Börse Mailand
Anleger schießen sich wieder auf Italien ein

Das Rettungspaket der Euro-Zone hat Italien vergangene Woche eine Atempause an den Märkten verschafft. Doch die Stimmung kippt schon wieder. In Mailand brechen Bankaktien ein und auch am Anleihemarkt wächst die Skepsis.
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DüsseldorfDas Vertrauen der Märkte in Italien hat nicht lange gehalten. Eine Woche nach dem Sondergipfel der Euro-Staaten, auf dem Staats- und Regierungschefs neue Rettungsmaßnahmen für verschuldete Staaten beschlossen hatten, befinden sich die Kurse italienischer Aktien und Anleihen wieder auf Talfahrt. Seit Freitag ist der Mailänder Leitindex MIB-30 um 6,5 Prozent zurückgefallen, heute geht es um zwei Prozent abwärts.

Besonders unter Druck stehen nach wie vor die Kurse italienischer Banken. Die Aktien von Intesa Sanpaolo mussten wegen zu hoher Verluste am Mittwoch zeitweise vom Handel ausgesetzt werden und lagen am Mittag noch knapp vier Prozent im Minus. Die Papiere von Unicredit gaben mehr als drei Prozent nach.

Für schlechte Stimmung am Markt sorgten unter anderem Konjunkturdaten. Die Stimmung der italienischen Unternehmer hat sich im Juli den vierten Monat in Folge verschlechtert und fiel auf den tiefsten Stand seit Juni 2010. Die Firmen äußerten sich vor allem skeptischer zu ihren Produktionsaussichten und zum künftigen Neugeschäft.

Die Ratingagentur Fitch verstärkte die Unsicherheit mit einer erneuten Warnung. Nach Einschätzung von Fitch braucht Italien womöglich ein weiteres Sparpaket, sollte die Wirtschaft nicht wie geplant in Schwung kommen. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat Sparanstrengungen im Volumen von 48 Milliarden Euro auf den Weg gebracht und will den Haushalt bis 2014 ausgleichen. Die Regierung geht von einem Wachstum in diesem Jahr von 1,1 Prozent aus, bis 2014 soll es sich auf 1,6 Prozent beschleunigen.

„Wenn sich dieser Wachstumsrhythmus nicht materialisiert, muss die Regierung womöglich weitere Maßnahmen bei Steuern und Ausgaben in Erwägung ziehen, um bis 2014 einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen“, erklärte Fitch-Analyst David Riley gegenüber der Zeitung „Corriere della Sera“ vom Mittwoch. Fitch bewertet die Kreditwürdigkeit Italiens mit „AA-“. Anders als Standard & Poor's oder Moody's hat Fitch seinen Ausblick für Italien während der Schuldenkrise in der Euro-Zone bisher nicht verändert.

Am Anleihemarkt nähern sich die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen wieder der Marke von sechs Prozent. Am Mittag rentierten die Papiere mit 5,72 Prozent und damit zwölf Basispunkte höher als am Vortag. Die Rendite zweijähriger Staatsbonds erhöhte sich um acht Basispunkte auf 4,02 Prozent.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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dpa 
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  • Ich mache gerade Urlaub in Alicante und am Wochenende haben mir Unbekannte an meinem Auto (mit deutschem Kennzeichen) alle 4 Reifen zerstochen. Auf dem Parkplatz waren ca. 100 Autos und nur die 3 Autos mit deutschen bzw. niederländischem Kennzeichen wurden Opfer dieser Tat.

    Frage: Was habe ich mit der Krise der Spanier zu tun?

  • Wenn das so weitergeht, haben wir bald einen "Europäischen Bürgerkrieg"

  • Doch, es geht. Ich bin zwar dagegen, aber eine Gemeinschaftswährung in einem inhomogenen Wirtschaftsraum kann funktionieren wenn man die Kapitalabflüsse aus armen Regionen per Finanzausgleichszahlung korrigiert. Der Euro mit Transferunion würde funktionieren. Aber das wäre sowas von ineffizient, das könnte man hier doch niemand verkaufen, oder?

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