Börse New York
Wall Street fährt vor US-Arbeitsmarktdaten Achterbahn

Die Nervosität an der Wall Street war hoch: Am Freitag werden die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, am Donnerstag gab es schlechte Nachrichten aus der Industrie. Für Verunsicherung sorgte auch der Ölpreis.

New YorkZweifel an der Erholung der US-Wirtschaft haben am Donnerstag Anleger an der Wall Street verunsichert. Die Kurse legten erneut eine Berg- und Talfahrt hin. Auch das Auf und Ab beim Ölpreis belastete den Markt.

Der Dow-Jones-Index schloss bei 16.416 Punkten 0,49 Prozent im Plus. Im Verlauf pendelte er zwischen 16.266 und 16.485 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 1915 Zählern 0,15 Prozent höher aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,12 Prozent und schloss bei 4509 Punkten. In Frankfurt war der Dax mit 9393 Punkten und damit einem Minus von 0,44 Prozent aus dem Handel gegangen.

„Vor den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag ist die Nervosität am Markt extrem hoch“, erklärte Analyst Tobias Basse von der Nord LB. Die US-Notenbank Fed hat ihre Zinspolitik von einer Verbesserung des Jobangebots abhängig gemacht. Doch angesichts enttäuschender Daten aus der US-Industrie und dem Dienstleistungssektor häufen sich nun die Stimmen derer, die für 2016 anders als bislang nicht mehr mit weiteren Zinserhöhungen in den USA rechnen. Ursprünglich hatten Anleger nach der Zinserhöhung im Dezember - es war die erste seit der Finanzkrise 2007/2008 - mit drei bis vier weiteren Schritten gerechnet.

Eine andauernde Auftragsflaute in der US-Industrie - sie wird auch mit dem hohen Dollar-Kurs in Verbindung gebracht, der US-Waren auf dem Weltmarkt verteuert - schürt derweil die Furcht vor einem Schwächeanfall der weltgrößten Volkswirtschaft. Zudem äußerten sich US-Notenbanker skeptisch mit Blick auf weitere Zinserhöhungen. Nach dem New Yorker Fed-Chef William Dudley, der unter anderem vor gravierenden Folgen der Dollar-Stärke für die US-Konjunktur gewarnt hatte, dämpfte am Donnerstag sein Kollege Robert Kaplan aus dem Bezirk Dallas die Erwartungen: Man müsse in der Zinspolitik Geduld haben, erklärte er.

Die Kursbewegungen an der Wall Street waren ebenso hektisch und schnell wie am Ölmarkt. Dort fielen die Kontrakte auf Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI in der Spitze um 2,5 und 1,9 Prozent auf 34,15 und 31,68 Dollar je Barrel (159 Liter), ehe sie um bis zu 2,3 und vier Prozent in die Höhe schnellten. Zum europäischen Aktien-Handelsschluss lagen Brent und WTI rund ein Prozent niedriger - danach setzten sie ihre Achterbahn fort und knickten wieder um rund zwei Prozent ein.

Der Euro setzte seinen Höhenflug fort und knackte die Marke von 1,12 US-Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1207 Dollar.

Bei den Einzelwerten legten Mattel und Hasbro zu. Zum Handelsschluss lagen sie 1,67 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent im Plus. Die Agentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, beide Unternehmen verhandelten über eine Fusion.

Zu einem Einbruch kam es bei den Aktien der Modefirma Ralph Lauren und dem Einzelhändler Kohl's. Sie hatten schwache Zahlen aus dem vierten Quartal gemeldet und vor einem schwierigen Jahr 2016 gewarnt. Die Kurse beider Unternehmen gingen 22 und 19 Prozent in den Keller. Das sorgte auch für Verkäufe bei anderen Einzelhandelstiteln wie Macy's, Target und J.C. Penney die zwei bis fast fünf Prozent verloren.

Die Anteilsscheine des Baumaschinenherstellers Caterpillar legten an der Dow-Spitze um mehr als vier Prozent zu. Auf dem ersten Platz des S&P 500 schnellten die Aktien des Bergbauunternehmens Freeport-McMoRan um rund 18 Prozent nach oben. Sie profitierten insbesondere von den gestiegenen Kupferpreisen. Papiere des Aluminiumkonzerns Alcoa legten um gut 10 Prozent zu, Anteilsscheine des Stahlherstellers United States Steel zogen um rund neuneinhalb Prozent an.

Die Aktien von ConocoPhillips sackten nach der Zahlenvorlage des Ölkonzerns um gut achteinhalb Prozent ab. Der Verlust im vierten Quartal fiel größer aus als von Analysten befürchtet, nachdem der Preisverfall beim Rohöl die Geschäfte sehr stark belastet hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,208 Milliarden Aktien den Besitzer. 1950 Werte legten zu, 1087 gaben nach und 141 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,18 Milliarden Aktien 1659 im Plus, 1123 im Minus und 166 unverändert.

Die schwächeren Konjunkturdaten drückten auch auf die Renditen der US-Staatsanleihen, zumal die Anleger mit Skepsis die Arbeitsmarktdaten am Freitag erwarteten. Die zehnjährigen Papiere stiegen um 10/32 auf 103-16/32. Sie rentierten mit 1,85 Prozent nach 1,88 Prozent am Vortag. Die 30-jährigen Bonds stiegen um 20/32 auf 106-12/32 und hatten eine Rendite von 2,69 Prozent.

Agentur
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