Börse New York: Krim-Krise überschattet positive US-Konjunkturdaten

Börse New York
Krim-Krise überschattet positive US-Konjunkturdaten

Der US-Arbeitsmarkt hat der Kältewelle in den Staaten getrotzt und im Februar unerwartet viele Stellen geschaffen. Dies sorgte zunächst für freundlichen Handel an der Wall Street. Doch die Krim-Krise belastet.
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New YorkDie Sorge vor einer Eskalation der Krise auf der Krim hat am Freitag an der Wall Street die positiven Nachrichten vom Arbeitsmarkt überlagert. Laut US-Wirtschaftsministerium entstanden im Februar 175.000 Jobs, während Volkswirte lediglich mit 149.000 neuen Stellen gerechnet hatten. "Die Zahlen überzeugen insbesondere vor dem Hintergrund des oft zitierten strengen Winterwetters", sagte Helaba-Experte Ralf Umlauf.

Die Beschäftigungsentwicklung in den USA überraschte im Februar nach zwei eher schwächeren Monaten in Folge erstmals wieder positiv. Außerhalb der Landwirtschaft wurden mehr neue Stellen geschaffen als von Experten erwartet. „Das sind offenkundig sehr positive Nachrichten und sie deuten an, dass die Wirtschaft sich weiter auf dem aufsteigenden Ast befindet“, sagte ein Marktstratege aus Richmond im US-Bundesstaat Virginia.

Ihre anfänglichen deutlicheren Kursgewinne konnten die Börsen dann jedoch nicht halten. Ein deutlicherer Auftrieb für die Märkte wurde durch erneut aufkeimende Unsicherheit in der Ukraine verhindert. „Es gibt definitiv die Sorge, dass sich das sprichwörtliche Gewitter der russisch-ukrainischen Krise wieder über den Märkten entlädt“, sagte ein Fondsmanager aus dem US-Bundesstaat New Jersey. Vor dem Wochenende wolle angesichts einer möglichen Eskalation daher niemand am Markt größere Risiken eingehen, sagten Börsianer.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,19 Prozent im Plus bei 16.452 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,05 Prozent auf 1878 Zähler, einem neuen Schlussrekord. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor dagegen 0,37 Prozent auf 4336 Punkte. Auf Wochensicht legte der Dow 0,8 Prozent, der S&P ein Prozent und die Nasdaq 0,7 Prozent zu. Der Ukraine-Konflikt hatte zuvor die europäischen Aktienmärkte zum Wochenschluss in den Keller gedrückt: Der Dax schloss zwei Prozent tiefer bei 9351 Punkten.

Die Anteilsscheine der Internet-Sicherheitsfirma FireEye stürzten um fast zehn Prozent ab, weil der Konzern bei einer Kapitalerhöhung seine Aktien mit einem unerwartet hohen Preisnachlass verkaufen musste.

Einer der größten Gewinner im S&P 500 waren zunächst die Aktien der Sportschuhkette Foot Locker, die nach einer unerwartet starken Bilanz fast neun Prozent zulegten. Der Modehändler Gap wartete mit einem Plus von 0,21 Prozent auf. Der größte Händler seiner Art in den USA hatte in seinen seit mindestens einem Jahr bestehenden Läden im Februar zwar rund 7 Prozent weniger umgesetzt als vor einem Jahr. Schuld sei aber das schlechte Wetter im Nordosten und im mittleren Westen der USA gewesen. Mehr als 450 Läden mussten für mindestens einen Tag geschlossen bleiben.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 720 Millionen Aktien den Besitzer. 1247 Werte legten zu, 1751 gaben nach und 141 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,17 Milliarden Aktien 1264 im Plus, 1320 im Minus und 124 unverändert.

Für viel Aufsehen sorgte in New York eine milliardenschwere Fusion im US-Einzelhandel. Durch den Zusammenschluss der zweitgrößten Supermarktkette Safeway mit dem Konkurrent Albertsons entsteht vor allem an der Westküste ein dominanter Lebensmittel-Anbieter mit 2400 Geschäften und 250.000 Mitarbeitern. Dazu übernimmt der Finanzinvestor Cerberus für 9,4 Milliarden Dollar Safeway, dessen Aktien jedoch an der Börse um drei Prozent nachgaben.

Das China-Geschäft der US-Wirtschaft ist zum Jahresstart allerdings eingebrochen. Die Firmen exportierten im Januar knapp 21 Prozent weniger ins Reich der Mitte als im Dezember, wie das Handelsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Da die Einfuhren aus China um 1,7 Prozent zulegten, kletterte das Handelsdefizit der USA mit dem bevölkerungsreichsten Land der Erde deutlich auf fast 28 Milliarden Dollar.

Dies ist der Löwenanteil des gesamten Defizits, das im Januar weitgehend stabil blieb und nur minimal auf 39 Milliarden Dollar kletterte. Die gesamten Exporte und Importe stiegen im Gleichschritt um 0,6 Prozent zum Vormonat. Die US-Exporte waren im vierten Quartal 2013 so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr und hatten das Wachstum der gesamten Wirtschaft von 0,6 Prozent zum Vorquartal kräftig angekurbelt. 

Der Euro gab nach den US-Arbeitsmarktdaten wieder etwas nach und notierte zuletzt bei 1,3872 Dollar. Zuvor hatte er bei 1,3915 Dollar den höchsten Stand seit Oktober 2011 markiert. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen verloren 15/32 Punkte auf 99 20/32 Punkte, ihre Rendite zog auf 2,79 Prozent an.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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