Börse New York
Entscheid von Japans Notenbank belastet Wall Street

Die Bank of Japan will vorerst keine weitere Hilfe im Kampf gegen die Konjunkturflaute leisten. Das hat die Händler an der Wall Street enttäuscht. Für Unmut sorgte am Donnerstag auch die Aktie des US-Konzerns Apple.

New YorkDie Enttäuschung über ausbleibende weitere Hilfen der japanischen Notenbank im Kampf gegen die Konjunkturflaute hat die US-Börsen am Donnerstag belastet. Zudem drückte im späten Handel ein Kursrutsch bei Apple auf die Stimmung, nachdem der Investor Carl Icahn erklärt hatte, bei dem Tech-Giganten komplett ausgestiegen zu sein. Im frühen Handel hatten starke Zahlen von Facebook und neue Milliardenfusionen die Wall Street noch gestützt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Abschlag von 1,2 Prozent bei 17.831 Punkten, nachdem er im Verlauf zwischen 17.796 und 18.035 Stellen gependelt war. Der breiter gefasste S&P-500 gab 0,9 Prozent nach auf 2076 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,2 Prozent auf 4805 Stellen. In Frankfurt hatte der Dax 0,2 Prozent fester bei 10.321 Punkten geschlossen.

Trotz Konjunkturflaute verzichtete die BOJ auf die von Börsianern erhoffte weitere Öffnung der Geldschleusen. Dies sorgte für einen Kursrutsch am Tokioter Aktienmarkt und gab dem Yen kräftig Auftrieb. Die US-Notenbank ließ am Mittwochabend den Leitzins unverändert und den Zeitpunkt einer weiteren Anhebung in der Schwebe. Neue Konjunkturdaten dürften sie in ihrer vorsichtigen Haltung bestätigten. Die US-Wirtschaftsleistung legte im ersten Quartal nicht so stark zu wie erwartet.

Apple-Papiere sackten um 3,1 Prozent auf 94,83 Dollar ab und haben in dieser Woche bereits rund neun Prozent verloren. Hauptgrund dafür waren schwache Quartalszahlen. Auslöser für das weitere Minus am Donnerstag war der Investor Icahn, der dem Sender CNBC sagte, er habe sich bei dem iPhone-Hersteller zurückgezogen. Es gebe zu viel Risiko für Apple in China. Ende 2015 besaß Icahn noch 45,8 Millionen Apple-Aktien.

Die sehr starken Facebook-Umsätze im abgelaufenen Quartal konnten die Stimmung im Technologiesektor nicht retten. Dank Werbung auf Smartphones war das Geschäft des weltgrößten Online-Netzwerks kräftig gewachsen. Inzwischen hat Facebook etwa 1,65 Milliarden aktive Nutzer im Monat, was einem Zuwachs von 60 Millionen in drei Monaten entspricht. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Die Aktien erreichten zeitweise bei 120,79 US-Dollar ein Rekordhoch und beendeten den Tag mit plus 7,20 Prozent auf 116,73 Dollar.

Die Papiere von First Solar fielen trotz starker Quartalszahlen an der Nasdaq um rund 8 Prozent. Der Solarkonzern, der zudem einen Chefwechsel bekannt gab, habe kaum Änderungen am Ausblick vorgenommen, begründete ein Analyst die Kursverluste.

Unter den Standardwerten zählten die Aktien des Autobauers Ford, des Zahnpasta-Herstellers Colgate-Palmolive und des Pharmaunternehmens Bristol-Myers Squibb nach vorgelegten Geschäftsberichten und Ausblicken zu den Gewinnern. Sie legten um zwischen 2,68 und 3,15 Prozent zu.

Dagegen reagierten Anleger enttäuscht auf die schwachen Zahlen des Düngerherstellers Potash und des vor der Übernahme durch DuPont stehenden Chemiekonzerns Dow Chemical. Deren Aktien gaben um 3,40 beziehungsweise 0,34 Prozent nach. Die Papiere des Kreditkartenunternehmens Mastercard, die anfangs noch von ihren Quartalszahlen moderat profitiert hatten, büßten 1,22 Prozent ein.

Die Aktien des Paketdienstes United Parcel Service (UPS) sanken ungeachtet guter Quartalszahlen um 1,46 Prozent. Die Anleger seien besorgt, dass sich das Wachstum verlangsamen könne, zumal der weltgrößte Online-Händler und Kunde Amazon ein eigenes Versandnetzwerk aufbauen wolle, hieß es. Außerdem sei die USP-Aktie sehr gut gelaufen und mit aktuell 104,91 Dollar keine 10 Dollar mehr von ihrem Anfang 2015 erreichten Rekordhoch entfernt.

Erneut waren auch Übernahmen an diesem Tag ein Thema. Mit einem Kurssprung von fast 26 Prozent auf 77,79 Dollar fielen die Papiere von St. Jude Medical auf. Der Pharmakonzern Abbott will den Medizintechnikkonzern für 25 Milliarden Dollar übernehmen, was dessen Papieren einen Verlust von fast 8 Prozent einbrockte. Die Anteile des Branchenkollegen Abbvie drehten nach anfänglich deutlichen Verlusten ins Plus und gewannen 0,82 Prozent. Abbvie will den Krebsmittel-Hersteller Stemcentrx für zwei Milliarden Dollar in bar und Aktien schlucken.

An der Nasdaq zeigten sich darüber hinaus die Comcast-Papiere mit minus 0,24 Prozent kaum beeindruckt von dessen Übernahmeplänen. Der Kabelriese will das Trickfilmstudio Dreamworks Animation übernehmen, was dessen Aktienkurs um etwas mehr als 24 Prozent auf 39,95 Dollar nach oben trieb. Comcast bietet 41 Dollar je Aktie in bar, womit der Deal ein Volumen von etwa 3,8 Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) hat.

Der Eurokurs lag zur Schlussglocke an der Wall Street bei 1,1350 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1358 (Mittwoch: 1,1303) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8804 (0,8847) Euro. Am US-Rentenmarkt legten zehnjährige Staatsanleihen um 5/32 Punkte auf 98 4/32 Punkte zu. Ihre Rendite sank auf 1,83 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,03 Milliarden Aktien den Besitzer. 1036 Werte legten zu, 1942 gaben nach und 154 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,15 Milliarden Aktien 953 im Plus, 1871 im Minus und 141 unverändert.

US-Staatsanleihen legten angesichts der fallenden Kurse am Aktienmarkt zu. Die zehnjährigen Bonds verbesserten sich um 6/32 auf 98-05/32. Sie rentierten mit 1,830 Prozent. Die 30-Jährigen kletterten 11/32 auf 96-07/32 und hatten eine Rendite von 2,685 Prozent.

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