Börse New York Wall Street gibt vor Brexit-Votum leicht nach

Die Anleger haben sich einen Tag vor dem Volksentscheid der Briten zum Verbleib in der Europäischen Union zurückgehalten. Im Fokus der Börsianer standen der Autobauer Tesla und der Softwarekonzern Adobe.
Die Spannung vor dem Brexit-Votum steigt. Quelle: AP
Händler an der Wall Street

Die Spannung vor dem Brexit-Votum steigt.

(Foto: AP)

New YorkKurz vor dem Referendum in Großbritannien über den Verbleib in der Europäischen Union haben die US-Börsen am Mittwoch leicht nachgegeben. Die Anleger agierten vorsichtig, weil sie nicht auf dem falschen Fuß erwischt werden wollten, sagten Händler.

Die Umsätze blieben gering. In Wahlumfragen zeichnet sich seit Wochen ein Patt in der über den Brexit tief gespaltenen britischen Bevölkerung ab. Viele Investoren schauen deswegen auf die Buchmacher: Der Wettanbieter Betfair ermittelte eine Wahrscheinlichkeit von 75 Prozent für einen Verbleib in der EU, was zuletzt die Börsen in Europa antrieb.

In New York schloss der Dow-Jones-Index der Standardwerte 0,3 Prozent tiefer auf 17.781 Punkten. Der breiter gefasste S&P gab um 0,2 Prozent auf 2085 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,2 Prozent auf 4833 Zähler.

Anleger haben das Warten satt

Bei den Einzelwerten standen Tesla und Adobe im Fokus. Der Elektroautobauer Tesla will für bis zu 2,8 Milliarden Dollar den Solarmodul-Hersteller Solar City übernehmen, um künftig Elektroautos, Stromspeicher und Solaranlagen aus einer Hand anbieten zu können. Aktionäre waren skeptisch, ob sich dies auszahlen wird. Die Tesla-Aktien brachen mehr als zehn Prozent ein, während die SolarCity-Papiere über drei Prozent zulegten.

Zu den Verlierern gehörten Adobe-Anteilsscheine mit einem Minus von fast sechs Prozent. Für Enttäuschung sorgte, dass der Softwarekonzern im zweiten Quartal die Erwartungen von Analysten nicht übertreffen konnte.

Ebenfalls auf den Verkaufslisten der Börsianer standen die Aktien von FedEx. Die milliardenschwere Übernahme des niederländischen Rivalen TNT Express brockte dem US-Paketdienst einen Verlust ein. FedEx-Papiere fielen mehr als vier Prozent.

Auf der Konjunkturseite sorgte der US-Immobilienmarkt erneut für positive Signale. Die Verkäufe bestehender Häuser erreichten im Mai Makler-Verband NAR zufolge den höchsten Wert seit Februar 2007.

Ein Analystenkommentar sorgte bei den Anteilseignern der Fastfood-Kette McDonald's für trübe Stimmung. Die Papiere fielen als Schlusslicht im Dow Jones um 1,64 Prozent, nachdem das japanische Investmenthaus Nomura die Kaufempfehlung gestrichen hatte.

Die laut Buchmachern hohe Wahrscheinlichkeit für einen Verbleib Großbritanniens in der EU lockte die Anleger an die europäischen Aktienmärkte: Dax und „Footsie“ schlossen mit 10.071 Punkten und 6261 Zählern je 0,6 Prozent höher. Der EuroStoxx50 gewann 0,4 Prozent.

Der Kurs des Euro pendelte um die Marke von 1,13 US-Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1296 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1283 (Dienstag: 1,1314) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8863 (0,8839) Euro gekostet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 830 Millionen Aktien den Besitzer. 1218 Werte legten zu, 1749 gaben nach und 163 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,67 Milliarden Aktien 1139 im Plus, 1649 im Minus und 184 unverändert.

