Börse New York
Dow mit miesestem Tag seit Brexit

Die US-Börsen schlossen am Freitag schwer im Minus. Die erneuten Atomtests in Nordkorea und Hinweise auf eine schnelle Zinserhöhung belasten die Kurse. Die Apple-Aktie blieb auf Talfahrt.

New YorkDie Furcht vor bald steigenden Zinsen hat dem Dow Jones Industrial den größten Tagesverlust seit dem Brexit-Votum eingebrockt. Der US-Leitindex beschleunigte am Freitag seine jüngste Abwärtsfahrt deutlich und verlor fast 400 Punkte. Ein ranghoher amerikanischer Notenbanker hatte vor den Gefahren einer zu langsamen geldpolitischen Straffung gewarnt.

Der Dow sackte um 2,13 Prozent auf 18085,45 Punkte ab und fiel damit auf das Niveau von Anfang Juli zurück. Höhere Verluste hatte es zuletzt Ende Juni gegeben, als die unerwartete Zustimmung der Briten zu einem Austritt aus der Europäischen Union die Anleger an der Wall Street ebenso geschockt hatte wie den Rest der Welt. Seinerzeit war das Börsenbarometer um 3,39 Prozent eingeknickt.

Bereits am Donnerstag war der Dow etwas unter Druck geraten, nachdem die Europäische Zentralbank ihren geldpolitischen Kurs unverändert gelassen und Erwartungen an zusätzliche Lockerungen gedämpft hatte. Auf Wochensicht hat der Dow 2,20 Prozent verloren.

Für den S&P 500 ging es am Freitag um 2,45 Prozent auf 2127,81 Punkte abwärts. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 büßte 2,55 Prozent auf 4681,54 Punkte ein. Auffallend war insgesamt die spürbar gestiegene Nervosität unter den Anlegern.

Auf die Stimmung drückte zudem US-Notenbanker Eric Rosengren, der vor den Risiken einer zu zögerlichen Zinspolitik warnte. Die amerikanische Wirtschaft könne sogar überhitzen, wenn die Währungshüter zu lange mit einer Anhebung warteten, sagte der Chef des Fed-Ableger in Boston. „Die Positionierung der Fed sorgt schon für viel Wirbel. Wenn es dann noch Kommentare wie diese gibt, sorgt das am Markt für Unruhe“, sagte Analyst Phil Blancato von Ladenberg Thalmann Asset Management. Höhere Zinsen sind tendenziell schlecht für Aktienmärkte, weil dadurch andere Investitionen wie etwa in Anleihen attraktiver werden.

Die nächste Fed-Sitzung findet in nicht mal zwei Wochen statt. Börsianer sehen die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei 24 Prozent. Für Dezember liegt die Quote bereits bei 60 Prozent. Eine unerwartet angesetzte Rede des Fed-Mitglieds Lael Brainard für Montag in Chicago sorgte für zusätzliche Verunsicherung. Eigentlich hatte am Freitag die traditionelle „Schweigeperiode“ begonnen, in der es vor Sitzungen keine Äußerungen mehr von Fed-Offiziellen gibt.

Bei den Einzelwerten gerieten die Aktien von HP unter Druck. Der südkoreanische Konzern Samsung erwägt einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf seines milliardenschweren Druckergeschäfts an den US-Rivalen. HP-Papiere verloren über drei Prozent.

Die Aktien von Mastercard standen ebenfalls auf den Verkaufslisten. Sie verbilligten sich um knapp ein Prozent. Der Anbieter von Kreditkarten ist in Großbritannien auf umgerechnet knapp 16,7 Milliarden Euro Schadenersatz verklagt worden. Ihm wird vorgeworfen, mit überhöhten Gebühren für den Einsatz von Bank- oder Kreditkarten Verbrauchern jahrelang indirekt geschadet zu haben. Bei Apple setzte sich der Abwärtstrend mit Minus 2,26 Prozent auf 103,13 Dollar fort, der nach der Vorstellung neuer Produkte wie des iPhone 7 eingesetzt hatte. Nach Erhebungen von Factset haben Wertpapier-Analysten bislang keine Veränderungen ihrer Ertragsziele oder Kursschätzungen vorgenommen. Nur ein Analyst änderte seine Einschätzung von „kaufen“ auf „halten“, alle anderen ließen ihre Empfehlungen unverändert, die Mehrheit erachtet Apple weiter als Kauf.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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