Börse New York
Krise in Italien erschüttert Wall Street

Der angekündigte Rücktritt von Silvio Berlusconi konnte den US-Anlegern nicht die Furcht vor einer Zahlungsunfähigkeit Italiens nehmen. Besonders der Bankensektor leidet unter den Hiobsbotschaften aus Europa.
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New YorkDer New Yorker Aktienmarkt hat am Mittwoch mit Kursverlusten geschlossen. Der angekündigte Rücktritt von Regierungschef Silvio Berlusconi vermochte es nicht, den US-Anlegern die Furcht vor einer Zahlungsunfähigkeit Italiens zu nehmen. Die Renditen für italienische Anleihen durchbrachen die kritische Marke von sieben Prozent und liegen damit auf den höchsten Stand seit der Einführung des Euros 1999. Italiens Bonds käme derzeit die Rolle eines neuen Angst-Index wie dem Volatilitätsindex VIX zu, sagte Charles Reinhard, Investmentstratege bei Morgan Stanley Smith Barney. „Und im Moment zeigen sie sehr viel Angst an.“ Nicht mehr Griechenland stünde im Zentrum der Schuldenkrise, sondern Italien.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab um 3,2 Prozent auf 11.780 Punkte nach. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 3,7 Prozent auf 1229 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,9 Prozent auf 2621 Punkte. Der Deutsche Aktienindex (Dax) schloss in Frankfurt mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 5829 Stellen.

Besonders der Bankensektor leidet unter den Hiobsbotschaften aus Europa: Die Anteilsscheine von Morgan Stanley verloren neun Prozent, das Papier von Goldman Sachs büßte 8,2 Prozent ein.Der KBW Bankenindex fiel um vier Prozent. „Das ist ein Weckruf für die Märkte“, sagte Seth Setrakian von First New York Securities über Nachrichten aus Italien. „Wir waren zu lange zu optimistisch, um die Realität zu akzeptieren. Jetzt müssen wir erkennen, dass es kein Spaziergang wird.“

Die Schuldenkrise hinterlässt auch Spuren in der Bilanz des größten US-Autobauers General Motors . Die Opel-Mutter nahm ihr Ziel zurück, in Europa auf bereinigter operativer Basis im Gesamtjahr die Verlustzone hinter sich zu lassen. Das sei wegen der wirtschaftlichen Lage dort nicht zu schaffen, räumte der Konzern ein. Die Aktie gab knapp elf Prozent nach.

Gestiegene Rohstoffkosten und ein verhaltener Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft belasteten das Papier des Einzelhändlers Macy's . Zwar konnte die Kaufhauskette stärker wachsen als die Konkurrenz, doch fiel die Bruttomarge auf 39,4 Prozent. Macy's gab die gestiegenen Kosten für Baumwolle und Logistik an die Kunden weiter und erhöhte die Preise. Der Konzern erhöhte zwar die Prognose für das Gesamtjahr, jedoch nicht so stark wie von der Wall Street erhofft. Dies löste Besorgnis über das wichtige Weihnachtsgeschäft aus. Die Aktie gab um 5,3 Prozent nach.

Im Blickpunkt der Anleger standen auch die Papiere von Adobe Systems . Der US-Softwarehersteller kündigte an, mehr als sieben Prozent seiner Stellen zu streichen. Außerdem gab Adobe bekannt, die Entwicklung des populären Flash-Players für Mobilgeräte einzustellen. Damit ist der Kampf um einen einheitlichen Standard für Videos und Grafiken im Internet praktisch zugunsten von Apple entschieden. Der iPhone-Hersteller baut bei seinen Mobilgeräten auf HTML5. Adobes Anteilsscheine brachen um knapp 7,7 Prozent ein. Apple-Papiere notierten 2,7 Prozent niedriger.

Im Vorfeld der Quartalszahlen gaben Cisco Systems 3,8 Prozent nach. Der einstige Technologievorreiter wolle nach Börsenschluss über die jüngste Geschäftsentwicklung informieren. An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,11 Milliarden Aktien den Besitzer. 285 Werte legten zu, 2743 gaben nach und 42 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,15 Milliarden Aktien 312 im Plus, 2204 im Minus und 77 unverändert.

Die US-Staatsanleihen haben am Mittwoch angesichts der schlechten Nachrichten aus Italien zugelegt. Die Rendite für italienische Bonds durchbrach die kritische 7-Prozentmarke und liegt auf dem höchsten Stand seit der Einführung des Euros 1999.

Trotz des absehbaren Rücktritts des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi stieg die Angst, die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone könnte ohne finanzielle Hilfen auch noch umfallen. „Jeder wartet auf die nächste Hiobsbotschaft aus Europa“, sagte Charles Comiskey, Anleihenhändler bei Bank of Nova Scotia in New York. „Es sieht so aus, als gebe es weder Führungspersönlichkeiten noch Antworten - und das macht den Leuten Angst. Das zehnjährige Papier gewann 1-1/32 auf 101-14/32. Die Rendite lag bei 1,9606 Prozent. Die dreißigjährige Anleihe gewann 2-15/32 auf 114-8/32 und rentierte mit 3,0206 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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