Börse New York
EU-Schuldenkrise und Fed ziehen US-Börsen ins Minus

In den USA bleibt Europas Staatsschuldenkrise das dominierende Thema. Die gestrige Entscheidung der US-Notenbank Fed belastete die Kurse heute zusätzlich. Die US-Aktienmärkte schlossen den dritten Tag in Folge im Minus.
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New YorkFallende Rohstoffpreise und anhaltende Sorgen über die Schuldenkrise in Europa haben die New Yorker Aktienmärkte am Mittwoch erneut ins Minus gedrückt. Zu den größten Verlierern zählten Anleger von Energiewerten, nachdem der Ölpreis um mehr als sechs Dollar auf unter 95 Dollar gesunken war. Der Goldpreis gab ebenfalls nach und sackte auf den tiefsten Stand seit Anfang Oktober.

„Es setzt sich die Auffassung durch, dass die Weltwirtschaft in Gefahr ist“, sagte Investment-Stratege Bruce Bittles zu den fallenden Rohstoffpreisen. Händler verwiesen außerdem auf die Auktion italienischer Staatsanleihen, bei der die Regierung in Rom trotz der jüngsten Beschlüsse des EU-Gipfels Zinsen in Rekordhöhe zahlen musste. Der Euro fiel unter die Marke von 1,30 Dollar auf den tiefsten Stand seit knapp einem Jahr.

„Das Hauptthema ist jetzt das vollständige und absolute Versagen der Europäischen Union, in irgendeiner Form eine Lösung zu finden“, erklärte Analyst Jeffrey Sica. „Die ganzen Gipfeltreffen haben nichts gebracht, und dafür werden wir bald den Preis zu zahlen haben.“

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent schwächer bei 11.823 Punkte. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 11.786 und 11.950 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 fiel ebenfalls um 1,1 Prozent auf 1211 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 1,55 Prozent auf 2539 Punkte ab. Der S&P-Index der Energiebranche verlor knapp drei Prozent auf 494 Stellen. Der Deutsche Aktienindex (Dax) fiel um 1,7 Prozent auf 5675 Zähler.

„Es ist nun klar, dass die EU nicht genug unternommen hat - zumindest haben die Märkte diesen Eindruck“, sagte Analystin Doreen Mogavero. Es herrsche große Unsicherheit darüber, inwieweit die Schuldenprobleme in Europa die wirtschaftliche Erholung auch in den USA beeinträchtigen könnten.

Das hoch verschuldete Italien hatte zuvor bei der Versteigerung von Papieren mit fünfjähriger Laufzeit drei Milliarden Euro eingenommen. Die Anleger ließen sich ihr Engagement mit einem durchschnittlichen Zins von 6,47 Prozent vergüten. Das ist der höchste Wert seit Einführung des Euro.

Negativ wirkte sich auch die Enttäuschung über das Ausbleiben eines weiteren Konjunkturprogramms der US-Notenbank aus. Die Fed hielt sich am Dienstagabend zwar die Tür hierfür offen, kündigte aber vorerst keine neuen Maßnahmen an. Börsianer gehen davon aus, dass die Umsätze an der Wall Street bis zum Jahresende niedrig bleiben, was wiederum zu größeren Kursschwankungen führen dürfte.

Zu den Verlierern gehörten neben Energiewerten erneut Bankentitel: Der Aktienkurs der Citigroup büßte 3,2 Prozent an Wert ein. Bei den Einzelwerten brachen die Aktien von First Solar um mehr als 21 Prozent ein. Der Solarkonzern hatte zuvor seine Umsatz- und Gewinnprognose zum zweiten Mal für 2011 gesenkt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 930 Millionen Aktien den Besitzer. 836 Werte legten zu, 2179 gaben nach, und 85 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,78 Milliarden Aktien 888 im Plus, 1667 im Minus und 90 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der permanente Kapitaltransfer von Süden nach Norden über die Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite wird mit Sicherheit zu politischer Unruhen innerhalb der Eurozone führen.
    Automatische Sanktionen wegen Haushaltsdefizite, wie immer wieder von Merkel verlangt, würden dieses Kapitaltransfer nur noch vergrößern.
    Wichtig und richtig wären Vertragsänderungen die diese Leistungsbilanzungleichgewichte verhindern, damit die schwächere Wirtschaften nicht von den stärkeren erstickt werden. (wegen der Freihandelszone)
    Diese Änderungen wären, wegen der daraus resultierenden politische Stabilität, im Interesse Europas und folglich auch langfristig im Interesse Deutschlands.

  • Die Überschuldung der Euroländer ist eine Art Konjunkturprogramm für Deutschland gewesen.
    Die deutsche Wirtschaft hat immens in diese Länder exportieren können und dadurch an Stärke gewonnen. Leider, wegen des starken Euro, wurden die Gewinne ins Nichteuroländer reinvestiert.
    Die jetzige erzwungene Entschuldung bewirkt nun genau das Gegenteil, wir werden bestenfalls eine Stagnation wenn nicht gar Deflation erleben.
    Nur ein realistisch bewerteter Euro, um die 1,20,- zum US-Dollar, kann die sich abzeichnende Rezession im Euroraum mildern. Für Konzerne die ihre Gewinne außerhalb des Euroraumes investiert haben, gewiss vom Nachteil. Wünschenswert, und wahrscheinlich wegen des Eurowechselkurs, wäre auch eine moderate Inflation um das Entschulden des Euroraumes zu beschleunigen. Nur wer Bundesanleihen mit sehr niedriger Verzinsung unterzeichnet hat müsste, wegen der Inflation, Bauchschmerzen bekommen.

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