Börse New York
Ölpreis und China-Daten sorgen für schlechte Stimmung

Die US-Börsen setzen ihren Abwärtstrend fort, die Wall Street verabschiedete sich mit einem Minus ins Wochenende. Vor allem der Ölpreis-Absturz fordert seinen Tribut - für Ernüchterung sorgten auch Daten aus China.
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New YorkDie rasant fallenden Ölpreise haben die Aktienanleger an den New Yorker Börsen am Freitag in Unruhe versetzt. "Wir kommen jetzt an einen Punkt, an dem das Risiko von Staats- und Unternehmenspleiten steigt", warnte Christophe Donay, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet. Wegen eines weltweiten Überangebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage ist der Ölpreis seit dem Sommer um mehr als 40 Prozent gefallen.

Der Rutsch der US-Ölsorte WTI unter die psychologisch wichtige Marke von 60 US-Dollar habe weitere Unsicherheit in die weltweiten Kapitalmärkte gebracht, sagte Marktanalyst Craig Erlam vom Broker Alpari UK. Für Ernüchterung sorgten auch Daten aus China: Dort wuchs die Industrie im November langsamer.

Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten schloss 1,8 Prozent tiefer auf 17.280 Punkten. Er hat seine Kursgewinne seit Anfang November in dieser Woche aufgezehrt. Seit Montag fiel der weltweite Leitindex um 3,78 Prozent von seinem Rekordhoch am vergangenen Freitag zurück. Das ist die schlechteste Wochenbilanz seit mehr als drei Jahren.

Beim S&P 500 ging es um 1,6 Prozent abwärts auf 2002 Zähler, damit verzeichnete der Wert den stärksten wöchentlichen Rückgang seit Mai 2012. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab um 1,2 Prozent auf 4653 Stellen nach. Im Wochenvergleich fiel der D,ow 3,7 Prozent, der S&P 3,5 Prozent und der Nasdaq 2,7 Prozent.

Der Preis für ein Barrel (Fass zu 159 Liter) der richtungsweisenden Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee kostete am Freitagabend mit 61,55 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2009. Dies setzte den Währungen der Förderländer zu. Die norwegische Krone markierte zum Dollar ein Elf-Jahres-Tief. Der kanadische Dollar war so billig wie seit Sommer 2009 nicht mehr.

Der russische Rubel fiel sogar auf ein Rekordtief, obwohl die heimische Zentralbank am Donnerstag den Schlüsselzins um einen vollen Prozentpunkt auf 10,5 Prozent angehoben hatte. Das sei zu wenig und komme zu spät, urteilten die Analysten der Commerzbank. Händler gingen davon aus, dass die Zentralbank nun mit einer neuen Runde von Stützungskäufen in den Markt eingreift. Der Leitindex RTS der Moskauer Aktienbörse fiel zeitweise auf ein Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 784,53 Punkten.

Adobe überrascht positiv

Bei den US-Einzelwerten standen die Ölkonzerne Chevron und ExxonMobil unter Verkaufsdruck. Chevron-Aktien gaben 2,4 Prozent und Exxon-Anteilsscheine 2,9 Prozent nach. Der Branchenindex für die Ölindustrie notierte zeitweise mit 545,63 Zählern so niedrig wie zuletzt im April 2013.

Dagegen stiegen Adobe um neun Prozent. Der Entwickler der Bildbearbeitungssoftware "Photoshop" hatte starke Quartalsergebnisse vorgelegt und die Übernahme der Bildagentur Fotolia angekündigt. Zudem kommt Adobe bei seinem Umbau hin zum Geschäftsmodell mit der Cloud voran. Der Wechsel zu einem Abo-Modell mit fortlaufenden Zahlungen hatte zunächst einen Umsatzeinbruch ausgelöst, nun überraschte das Geschäftsquartal positiv.

Hortonworks legten bei ihrem Börsendebüt kräftig zu. Die Aktien des Spezialisten zur Analyse großer Datenmengen schlossen 65 Prozent höher auf 26,38 Dollar. Die ehemalige Tochter des Internet-Konzerns Yahoo hatte 6,25 Millionen Papiere zum Preis von je 16 Dollar zugeteilt.

Die Anteile am Kamerahersteller GoPro gewannen 0,78 Prozent. Nach einer langen Verlustserie kam den Papieren eine Kaufempfehlung der US-Großbank JPMorgan zugute. Die Anteile am Online-Kreditvermittler LendingClub knüpften an ihr fulminantes Börsendebüt an und legten mehr als fünf Prozent zu. Am Vortag war die Aktie um 56,20 Prozent über den Ausgabepreis aus ihrem ersten Handelstag gegangen. LendingClub bringt im Internet Sparer, die Geld anlegen wollen, und Kredit-Interessenten zusammen.

In Frankfurt verabschiedete sich der Dax mit einem Minus von 2,7 Prozent bei 9594,73 Punkten in den Feierabend. Im Vergleich zur Vorwoche büßte er 4,9 Prozent ein - so viel wie zuletzt vor drei Jahren. Der EuroStoxx50 verlor am Freitag 2,9 Prozent auf 3067,32 Zähler.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 960 Millionen Aktien den Besitzer. 648 Werte legten zu, 2470 gaben nach und 93 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,87 Milliarden Aktien 790 im Plus, 1949 im Minus und 109 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 21/32 auf 101-10/32. Die Rendite fiel auf 2,104 Prozent. Der 30-jährige Bond stieg 1-14/32 auf 104-30/32 und rentierte mit 2,757 Prozent. Händler erklärten die Aufschläge mit der Flucht der Investoren in die als sicher geltenden Staatsanleihen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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