Wer für den EU-Austritt kämpft und wer dagegen
Kontra Austritt: David Cameron
1 von 20

- 49, britischer Premierminister
- „Selbstzerstörung“, „Isolationismus“, „Risiko“ – die politische Führung in Großbritannien mahnt eindringlich vor einem Austritt aus der EU. Premierminister Cameron wird nicht müde, die Tragweite dieser Abstimmung zu betonen. „Dies ist auch eine Entscheidung über unseren Platz in der Welt“, so der Chef der konservativen Partei. „Darüber, wie wir die Sicherheit unseres Landes gewährleisten, wie Großbritannien Dinge in Europa und weltweit erreichen kann, statt einfach eine von anderen diktierte Welt zu akzeptieren.“

Pro Austritt: Boris Johnson
2 von 20

- 51, Bürgermeister von London von Mai 2008 bis Mai 2016 (Conservatives)
- Die Europäische Union strebe einen Superstaat an, sagte Johnson jüngst in einem Interview mit „The Sunday Telegraph“ – ähnliche Tendenzen habe es in der Vergangenheit bereits gegeben. „Napoleon, Hitler, diverse Leute haben es versucht, und es endet tragisch. Die EU ist ein Versuch, dies auf verschiedene Weisen zu tun.“

Kontra Austritt: George Osborne
3 von 20

- 45, britischer Finanzminister
- „George Osborne warnt vor Brexit“ – Schlagzeilen dieser Art gab es in den weltweiten Gazetten zuletzt häufiger zu lesen. Der britische Finanzminister gehört zu den vehementesten Befürwortern eines Verbleibs in der EU. Konjunktureinbruch und Abschwung seien wahrscheinlich, sollte Großbritannien mit „leave“ stimmen. „Das britische Volk muss sich diese Frage selbst stellen. Können wir bewusst für eine Rezession stimmen?“, so Osborne. Schließlich würde ein Votum für den Austritt einen „sofortigen und heftigen Schock“ auslösen – das britische BIP würde sich bis zum Jahr 2030 um sechs Prozent verringern.

Pro Austritt: Nigel Farage
4 von 20

- 52, UKIP-Parteichef
- Einer der Hauptakteure im Kampf gegen den Verbleib in der EU: Kaum jemand hat sich so öffentlichkeitswirksam für einen Brexit eingesetzt wie Nigel Farage. Der Chef der EU-skeptischen UKIP befindet sich seit Monaten im Wahlkampfmodus. „Ich kann die Unentschlossenen überzeugen. Ich bin die Stimme, die sie umschwenken kann.“

Kontra Austritt: Barack Obama
5 von 20

- 54, Präsident der Vereinigten Staaten
- Gemeinsam mit David Cameron hat sich Obama für einen Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen. „Großbritannien ist immer am besten, wenn es dabei hilft, ein starkes Europa zu führen“, so der US-Präsident. In einem Gastbeitrag für die Zeitung „The Telegraph“ schrieb er zudem: „Die USA und die Welt brauchen weiterhin den verstärkten Einfluss Großbritanniens – auch innerhalb der EU.“

Pro Austritt: Michael Gove
6 von 20

- 48, seit 2015 Justizminister (Conservatives)
- „Ich denke, unser Land wäre außerhalb der Europäischen Union freier, fairer und besser. Der Euro hat eine wirtschaftliche Krise ausgelöst, Regulierung zu massenhafter Arbeitslosigkeit geführt. Die EU-Migrationspolitik hat Menschenhändler ermutigt und verzweifelte Flüchtlinge an unsere Grenzen gebracht.“

Kontra Austritt: Sadiq Khan
7 von 20

- 45, neuer Londoner Bürgermeister
- Kurz nach seinem Amtsantritt erklärte Sadiq Khan, er wolle Premier David Cameron durch aktiven Wahlkampf für einen Verbleib in der EU unterstützen. „Hier in London sehe ich mehr als eine halbe Million Jobs, die direkt von der EU abhängen“, so der neue Bürgermeister der Hauptstadt.

Die US-Kreditmärkte waren vor dem Brexit-Votum als sicherer Hafen gefragt und legten leicht zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 4/32 auf 99-15/32. Die Rendite sank auf 1,6817 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1/32 auf 100-3/32 und rentierte mit 2,4955 Prozent.

  • rtr
  • dpa
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