Börse New York

Wall Street verliert heftig

Der Börsencrash zieht um den Globus. An den US-Börsen stiegen die Kursverluste im Verlauf immer weiter. Die Amerikaner sorgen sich vor allem, dass der Dollar zu stark werden könnte.
Update: 24.06.2016 - 22:48 Uhr
Das Votum für den Brexit sorgt für einen turbulenten Börsentag. Quelle: AP
Händler in New York

Das Votum für den Brexit sorgt für einen turbulenten Börsentag.

(Foto: AP)

New YorkDie US-Börse hat am Freitag mit einem deutlichen Einbruch auf den Brexit reagiert, der Dow Jones lag zum Schluss um 3,4 Prozent tiefer bei 17.400. Der breiter gefasste S&P gab um 3,6 Prozent auf 2037 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 4,1 Prozent auf 4708 Zähler. Von den europäischen und japanischen Abschlägen um die acht Prozent blieben die Amerikaner aber verschont. Viele Investoren, etwa die Vermögensverwaltung Neuberger Berman, rieten Investoren dazu, sich nicht irritieren zu lassen und sich auch auf Kauf-Chancen vorzubereiten.

Das Geschehen an der Börse lief normal ab, auch wenn die Enttäuschung zu spüren war. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sprach von „möglichen Marktschwankungen in den nächsten Wochen“ und versprach seinen Kunde Hilfe, damit klarzukommen.

Das sind die größten Kursverlierer

PERSIMMON PLC REGISTERED SHARES LS -,10

WKN
ISIN
GB0006825383
Börse
L&S

-0,43 -1,42%
+29,27€
Chart von PERSIMMON PLC REGISTERED SHARES LS -,10
Persimmon
1 von 14

Unter den 100 Titeln im Londoner Leitindex FTSE100 erwischte es Persimmon am ärgsten. Der größte Haus- und Wohnungsbauer der Insel verlor bis zu mehr als 30 Prozent seines Börsenwertes. Schuld an den massiven Einbußen, die die gesamte Branche überziehen, ist der drohende Einbruch der Immobilien in London und anderen Teilen Großbritanniens. Insgesamt rutschte der Branchenindex 16 Prozent ab, während der Footsie sieben Prozent in die Tiefe fiel.

TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01

WKN
ISIN
GB0008782301
Börse
L&S

-0,03 -1,38%
+2,23€
Chart von TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01
Taylor Wimpey
2 von 14

Nur knapp dahinter folgte die Nummer zwei der Branche, Taylor Wimpey. Vor allem Eigenheimbauer, die auf hochpreisige Immobilien und auf Objekte im Großraum London setzten, würden unter der Entscheidung der Briten zum Ausstieg aus der EU am stärksten leiden, schrieben die Analysten von der Investmentbank Liberum. Doch es traf nicht nur die zweite Reihe der Branche wie Redrow oder Bovis Homes, sondern auch die Platzhirsche Persimmon, Taylor Wimpey und Barratt.

INTERNAT. CONS. AIRL. GROUP SA ACCIONES NOM. EO -,50

WKN
ISIN
ES0177542018
Börse
L&S

-0,02 -0,32%
+7,44€
Chart von INTERNAT. CONS. AIRL. GROUP SA ACCIONES NOM. EO -,50
International Consolidated Airlines Group
3 von 14

Im nicht weniger tiefroten Bereich hinter den Häuslebauern fand sich International Consolidated Airlines wieder. Der in London gelistete spanische Mutterkonzern der British Airways verlor ein knappes Fünftel seines Börsenwertes. Obwohl mit den Airlines Iberia und Vueling sowie der irischen Aer Lingus international aufgestellt, nehmen die Spanier ihre Gewinnprognose zurück. Zwar werde weiterhin mit einem Ergebnisplus für das laufende Geschäftsjahr gerechnet, doch dieses werde wegen des Brexit geringer ausfallen als bisher in Aussicht gestellt.

