Börse New York
Wall Street im griechischen Abwärtssog

Zwischen Athen und New York liegen zwei ganze Meere. Und doch hat der sich zuspitzende Schuldenstreit mit Hellas eine solch lähmende Wirkung auf die US-Börsen. Dow Jones und Co büßen moderat ein.
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New York Das Hin und Her im griechischen Schuldenstreit hat am Freitag auch die Anleger an der Wall Street verunsichert. "Für Investoren ergibt sich mittlerweile ein recht chaotisches Bild", sagte Sarah Brylewski, Finanzmarkt-Expertin des Brokerhauses Ayondo. "Förmlich im Halbstundentakt hat irgendjemand mit irgendeinem Griechen gesprochen und verkündet wechselweise Durchbruch, Abbruch oder Aufschub."

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte die Verhandlungen mit Griechenland über weitere Finanzhilfen am Donnerstagabend überraschend abgebrochen und dies mit "großen Differenzen" begründet. Die griechische Regierung sah sich am Freitag dagegen einer Einigung "näher als je zuvor" und kündigte für Samstag kurzfristig neue Gespräche in Brüssel an. Allerdings diskutierten die Euro-Staaten Insidern zufolge erstmals auch in formeller Runde über die Auswirkungen einer möglichen Pleite Griechenlands.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,8 Prozent tiefer auf 17.898 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 0,7 Prozent auf 2094 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,6 Prozent auf 5051 Punkte nach. Im Wochenvergleich ergibt sich für den Dow ein Plus von 0,3 Prozent, für den S&P ein Aufschlag von rund 0,1 Prozent und für die Nasdaq ein Minus von 0,3 Prozent.


Auf Unternehmensseite im Blickpunkt stand Twitter. Die Anleger begrüßten den Rücktritt von Vorstandschef Dick Costolo. Ihm war es in seinen fast fünf Jahren an der Spitze des Kurnachrichtendienstes nicht gelungen, die Wachstumsraten von Konkurrenten wie Facebook, Instagram und Snapchat zu erreichen. Die Twitter-Aktie legte gegen den allgemeinen Markttrend 0,2 Prozent zu.

Fusionsspekulationen trieben die Aktie der Deutsche-Telekom -Tochter T-Mobile US 2,3 Prozent in die Höhe. Die Hinweise auf einen Zusammenschluss mit dem US-Bezahlfernsehanbieter Dish verdichteten sich. Insidern zufolge führt Dish Gespräche mit Banken über Kredite von bis zu 15 Milliarden Dollar, um den Baranteil einer Offerte zu stemmen.

Die Stimmung der US-Verbraucher besserte sich im Juni überraschend deutlich. Das Barometer für die Konsumlaune legte auf 94,6 Zähler von 90,7 Punkten im Mai zu. Experten hatten lediglich mit einem Anstieg auf 91,5 Zähler gerechnet.

In Frankfurt verabschiedete sich der deutsche Leitindex Dax mit einem Minus von 1,2 Prozent bei 11.196,49 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 verlor 1,4 Prozent auf 3.502,77 Zähler.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 660 Millionen Aktien den Besitzer. 1075 Werte legten zu, 1945 gaben nach und 159 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1.42 Milliarden Aktien 1146 im Plus, 1586 im Minus und 158 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten leicht zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 1/32 auf 97-24/32. Die Rendite sank auf 2,381 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 5/32 auf 98-4/32 und rentierte mit 3,097 Prozent. Die Bonds seien angesichts des Hellas-Dramas weiter als sicherer Hafen gefragt gewesen, sagten Händler.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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