Börse New York
US-Anleger gehen auf Tauchstation

Die Nervosität an der Wall Street ist am Donnerstag gestiegen: Anleger befürchteten das Ende des billigen Geldes. Die US-Indizes schlossen tief im Minus – doch Experten warnten vor Übertreibungen.
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New YorkDie Aussicht auf ein Ende der Notenbank-Konjunkturhilfen hat am Donnerstag die Wall Street den zweiten Tag in Folge kräftig ins Minus gedrückt. Auslöser der Kursverluste waren Äußerungen von US-Notenbankchef Ben Bernanke. Dieser hatte am Mittwochabend angekündigt, die Notenbank Fed könnte ihren extrem laxen geldpolitischen Kurs noch in diesem Jahr verlassen und ihre milliardenschweren monatlichen Anleihekäufe bis Mitte kommenden Jahres beenden.

Etliche Investoren waren überrascht von dieser ungewöhnlich deutlichen Ansage. Der Ausverkauf sei möglicherweise überzogen, könne aber anhalten. "Es ist zu früh, um zu sagen, ob nun wieder Schnäppchenjäger nach günstigen Gelegenheiten Ausschau halten oder die Schwäche andauern wird", sagte Analyst David Joy von Ameriprise Financial.

„Ben Bernanke hat letzte Zweifel daran beseitigt, dass die Märkte momentan reine Notenbankbörsen sind. Mit seinen Worten zum geordneten Rückzug in Sachen Gelddrucken hat er Investoren verunsichert und alle Anlageklassen in den Keller geschickt, allen voran Silber und Gold. Der einzige Gewinner ist der US-Dollar, eine fast paradoxe Situation, doch Anleger flüchten in die US-Währung“, sagte Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,3 Prozent schwächer mit 14.758 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gab 2,5 Prozent auf 1588 Zähler nach und verbuchte das größte Minus an einem Tag seit November 2011. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,3 Prozent auf 3364 Stellen. In Frankfurt rutschte der Dax unter die 8000-Punkte-Marke und schloss 3,3 Prozent schwächer bei 7928 Zählern.

Manche Börsianer betrachteten die Kursreaktionen aber als überzogen. "Der Markt tendiert zu Übertreibungen", sagte Art Hogan von Lazard Capital Markets. Von einer Panik unter den Anlegern sei nichts zu spüren. "Bislang ging es relativ geordnet zu - es ist eine vergleichsweise gemäßigte Verkaufswelle", erklärte Gordon Charlop von Rosenblatt Securities.

Zur trüben Stimmung an der Wall Street trugen auch schwache Konjunkturdaten aus den USA und China bei. So stieg die Zahl der wöchentlichen Anträge auf US-Arbeitslosenhilfe, und die Statistik zu den Frühindikatoren enttäuschte.

In China sank der stark beachtete HSBC-Einkaufsmanagerindex für den Industriesektor auf 48,3 (Mai: 49,2) Punkte. Damit entfernte sich der Index weiter von der Wachstumsschwelle bei 50 Zählern. Die Daten entfachten neue Ängste vor einer deutlichen Konjunkturabkühlung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

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