Börse Moskau
Russlands täglicher Börsen-Wahnsinn

Russische Anleger können sich heute über hohe Gewinne freuen. Zumindest, solange gehandelt wird. Nach den wiederholten Aussetzungen wegen einbrechender Kurse in den vergangenen Tagen, stoppte die Börse den Handel heute, weil es zu stark aufwärts ging.

MOSKAU. Die russischen Börsen setzen ihre Achterbahnfahrt fort. Nach den herben Verlusten der vergangenen Tage ging es heute wieder steil nach oben. Egal in welche Richtung – auch der Handels-Stop gehört in Moskau inzwischen zum Alltag. Die Moskauer Hauptbörse setzte den in Rubel notierenden Micex-Index nach schnellen Gewinnen von knapp 16 Prozent aus – bis Montag, ließen die Verantwortlichen wissen. Auch der in Dollar berechnete Index RTS verbuchte bis zum frühen Nachmittag einen Gewinn von 13 Prozent, setzt die Geschäfte aber fort.

Die Pause an der Micex währte jedoch nicht lange. Die Finanzaufsicht ordnete nach wenigen Stunden ausdrücklich an, dass die Händler weitermachen dürften. Vor wenigen Wochen hatten die Verantwortlichen den Handel bereits einmal unterbrochen, weil die Börsen in wenigen Stunden fast um 20 Prozent angestiegen waren. Zumeist hatte es zuletzt aber Aussetzer wegen drastischer Verluste gegeben.

Die heutigen Kursgewinne - vor allem bei Öl- und Gasaktien - können bei weitem nicht die Verluste der vergangenen Monate und Wochen wettmachen. Die Börsenkapitalisierung von Gazprom, dem größten Gasproduzenten der Welt, ist inzwischen bei 123 Mrd. Dollar angekommen. Noch vor wenigen Monaten hatte Gazprom-Chef Alexej Miller in Aussicht gestellt, sein Konzern könne bald die Billionen-Dollar-Schwelle erreichen. Der RTS hat seit seinen Höchstständen im Sommer fast 70 Prozent verloren.

Zahlreiche Aktien russischer Konzerne sind inzwischen zu echten Schnäppchen geworden. Doch Analysten erwarten noch nicht, dass sich die Lage schnell beruhigen werde. Erst wenn sich der Ölpreis wieder auf einem Niveau von 90 Dollar einpendelt und die Krise weltweit nachlassen sollte, rechnen Experten wieder mit stabilen Kursen.

Unter Beobachtern wächst inzwischen aber auch die Verwunderung über die Strategie der Börsenaufsicht, den Handel so oft auszusetzen: Das "Stop and Go" an den Märkten untergrabe das Vertrauen in sie zusätzlich, schreiben die Experten von Unicredit. Die Unterbrechung der Geschäfte an der Börse könne auch nicht verhindern, dass Investoren Aktien verkaufen wollen. Hinzu kommt: die russischen Papiere mit der größten Liquidität werden auch an der Londoner Börse gehandelt. Und die kann man ja nicht so einfach abstellen.

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