Börse New York
Draghis Euro-Plan enttäuscht Wall Street

An der Wall Street haben die Anleger verärgert auf die EZB reagiert. "Draghi hat uns vorgeführt wie einen Haufen Trottel beim Poker". Doch das war nicht die einzgie schlechte Nachricht des Handelstages.
  • 6

New YorkDie Europäische Zentralbank hat die hohen Erwartungen an der Wall Street enttäuscht. Die wichtigsten Indizes schlossen am Donnerstag klar im Minus. Im Kampf gegen die Euro-Krise hält sich die EZB - anders als von manchem Händler erhofft - zunächst mit Ankäufen von Anleihen klammer Euro-Staaten zurück. „Draghi hat nichts gesagt, was aufregend war, und uns vorgeführt wie einen Haufen Trottel beim Poker“, zeigte sich Todd Schoenberger von der BlackBay Group in New York verärgert. „Die Investoren und die Händler sind sauer.“

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsende mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 12.878 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Leitbarometer zwischen 12.778 und 12.969 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1365 Punkten, ein Abschlag von 0,7 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,4 Prozent und ging mit 2909 Punkten aus dem Handel. Auch Anleger in Deutschland reagierten enttäuscht: Der Dax ging mit einem Minus von 2,2 Prozent bei 6606 Punkten aus dem Handel.

In der vergangenen Woche hatte Draghi versprochen, dass die Notenbank im Rahmen ihres Mandates alles tun werde, um den Euro vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Die Aktienmärkte stiegen daraufhin deutlich. Draghi erteilte nun Vorschlägen eine Absage, wonach der künftige Rettungsschirm ESM mit einer Banklizenz ausgestattet werden soll, um direkt Geld von der EZB zu bekommen. Dies würde gegen europäisches Recht verstoßen, sagte der Notenbankchef.

Bei den Einzelwerten standen Aktien von General Motors im Interesse der Anleger. Der Opel-Mutterkonzern verdiente im Frühjahrsquartal deutlich mehr als erwartet. Allerdings schreibt die Europatochter wegen der Krise tiefrote Zahlen. Die GM-Aktie verlor 2,6 Prozent.

Dem Finanzdienstleister Knight Capital liefen die Investoren in Scharen davon. Das Papier rauschte um mehr als 62 Prozent in den Keller. Nach einer Handelsstörung an der New York Stock Exchange hatte Knight Capital erklärt, seine computergestützten Handelssysteme hätten den Vorfall verursacht. In Folge einer irrtümlichen Handelsposition verlor das Unternehmen 440 Millionen an Kapital. Nun muss sich der Konzern Geld besorgenDie Aktie des Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb geriet ebenfalls unter die Räder. Das Papier notierte mehr als acht Prozent im Minus, nachdem ein hochrangiger Manager wegen des Verdachts auf Insider-Handel festgenommen wurde.

Der größte US-Lebensversicherer MetLife will trotz der vergleichsweise niedrigen Renditen für amerikanische Staatsanleihen seine längerfristigen Ziele erreichen. Konzernchef Steve Kandarian sagte, in diesem und kommendem Jahr wirkten sich die gesunkenen Zinsen nicht auf den Gewinn aus. Die Aktie stieg um 4,1 Prozent.

Anleger haben unterdessen immer weniger Vertrauen in den Wachstumskurs von Facebook. Das Papier rutschte erstmals unter 20 Dollar auf 19,91 Dollar. Seit dem missglückten Börsengang im Mai hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Papiere des Cornflakes-Herstellers Kellogg wurden mit einem Plus von 3,4 Prozent gehandelt. Das Unternehmen kämpft zwar mit einem Umsatzrückgang in Europa. Dieser fiel im zweiten Quartal aber geringer als im ersten. Der Konzern hielt zudem an seinen Jahreszielen fest.

Nach einem Anstieg des operativen Gewinns im zweiten Quartal ging die Aktie von Fortress Investment mit einem Aufschlag von 2,3 Prozent aus dem Handel.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 820 Millionen Aktien den Besitzer. 1140 Werte legten zu, 1853 gaben nach und 113 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1.83 Milliarden Aktien 1029 im Plus, 1417 im Minus und 115 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse New York: Draghis Euro-Plan enttäuscht Wall Street"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Bestimmt hat Herr Weidmann vor 3 Jahren mal ein Bier nicht selbst bezahlt. Jede Wette, dass die linke Presse jetzt schnüffelt was das Zeug hält, um Herrn Weidmann genauso zu killen wie Wulff wegen niedriger Zinsen fürs Einfamilienhaus oder einem handy, während Südeuropa Milliarden klaut!

  • @Mazi

    Asmussen war bei der EZB-Ratssitzung NICHT anwesend.

    Was hat Asmussen eigentlich während der EZB-Ratssitzung gemacht? Er soll doch, bei so einer nicht ganz unwichtigen Sitzung, deutsche Interessen vertreten.

    War er irgendwo im Biergarten und hat 3 Weizen getrunken? Oder hat er von den Bilderbergern Befehle entgegengenommen? Er sollte sich mal erklären.

    Wofür wird Asmussen eigentlich bezahlt? Jeden Abteilungsleiter würde man sofort kündigen, wenn er so die Interessen der Firma missachtet und blau macht!

  • Alles schön und gut, aber man sollte auch einmal darüber nachdenken, ob das Ganze nicht ein Wirtschaftskrieg gegen Deutschland ist, der gestern von Herrn Weidmann angehalten wurde.

    Oder war es Herr Asmussen? Letzterer sollte aufgrund früherer bereits bekannt gewordener Arbeitsleistungen mit Wahrscheinlichkeit auszuschließen sein.

    Deutschland ist über seine Wirtschaftsleistung scheinbar nicht zu schlagen. Über übermäßige Schulden, zugeführt über das Ausland, also ohne Wirtschaftsgegenleistung gedeckt, wäre dem beizukommen.

    Die einzigen Rettungsanker, die seitens Deutschlands noch gegriffen werden können, sind der EZB-Vertrag und das drohende Urteil des BVerfG am 12.09.2012, unser Grundgesetz. Darauf könnte sich gestern die Bundesbank, in Person von Herrn Weidmann, bezogen haben.

    Anders kann Draghi's Formulierung, "alle, bis auf einen", nicht verstanden werden. Dragi hat damit Weidmann schon nicht mehr "als zu den allen" gezählt zu haben. Nach seinen blumigen Worten in London und diesen Äußerungen gestern, gepaart mit der jüngst bekannt gewordenen Untersuchung gegen ihn, ist er angezählt, vielleicht auch schon "erledigt". Die Wortwahl, deutet den internen Kampf an. Er ist als EZB-Präsident nicht mehr zu halten.

    Das Frau Merkel Draghi schon am Wochenende zur Seite gesprungen ist, lässt aufhorchen. Musste man bisher davon ausgehen, dass die Frau auf deutscher Seite vermutet wird. Es dürfte zu denken geben, könnte sie mit dem Begriff der Gewaltenteilung in Deutschland etwas anfangen.

    Die Uhren gehen jetzt anders. Der "Krieg" in der EZB hat gestern begonnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%