Börse New York Hoffen auf Krisenende treibt Wall Street an

Die US-Anleger hoffen auf eine Einigung im Streit zwischen Griechenland und seinen Gläubigern - sie setzen auf einen Durchbruch der Gespräche. Die wichtigsten Indizes schlossen mit einem Plus.
Update: 22.06.2015 - 23:28 Uhr Kommentieren
Spannung bis zur letzten Minute versprechen die Verhandlungen über den griechischen Schuldenstreit. Quelle: dpa
New York Stock Exchange

Spannung bis zur letzten Minute versprechen die Verhandlungen über den griechischen Schuldenstreit.

(Foto: dpa)

New YorkHoffnungen auf eine Einigung im griechischen Schuldenstreit haben am Montag die US-Börsen nach oben getrieben. Auch in Europa setzten die Anleger auf einen Durchbruch. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem lobte die Vorlage neuer Reformvorschläge aus Athen als wichtigen Schritt. Für eine eingehende Bewertung sei aber mehr Zeit nötig. Am Abend berieten die Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel über das Thema. Mit einer endgültigen Entscheidung wurde nicht gerechnet.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,6 Prozent im Plus bei 18.119 Punkten. Dabei pendelte er zwischen 18.027 und 18.181 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann ebenfalls 0,6 Prozent auf 2122 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,7 Prozent auf 5153 Stellen zu und schloss auf einem neuen Rekordhoch.

Bei den Einzelwerten standen Aktien des Pipeline-Betreibers Williams Companies im Mittelpunkt des Interesses. Sie schossen 26 Prozent in die Höhe. Der US-Gasversorger Energy Transfer Equity (ETE) hatte eine 48 Milliarden Dollar schwere Offerte für Williams abgegeben. ETE-Papiere verloren knapp fünf Prozent. Aktien des US-Krankenversicherers Cigna kletterten 4,8 Prozent. Konkurrent Anthem gab ein Übernahmeangebot in Höhe von 47 Milliarden Dollar ab, das von Cigna jedoch als unangemessen abgelehnt wurde.

An den europäischen Börsen lösten die Erwartungen eines Durchbruchs in der Griechenland-Krise ein wahres Kursfeuerwerk aus. Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 3,8 Prozent bei 11.460,50 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 gewann 4,2 Prozent auf 3.601,88 Zähler.

Was spricht für, was gegen Aktien?
Pro: Kursgewinne
1 von 8

Wer zum richtigen Zeitpunkt einsteigt, dessen Einsatz lohnt sich allein dank steigender Kurse. Wer zum Beispiel Anfang 1997 zur Rückkehr des Firmengründers Steve Jobs 1000 Dollar in Papiere des am Boden liegenden Computerbauers Apple steckte, ist heute mehr als 200 000 Dollar reicher. Apple ist inzwischen das wertvollste Unternehmen der Welt.

Pro: Dividenden
2 von 8

Viele Unternehmen beteiligen ihre Anteilseigner am Geschäftserfolg. Bei Europas größtem Versicherer Allianz fällt die Gewinnbeteiligung für das erfolgreiche Geschäftsjahr 2014 besonders üppig aus: Der Münchner Dax-Konzern schüttet 6,85 Euro Dividende je Aktie aus. Viele andere Dax-Konzerne heben ihre Dividende an. K+S hebt sie um 25 auf 90 Cent, Continental will statt 2,50 nun 3,25 Euro je Aktie ausschütten.

Pro: Miteigentümer
3 von 8

Wer Aktien kauft, kauft einen Unternehmensanteil. Mit dem Geld werden neue Geschäftsideen oder der Ausbau des bestehenden Geschäfts finanziert. Das trägt im Idealfall auch dazu bei, dass Arbeitsplätze geschaffen werden oder zumindest erhalten bleiben. Angesichts des schwachen Euros und der damit verbundenen verbesserten Ausgangslage des Exportgeschäfts, kann man als Miteigentümer eines Exportunternehmen Geld verdienen.

Pro: Anlagenotstand
4 von 8

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft. Davon profitieren zwar Kreditnehmer, andererseits wird die bei vielen Deutschen so beliebte Geldanlage auf Sparbuch, Tagesgeld- oder Festgeldkonten kaum noch belohnt. Dass die Menschen zunehmend selbst fürs Alter vorsorgen müssen, zwingt sie dazu mehr Risiko einzugehen. Für ein annehmbares Risiko bekommen sie auf dem Aktienmarkt akzeptable Renditen.

Kontra: Aufs falsche Pferd setzen
5 von 8

Die „Volksaktie“ Telekom startete im November 1996 bei 28,50 Deutsche Mark (14,57 Euro) und kletterte bis März 2000 auf umgerechnet knapp über 100 Euro. Aktuell ist die T-Aktie noch gut 17 Euro wert. Fachleute raten ohnehin dazu, Geld nicht nur in einen Titel zu stecken, sondern möglichst breit zu investieren und die Aktien mehrerer Unternehmen ins Depot zu nehmen, um Schwankungen ausgleichen zu können. Ein zu breite Streuung ist allerdings ebenfalls nicht erbaulich für das Depot, da sonst Gewinne durch Verluste anderer Titel vernichtet werden können.

Kontra: Zum falschen Zeitpunkt einsteigen
6 von 8

Gerade Kleinanleger lassen sich oft von einem Börsenhype mitreißen und steigen ein, wenn die Kurse schon vergleichsweise hoch sind – etwa, weil dann viel darüber berichtet wird. Profi-Investoren machen dann längst schon wieder Kasse und sorgen durch Verkäufe dafür, dass die Kurse wieder sinken. Daher sollten Kleinanleger sich über die Aktienmärkte nicht erst informieren, wenn viel auf ihnen los ist, sondern bereits vorher.

Kontra: Gebühren
7 von 8

Börsenbetreiber und Banken verdienen beim Kauf und Verkauf von Aktien und Fondsanteilen mit. Verbraucherschützer kritisieren, die Gebührenstruktur sei bisweilen unübersichtlich – zulasten der Kunden.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte den Geldgebern am Wochenende eine neue Reformliste vorgelegt, die von der Euro-Gruppe positiv bewertet wurde. Die Athener Regierung feilscht seit Monaten mit ihren Gläubigern um die Bedingungen für weitere Finanzspritzen. Ohne Einigung droht dem Mittelmeer-Anrainer binnen Tagen die Pleite.

„Zum ersten Mal seit Monaten hat man das Gefühl, dass sich die zuversichtlichen Stimmen aus Griechenland auch tatsächlich mit denen der Geldgeber decken“, sagte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. „Nach dem monatelangen Hin und Her gibt es also nun Licht am Ende eines langen Tunnels.“

An der New York Stock Exchange wechselten rund 710 Millionen Aktien den Besitzer. 1835 Werte legten zu, 1236 gaben nach und 140 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,61 Milliarden Aktien 1819 im Plus, 988 im Minus und 127 unverändert.

Angesichts des Optimismus in der Griechenland-Krise verbilligten sich die US-Anleihen. Die zehnjährigen Bonds gaben 31/32 auf 97-26/32 nach. Sie rentierten mit 2,3761 Prozent. Die 30-jährigen Bonds fielen um 2-4/32 auf 96-26/32 und hatten eine Rendite von 3,1664 Prozent.

  • rtr
  • dpa
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