Börse New York
US-Angriffe im Irak lassen Wall Street kalt

Im Irak fliegen US-Jets Luftangriffe. Große Kriegsangst macht sich an der Wall Street aber noch nicht breit. Entspannungssignale aus Moskau hoben stattdessen die Stimmung, die Börse ging mit Gewinnen ins Wochenende.
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New YorkDie Hoffnung auf eine Entspannung der Ukraine-Krise hat den US-Börsen Auftrieb gegeben. Anders als in Europa ließen sich die Anleger an der Wall Street vom Eingreifen des US-Militärs im Irak kaum beeindrucken. "Der Markt hasst Unsicherheit", sagte Investmentstratege Malcolm Polley von Stewart Capital Advisors. Wenn Informationen fehlten, gingen die meisten Investoren vom schlimmsten Szenario aus und stießen Aktien ab. Das Ende des Manövers der russischen Streitkräfte nahe der Grenze zur Ukraine habe dem Markt etwas Unsicherheit genommen. "Zudem macht die US-Regierung im Irak genau das, was sie angekündigt hat."

Der Dow-Jones-Index ging am Freitag bei 16.553 Punkten mit einem Plus von 1,1 Prozent aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 1,15 Prozent auf 1931 Zähler. Das waren die prozentual höchsten Tagesgewinne für beide Börsenbarometer seit dem 4. März. Die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,8 Prozent auf 4371 Stellen. Auf Wochensicht gewann der Dow 0,4 Prozent, der S&P 0,3 Prozent und der Nasdaq 0,4 Prozent. Diese Zuwächse sicherten sich die Indizes erst im Handelsverlauf am letzten Tag der Handelswoche.

Genährt wurde die Zuversicht auch von Aussagen des Chefs des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew. Dieser hatte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti gesagt: "Russland wird weiterhin alle Anstrengungen untenehmen, um die Spannungen schnell zu verringern." Dies hatte auch die Verluste des Dax eingedämmt. Er schloss 0,3 Prozent tiefer bei 9009,32 Punkten. Aus Angst vor einem neuen Irak-Krieg hatten Anleger zunächst Aktien in großem Stil verkauft. Drei Jahre nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Golfstaat bombardierten Kampfjets am Freitag im Norden eine Artilleriestellung der Extremisten- Organisation Islamischer Staat (IS). Kämpfer der IS haben in den vergangenen Tagen zahlreiche irakische Städte unter ihre Kontrolle gebracht. Zehntausende Angehörige religiöser Minderheiten wie Jesiden und Christen mussten fliehen.

Bei den Einzelwerten stachen die Aktien der kanadischen Pharmafirma Tekmira Pharmaceuticals hervor. Die in den USA gehandelten Papiere sprangen um 45 Prozent in die Höhe, nachdem die US-Gesundheitsbehörde FDA den Weg freigemacht hatte, um einzelne Infizierte mit dem noch nicht zugelassenen Ebola-Medikament von Tekmira zu behandeln. Auch bei der Pharmafirma BioCryst hoffen die Anleger darauf, dass ein experimentelles Medikamente im Kampf gegen die Seuche Ebola eingesetzt werden kann. BioCryst stiegen um über acht Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einer Verschärfung der Epidemie in Westafrika.

Gefragt waren auch Papiere des Grafikchip-Herstellers Nvidia, die um fast neun Prozent zulegten. Das Unternehmen hat seinen Umsatz zuletzt kräftig gesteigert und für das laufende Vierteljahr einen überraschend positiven Ausblick gegeben.

Dagegen gaben die Aktien des Spieleentwicklers Zynga 1,4 Prozent nach. Die Firma verschob einige Projekte nach hinten und senkte den Ausblick für dieses Jahr.

Die US-Kreditmärkte legten leicht zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 3/32 auf 100-24/32. Die Rendite sank auf 2,413 Prozent. Der 30-jährige Bond stieg 6/32 auf 102-27/32 und rentierte mit 3,226 Prozent. Händler sagten, dass die Staatsanleihen angesichts der geopolitischen Spannungen wie im Irak als sicherer Hafen gesucht gewesen seien.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,63 Milliarden Aktien den Besitzer. 2324 Werte legten zu, 744 gaben nach und 107 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,75 Milliarden Aktien 1872 im Plus, 818 im Minus und 119 unverändert.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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