Börse Frankfurt
Zittrige Anleger, Dax tief im Minus

Der Dax schließt mit einem dicken Minus. Doch was ist passiert? Von Wurstfingern über wild gewordene Computer bis hin zu Lemmingen war an Erklärungen alles dabei. Klar ist nur: Die Nervosität ist groß.
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FrankfurtDie Nervosität an den Märkten nimmt zu. Der heutige Börsentag ist dafür ein Paradebespiel. Der Dax schloss satte 2,3 Prozent im Minus auf 7.503 Punkte. Zwischenzeitlich sackte er sogar knapp 2,8 Prozent ab. Die zweite Reihe zeigte sich nicht ganz so schwach. Der MDax verlor 0,9 Prozent auf 12.988 Punkte, der TecDax gab 1,5 Prozent nach auf 898 Zähler.

An den Börsen gab es viele Erklärungen für den Kursrutsch, eine wirkliche Antwort nicht. Die Situation an den Aktienmärkten sei „angespannt“, sagte Börsenexperte Dirk Müller. Er zieht einen Vergleich zum Kursrutsch an den Rohstoffmärkten am Montag. Dieser sei initiiert worden, es habe sich um eine konzertierte Aktion gehandelt, so Müller. Nun stehe die Befürchtung im Raum, dass „so etwas auch auf der Aktienseite“ passieren könnte.

„So richtig überraschend kam der Einbruch eigentlich nicht“, sagte hingegen Kapitalmarktstratege Carsten Klude von MM Warburg. „Das Umfeld für Aktien ist seit einiger Zeit negativ; sei es die konjunkturelle Unsicherheit oder auch die politische.“ Die Risiken rund um Italien, Spanien oder Slowenien seien zuletzt von Investoren völlig ausgeblendet worden. Und die jüngsten Konjunkturindikatoren aus Deutschland, den USA und China waren eher trüb ausgefallen, erinnerte Klude.

Einige Händler machten charttechnisch orientierte Trader für den plötzlichen Kurssturz verantwortlich. „Ein Gruß an die Algotrader“, sagte ein Händler. „Wir haben heute den Lemminge-Effekt gesehen: Einer fängt an und alle ziehen mit“, meinte ein anderer. Auch eine mögliche Fehleingabe bei einer Order, der sogenannte „Fat Finger“ (zu deustch: Wurstfinger), wurde diskutiert.

Als „Algotrader“ werden Investoren bezeichnet, deren Computer mithilfe algorithmischer Rechnungen in Sekundenbruchteilen Kauf- und Verkaufsorders durchführen. An der Deutschen Börse machen Computer fast die Hälfte des Handelsvolumens unter sich aus, blitzschnell, vollautomatisiert, ohne dass ein Mensch seine Finger im Spiel hat.

Die Deutsche Börse hat keine technischen Auffälligkeiten beobachtet. „Die Systeme laufen, bisher ist es aus unserer Sicht ein ganz normaler Handelstag“, sagte Sprecher Andreas von Brevern auf Anfrage von Handelsblatt Online. Dafür spricht, dass das Handelsvolumen insgesamt bis zum späten Nachmittag mit 2,7 Milliarden Euro nicht auffällig hoch lag. Im Durchschnitt beträgt das Volumen am Tag rund fünf Milliarden Euro.

Der Dow Jones notierte nach Xetra-Handelsschluss rund 0,9 Prozent leichter auf 14.618 Punkte. Besonders negativ fielen die schwachen Zahlen der Bank of America ins Gewicht. Der S&P 500 gab 1,5 Prozent nach, der Nasdaq sogar 1,9 Prozent.

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  • Das ist richtig. Mir reicht aber der move von heute. CFD-Position auf den VIX habe ich geschlossen, Short-ETF im Dax halte ich weiter. Viel Erfolg und einen schönen Abend.
    Bis bald!

  • Logo.

    Der Fut VIX ist doch nachwievor im Keller.
    Je länger die Amis ruhig bleiben, umso mehr kribbelt's mir in den Fingern.
    Ich halte mich aber zurück und ggfs. kaufe ich auch gar nicht mehr nach.

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