Börse New York
Wall Street fürchtet um Trumps Wachstumspläne

Die US-Börsen sind am Donnerstag belastet von dem Streit zwischen Präsident Donald Trump und hochrangigen Managern mit Minuszeichen aus dem Handel gegangen. Auch der Anschlag in Barcelona sorgte für Druck.
  • 0

New YorkDer Streit von US-Präsident Donald Trump mit namhaften Wirtschaftslenkern hat am Donnerstag die Wall Street deutlich ins Minus gedrückt. An den Börsen wachsen die Zweifel, dass Trump seine Pläne zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums durchsetzen kann.

Auslöser war die Entscheidung des Präsidenten, zwei Beratergremien mit Konzernchefs aufzulösen. Nach Trumps umstrittenen Äußerungen zu den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia hatten sich mehrere Topmanager aus Protest daraus zurückgezogen.

Für zusätzlichen Druck auf die Kurse sorgte der Anschlag in Barcelona, wo ein Kleintransporter in eine Menschenmenge fuhr. Dabei wurden nach offiziellen Angaben zwölf Menschen getötet und mindestens 80 verletzt.

Am Markt kursierten Spekulationen, dass nun auch Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn, der als heißer Kandidat für den Spitzenposten der US-Notenbank (Fed) gehandelt wird, abtreten könnte. Sollte es dazu kommen, könnte es für den Präsidenten sehr schwer werden, seine Steuervorhaben voranzutreiben, sagte Marktstratege Art Hogan vom Handelshaus Wunderlich Securities. Kurzzeitig etwas Erleichterung zeigte sich an den New Yorker Aktienmärkten, nachdem aus Cohns Umfeld verlautete, dass dieser trotz seiner Bestürzung über Trumps Äußerungen im Amt bleiben werde.

Der Dow Jones Industrial sank am Donnerstag schloss 1,24 Prozent tiefer bei 21 750,73 Punkten auf seinem Tagestief. Dies war zugleich der niedrigste Stand seit rund drei Wochen und der höchste Tagesverlust seit dem 17. Mai 2017. Für den breiter aufgestellten S&P 500 ging es um 1,54 Prozent auf 2430,01 Punkte abwärts. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,9 Prozent auf rund 6222 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax 0,5 Prozent im Minus bei 12.203 Punkten.

Zu den Verlierern zählten Finanzwerte. „Banken hatten große Hoffnungen darauf gesetzt, dass Trump einige der Regeln und Beschränkungen, die nach der Finanzkrise von 2008 erlassen wurden, aufhebt“, erläuterte Analyst Henry Croft vom Brokerhaus Accendo. JP Morgan und Goldman Sachs etwa, die am Mittwoch bereits nachgegeben hatten, büßten bis zu 1,9 Prozent ein.

Auf den Verkaufslisten standen ferner Cisco Systems, die vier Prozent absackten. Der Netzwerkausrüster enttäuschte mit seinem Umsatzwachstum in der vielbeachteten Sicherheitssparte die Erwartungen von Experten.

Im Fokus standen zudem Wal-Mart-Aktien mit einem Kursrückgang von 1,6 Prozent. Der Einzelhandelsriese gab sinkende Gewinnspannen bekannt wegen anhaltender Preisnachlässe und Investitionen ins Internetgeschäft.

Die Aktien des Biotech-Unternehmens Biogen sackten als einer der schwächsten Nasdaq-Titel um 3,3 Prozent ab. Papiere des Pharmakonzerns Teva verloren 2,2 Prozent. Demokratische Politiker im US-Repräsentantenhaus nehmen die Preise für Multiple-Sklerose-Medikamente unter die Lupe. Im Rahmen dieser Untersuchung seien verschiedene Pharmaunternehmen um eine Stellungnahme gebeten worden, darunter auch Biogen und Teva.

Die Titel von Macy's verbilligten sich um 2,6 Prozent und fielen zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2010. Die mit dem stark wachsenden Online-Handel kämpfende Warenhauskette hatte erst vor wenigen Tagen mit einem enttäuschenden Ausblick heftige Kursverluste im Sektor ausgelöst.

Dagegen startete der chinesische Onlinehändler Alibaba mit einem Umsatz- und Gewinnsprung in das neue Geschäftsjahr und übertraf die Analystenerwartungen. Die Aktien stiegen im frühen Handel auf ein Rekordhoch von 168,00 Dollar und endeten 2,8 Prozent höher bei 163,92 Dollar.

Der Euro blieb auch im US-Handel moderat unter Druck und notierte zuletzt bei 1,1721 US-Dollar. In Europas Frühhandel war er noch zeitweise bis auf 1,1790 Dollar gestiegen.

An der New Yorker Börse wechselten rund 0,77 Milliarden Aktien den Besitzer. 527 Werte legten zu, 2396 gaben nach und 130 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,01 Milliarden Aktien 597 im Plus, 2325 im Minus und 193 unverändert.

Trumps Querelen trieben viele Anleger in die als sicherer Hafen wahrgenommenen US-Staatsanleihen. Die zehnjährigen Papiere stiegen 10/32 auf 100-17/32. Die Rendite sank auf 2,19 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 18/32 auf 99-13/32 und rentierten mit 2,78 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse New York: Wall Street fürchtet um Trumps Wachstumspläne"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%