bei 19.445 Punkten. Der TexDax gab mit 0,4 Prozent geringer nach. Dessen Tech-Titel kamen damit auf 1762 Zähler. Der Leitindex der europäischen Währungsunion, der Euro-Stoxx-50 notierte 3,1 Prozent tiefer bei 3155 Punkten.

Mit der Entscheidung der US-Währungshüter bleiben Aktien zwar als Anlageklasse gegenüber festverzinslichen Wertpapieren attraktiv. Doch am Freitag lockte dieses Argument erst mal keinen Anleger aus der Reserve. „Der Schritt der Fed suggeriert, dass man trotz der sich weiter erholenden US-Wirtschaft und nahezu Vollbeschäftigung Respekt vor einer zu restriktiven Geldpolitik und erneuten Turbulenzen in China hat“, schrieb Marktanalyst Jens Klatt vom Broker Daily FX. Immerhin bleibe aber die Tür für eine Zinserhöhung im Dezember offen. Der Offenmarktausschuss der Federal Reserve tagt im laufenden Jahr noch zwei Mal, am 27. und 28. Oktober, sowie vom 15. bis zum 16. Dezember.

Die Börsianer haben heute aber nicht nur die Geldpolitik der Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Auch das Geschehen auf den Terminmärkten rückt ins Blickfeld, denn es toben mal wieder die Hexen. Am sogenannten Hexensabbat, der alle drei Monate stattfindet, verfallen die Futures und Optionen sowohl auf Indizes als auch einzelne Aktien. Da kurz vor Ablauf der Frist die Anleger versuchen, die Kurse der Titel, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung zu lenken, kann es zu überraschenden Kursbewegungen kommen, die in jüngerer Vergangenheit auch schon mal für Höchststände gesorgt hatte. Mit über 2000 Punkten Abstand zum Dax-Gipfelkreuz dürfte das im September 2015 aber kein Thema sein. Der neue Settlement -Kurs für Dax-Optionen belief sich am Ende auf 9.948,61 Punkte.

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