Börse New York
Nordkorea-Spannungen verstören Anleger an der Wall Street

Die Furcht vor einer Eskalation des Nordkorea-Konflikts hat am Donnerstag auch die Wall Street belastet. Die Anleger flohen aus Aktien und nahmen Kurs auf „sichere Häfen“ wie Gold. Der Dow sowie der S&P 500 fielen.
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New YorkDas Säbelrasseln zwischen den USA und Nordkorea hat Anleger am Donnerstag erneut in Unruhe versetzt. Sie flohen aus Aktien und nahmen Kurs auf „sichere Häfen“ wie Gold. Der Preis für das Edelmetall stieg zeitweise auf ein Zwei-Monats-Hoch. „In angespannten Situationen wie diesen wollen Anleger nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden“, sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. Wer jetzt wieder in den Aktienmarkt einsteigen wolle, brauche Nerven aus Stahl.

Ähnlich urteilten seine Kollegen von der BayernLB: „Die sich zuspitzende Rhetorik und die Bekanntgabe Nordkoreas, konkrete Pläne für einen Beschuss der Pazifikinsel Guam zu erarbeiten, sprechen gegen eine schnelle Auflösung des Konflikts.“ Auf Guam betreiben die USA Militärstützpunkte.

Der Dow-Jones-Index mit den Standardwerten schloss 0,9 Prozent tiefer auf 21.844 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 1,4 Prozent auf 2438 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 2,1 Prozent auf 6216 Punkte.

Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners wies zudem darauf hin, dass sich Investoren kaum gegen fallende Kurse abgesichert hätten. Weitere Rücksetzer könnten sie zu Notverkäufen zwingen. „So kann schnell ein Domino-Effekt einsetzen.“

Mit Blick auf die Konjunktur waren die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ein wenig stärker als von Analysten prognostiziert gestiegen. Zudem hatte sich der Preisauftrieb auf Erzeugerebene im Juli entgegen dem erwarteten leichten Anstieg weiter abgeschwächt

Für Aufsehen sorgte auch der deutliche Sprung des VIX auf den höchsten Stand seit dem Mai. Ein Anstieg dieses auch als „Angstbarometer“ bezeichneten Volatilitäsindex' spricht für zunehmende Unsicherheit der Investoren. Dies sei zwar noch keine große Katastrophe für den Aktienmarkt, schrieb Analyst Neil Wilson vom Handelshaus ETX Capital. Allerdings zeige sich doch, dass die Kurse wieder stärker schwankten als noch in den letzten Wochen.

Bei den Einzelwerten stürzten die Aktien von Blue Apron um 17,6 Prozent ab. Wegen hoher Werbeausgaben versechsfachte sich der Verlust des Kochboxen-Anbieters, der es im Juni nur mit Mühe auf das Börsenparkett geschafft hatte. In einer Kochbox befinden sich Rezepte mit allen dafür notwendigen Zutaten.

Die US-Kaufhausketten Macy's und Kohl's verschreckten die Anleger mit ihrem anhaltenden Umsatzschwund. Obwohl die Verkaufszahlen im zweiten Quartal nicht so stark sanken wie befürchtet, gingen die Aktien auf Talfahrt. Investoren befürchten, dass die Sanierung der Ketten noch lange dauern wird. Macy's-Papiere brachen über zehn Prozent ein. Kohl's-Aktien fielen 5,8 Prozent. Auch die Anteilsscheine der Rivalen gerieten unter die Räder. JC Penney stürzten mehr als acht Prozent ab, Sears mehr als sechs Prozent, Nordstrom und Target gut vier Prozent. Investoren befürchteten, dass der Niedergang der unter dem Trend zum Online-Shopping und der Übermacht von Amazon leidenden Warenhausketten nicht mehr zu stoppen ist.

Perrigo sprangen dagegen fast 16 Prozent in die Höhe, nachdem der Pharmakonzern seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr erhöht hatte.

Schlusslicht im Dow waren die Papiere des Technologiekonzerns Apple mit einem Minus von rund 3,5 Prozent. Sie hatten erst am Dienstag ein Rekordhoch erreicht.

Die Nordkorea-Krise zerrte auch an den Nerven der europäischen Anleger. In Frankfurt verloren Dax und EuroStoxx50 jeweils gut ein Prozent auf 12.014,30 und 3428,99 Punkte.

Der Kurs des Euro profitierte etwas von den schwachen Konjunkturdaten aus den USA und wurde zuletzt mit 1,1779 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1732 (Mittwoch: 1,1731) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8523 (0,8524) Euro.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 860 Millionen Aktien den Besitzer. 395 Werte legten zu, 2593 gaben nach und 89 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,18 Milliarden Aktien 608 im Plus, 2333 im Minus und 178 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gefragt und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 10/32 auf 100-13/32. Die Rendite fiel auf 2,2045 Prozent. Der 30-jährige Bond rückte um 25/32 auf 104-14/32 vor und rentierte mit 2,7790 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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