Börse New York Wall Street schließt nach heftigen Schwankungen höher

Die Einigung im US-Haushaltsstreit beruhigt die amerikanischen Börsen. Auf Wochensicht gab es dennoch die größten Verluste seit mehr als zwei Jahren.
Update: 09.02.2018 - 22:41 Uhr Kommentieren
Die Börsianer New Yorks verfolgen genau, was auf den Kurstafeln los ist. Quelle: AFP
Gebannte Blicke

Die Börsianer New Yorks verfolgen genau, was auf den Kurstafeln los ist.

(Foto: AFP)

New YorkDie US-Börsen sind am Freitag nach heftiger Berg- und Talfahrt stärker aus dem Handel gegangen. Der Dow Jones Index gewann 330,44 Punkte auf 24.190,90. Der breiter gefasste S&P-500 legte 38,55 auf 2619,55 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq endete 1,44 Prozent höher bei 6874,49 Punkten. Am Freitagvormittag hatte das US-Repräsentantenhaus einen überparteilichen Haushaltsentwurf verabschiedet und damit die US-Haushaltssperre beendet. Das könnte der Grund für die temporäre Beruhigung gewesen sein, schätzen Händler.

Auf Wochensicht legten die Indizes die größten Verluste seit mehr als zwei Jahren hin. Die Talsohle habe die US-Börse aber noch nicht durchschritten, sagte Peter Cardillo, Chef-Volkswirt des Brokerhauses First Standard Financial. Dabei hatten die amerikanischen Börsen in den vergangenen Tagen schon stark verloren. Gestern hatte der Dow-Jones mit einem Minus von 4,2 Prozent geschlossen. Das war sein zweitgrößter Verlust aller Zeiten. Größer war nur noch der Sturz am Montag mit einem Minus von 1.175 Zählern.

„Vor ein paar Tagen dachte ich, wir hätten den Boden fast erreicht“, resümiert Anlageexperte Bucky Hellwig vom Finanzhaus BB&T Wealth Management. Anscheinend folge aber auf jede Erholung wieder ein Rückgang. Analysten und Händler gehen davon aus, dass inzwischen eine größere Korrektur eingesetzt haben könnte – nach neun Jahren Aufwärtstrend an der Wall Street erleben die Börsen die erste Korrektur von mehr als zehn Prozent. Angetrieben wurde diese Rally durch die Geldschwemme der Notenbank nach der Finanzkrise von 2008, die nach Auffassung vieler Anleger nun zu versiegen droht.

Auslöser für den weltweiten Ausverkauf sind Befürchtungen, dass vor allem in den USA die Zinsen schneller steigen als bislang gedacht. Die Wirtschaft dort brummt, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig und die Löhne wuchsen zuletzt so stark wie seit Jahren nicht mehr. „Mehr und mehr wird deutlich, dass die Notenbanken weltweit ihre Geldpolitik in Richtung Straffung ändern werden“, so Analyst Dirk Gojny von der National-Bank. Angeheizt worden seien die Spekulationen von der Bank of England, die trotz der Brexit-Risiken für die britische Wirtschaft die Zinsen schneller anheben will.

Wie bereits Anfang der Woche gab es auch am Donnerstag keinen konkreten Auslöser für den Kursrutsch. Einige Investoren halten nach wie vor die Sorge vor einer strengeren Geldpolitik für den Treiber. „Die Angst vor steigenden Zinsen hält die Börsen weiterhin im Würgegriff“, kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners die zweite heftige Talfahrt an der Wall Street in dieser Woche. Zu Wochenbeginn war der US-Leitindex um 4,60 Prozent eingebrochen, zeitweise sogar um sechs Prozent oder fast 1600 Punkte. „Die Aktienmärkte waren massiv überbewertet. Investoren haben nur nach einem Grund gesucht, um zu verkaufen“, gibt Dan Alpert, Mitgründer der Investmentbank Westwood Capital, zu bedenken. „Sie haben erkannt, dass die Lage einfach zu unsicher war, um ewigen Optimismus zu rechtfertigen.“

Doch niemand weiß, wie es an den Märkten weitergehen wird. Die vergangenen Monate waren von minimaler Volatilität geprägt. Nun sind die Kursschwankungen mit ungewohnter Härte zurückgekehrt. Diese Phase könnte sich in den kommenden Tagen wieder beruhigen oder noch wochenlang andauern, warnt Frank Cappelleri, Aktienhändler der Nomura-Tochter Instinet, im „Wall Street Journal“.

Der Volatilitätsindex VIX, der gern als Angstbarometer der Finanzwelt bezeichnet wird, schoss am Donnerstag erneut in die Höhe. Im frühen Handel fiel er zunächst unter die Marke von 25 Zählern, am Nachmittag lag er dann bei 34. Immerhin durchbrach er nicht – wie am Montag – die Marke von 50. Doch er ist ein Indikator dafür, dass die Verunsicherung anhalten wird.

Gegen den Abwärtstrend an der Wall Street gewannen die Papiere des Grafikchip-Anbieters NVidia dank überraschend starker Zahlen knapp zwei Prozent.

Steil nach unten ging es dagegen für Expedia. Der Online-Reiseanbieter wurde abgestraft für die Prognose, dass seine Kosten dieses Jahr schneller steigen werden als der Umsatz. Die Papiere verloren 19 Prozent.

Mit Abschlägen von 2,6 und 1,7 Prozent kamen UPS und FedEx im Vergleich noch glimpflich davon. Dem „Wall Street Journal“ zufolge will der Online-Händler Amazon einen eigenen Paketdienst aufbauen. „Für die anderen ist dieser Plan doppelt schlecht“, sagte ein Börsianer. „Denen fällt nicht nur ein Großkunde weg, ihnen erwächst auch noch ein direkter Konkurrent.“ Amazon-Titel verloren 0,81 Prozent.

Die Papiere von NVidia gewannen dank überraschend starker Zahlen sogar 7,9 Prozent. Der Grafikchip-Anbieter verdoppelte den Reingewinn im abgelaufenen Quartal auf 1,12 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs um 34 Prozent auf 2,91 Milliarden Dollar. Für das laufende Vierteljahr stellte das Unternehmen Erlöse von etwa 2,9 Milliarden Dollar in Aussicht.

Im Sog der Aktienmärkte verbilligte sich Rohöl um rund dreieinhalb Prozent. US-Rohöl rutschte erstmals seit Dezember unter die Marke von 60 Dollar je Barrel und kostete zuletzt 58,88 Dollar.

  • rtr
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