Börse New York
Hoffnung auf Fed dreht Handel an der Wall Street

Neue Sorgen um den Zustand der US-Konjunktur belasten die Finanzmärkte. Zudem drücken schwache Daten aus der Eurozone und China die Stimmung. Die Schuldenkrise dominiert weiterhin den Handel.
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New YorkDie US-Börsen haben zum Wochenauftakt keine klare Richtung gefunden. Schwache Konjunkturdaten belasteten den Handel. Einige Händler nahmen die Anzeichen für eine spürbare Abkühlung der US-Konjunktur aber zum Anlass für Spekulationen über weitere Hilfen der Notenbank Federal Reserve - das gab den Kursen Auftrieb. Die Schuldenkrise in der Eurozone sorgte weiter für Verunsicherung: Die finnische Regierung machte deutlich, dass sie ihr Veto gegen Staatsanleihenkäufe durch den Rettungsfonds ESM einlegen will.

Händler zeigten sich besonders von Daten zur US-Industrie beeindruckt, die laut einer Umfrage des ISM-Instituts erstmals seit rund drei Jahren schrumpfte. Unter Investoren schürte das die Hoffnung auf eine weitere geldpolitische Lockerung der Fed. Ins Bild passten maue Konjunkturdaten aus der Euro-Zone: So verharrte der Markit-Einkaufsmanagerindex auf dem tiefsten Stand seit knapp drei Jahren. Experten gehen davon aus, dass die Industrieproduktion im zweiten Quartal um etwa ein Prozent zurückging.

Die Krise in der Eurozone hat auch Auswirkungen auf die exportorientierte Industrie in China: Dort sank der Einkaufsmanagerindex der Bank HSBC auf den niedrigsten Stand seit November 2011. "Das ist wirklich besorgniserregend", fasste Hugh Johnson vom gleichnamigen Beratungsunternehmen aus Albany die Stimmung auf dem Parkett zusammen. Bestätigt fühlte sich mancher Händler durch die Schweizer Bank UBS, die ihre Jahresprognose für den S&P 500 von 1475 auf 1375 Punkte senkte.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsende mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 12.871 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Marktbarometer zwischen 12.795 und 12.902 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1365 Punkten, ein Aufschlag von 0,3 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent und ging mit 2951 Punkten aus dem Handel. In Frankfurt schloss der Dax mit einem Plus von 1,2 Prozent bei 6496 Punkten. Hier wirkte die Freude über die EU-Gipfel-Beschlüsse im Kampf gegen die Schuldenkrise aus der Vorwoche noch nach.

Die Umsätze werden in dieser Woche wegen des Unabhängigkeitstages am Mittwoch voraussichtlich gering bleiben, so dass schon kleinere Ereignisse die Kurse beeinflussen können. Mit großer Aufmerksamkeit werden die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sowie Arbeitsmarktdaten am Donnerstag und Freitag verfolgt.

Bei den Einzelwerten standen Aktien des Pharmakonzerns Bristol-Myers Squibb im Interesse der Anleger. Das Unternehmen will im Bereich der Diabetes-Behandlung wachsen und kauft dafür die Biotechnologiefirma Amylin Pharmaceuticals für 5,3 Milliarden Dollar. Aktien von Bristol-Myers gewannen 0,3 Prozent. Anteilsscheine von Amylin wurden mit einem Aufschlag von 8,9 Prozent gehandelt.

Um fast vier Prozent ging es mit Aktien des Chipherstellers Micron Technology nach oben. Das Unternehmen übernimmt seinen insolventen japanischen Rivalen Elpida und zahlt dafür 750 Millionen Dollar in bar und etwa 1,75 Milliarden Dollar in Raten an die Elpida-Gläubiger.

Eine Übernahme des Computerherstellers Dell kam bei Aktionären dagegen weniger gut an: Dell kauft für rund 2,4 Milliarden Dollar den US-Softwarekonzern Quest und konnte sich im monatelangen Bieterkampf um den SAP -Konkurrenten gegen den Finanzinvestor Insight Venture Partners durchsetzen. Die Aktien von Dell verbilligten sich um rund ein Prozent. Quest-Papiere gingen kaum verändert aus dem Handel.

Die Aktie des Elektronikherstellers Apple stieg um 1,5 Prozent. Das kalifornische Unternehmen erzielte im Dauerpatentstreit mit Samsung einen weiteren Teilerfolg. Eine Bundesrichterin erließ gegen den Verkauf des Samsung-Smartphones Galaxy Nexus eine einstweilige Verfügung. Zudem räumte Apple mit einer Millionenzahlung die Gefahr eines drohenden Verkaufsverbots für seinen Tablet-Computer iPad in China aus dem Weg.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 730 Millionen Aktien den Besitzer. 2135 Werte legten zu, 881 gaben nach und 90 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,8 Milliarden Aktien 1603 im Plus, 905 im Minus und 96 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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