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

-0,02 -0,07%
+29,68€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Lufthansa
4 von 14

Im Abwärtssog der IAG gehört die Deutsche Lufthansa zu den größten Verlierern im Dax. Die Folgen des Austritts Großbritanniens aus der EU sind für die Lufthansa nach Aussagen von Konzernchef Carsten Spohr aber überschaubar. Als Europäer sei er enttäuscht, sagte Spohr. „Für uns als größter europäischer Luftfahrtkonzern sind die Auswirkungen mit einem Anteil von fünf Prozent am Gesamtumsatz beherrschbar.“ Trotz der Beschwichtigungen gingen die Anleger im hitzigen Marktumfeld lieber auf Nummer sicher. Die Kranichlinie verlor mehr als zehn Prozent.

TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01

WKN
ISIN
GB0008782301
Börse
L&S

-0,03 -1,38%
+2,23€
Chart von TAYLOR WIMPEY PLC REGISTERED SHARES LS -,01
Lloyds Banking Group
5 von 14

Ganz knapp hinter Baulöwen und Airlines rangierte der erste Vertreter der Branche, die heute wie keine andere im Fokus stand: Die Finanzindustrie. Zeitweise verloren selbst die größten Institute des Landes nahezu ein Viertel ihres Börsenwertes. So lief die Lloyds Banking Group am Nachmittag immer noch ganze 20 Prozent unter Vortagsniveau. “Völlig unklar ist, welche Bank in welchem Ausmaß von den ebenfalls noch unklaren mittelfristigen Auswirkungen des Brexit betroffen sein wird“, schrieben die Analysten der DZ Bank in einem Kurzkommentar.

ROYAL BK OF SCOTLD GRP PLC,THE REGISTERED SHARES LS 1

WKN
ISIN
GB00B7T77214
Börse
L&S

-0,05 -1,57%
+3,38€
Chart von ROYAL BK OF SCOTLD GRP PLC,THE REGISTERED SHARES LS 1
Royal Bank of Scotland
6 von 14

Die Royal Bank of Scotland befand sich über weite Strecken des Handels im freien Fall. Aktionäre zeigten sich bei den Geldinstituten im Brexit-Schock. Firmen aus der Finanzbranche hängen besonders von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Experten erwarten wegen des Brexit nun eine Rezession in Großbritannien und eine zumindest kurzzeitige Abschwächung der Konjunktur in der EU. „Insgesamt dürfte sich das Geschäftsumfeld für Banken verschlechtern“, schrieben die DZ-Bank-Analysten. Dies führe zu einer schlechteren Kreditqualität und höheren Risikokosten. Zudem sei noch völlig unklar, welche Kosten etwa durch die Verlagerung von Geschäften auf bestimmte Banken zukämen und welche offenen Währungspositionen eventuell tiefe Löcher in die Bilanzen reißen könnten.

Unicredito

WKN
ISIN
IT0004781412
Börse
P1006

Chart von Unicredito
Unicredit
7 von 14

Aus denselben Gründen brachen überall in Europa die Kurse von Banken in einem Maße ein, wie man es von Bluechips nicht gewohnt ist. Die größten zehn Verlierer im gemeinsamen Leitindex der europäischen Währungsunion, dem Euro-Stoxx-50, kamen aus diesem Sektor. Der europäische Bankenindex gab bis zu 17,4 Prozent nach. Die italienische Großbank Unicredit etwa stürzte um 21 Prozent und fand sich auf einem Rekordtief wieder. Ganz vorne mit dabei: Spanische Werte. Sowohl die Banco Santander, als auch Bilbao Vizcaya verbrannten ein Fünftel ihrer Marktkapitalisierung. Die iberischen Papiere zusätzlich belasteten die schwierigen Neuwahlen in Spanien am Wochenende.

Bei US-Ökonomen überwiegt die Sorge, in Folge des Brexit könnte ein hartnäckig hoher Dollar die US-Wirtschaft unter Druck sitzen. Torsten Slok von der Deutschen Bank sieht dennoch zurzeit noch keine akute Rezessions-Gefahr. Klar ist aber, dass die US-Notenbank (Fed) sich bis auf weiteres mit Zinserhöhungen extrem schwer zu tun wird. Fed-Chefin Janet Yellen hatte den Brexit sehr deutlich auch als ein Risiko für die US-Wirtschaft bezeichnet.

Außerdem hat sie unabhängig davon anklingen lassen, dass der so genannte neutrale Zinssatz in den USA auf Dauer niedrig bleiben könnte; das bedeutet, dass die Fed ohnehin kaum Spielraum hat, die Zinsen zu erhöhen, ohne damit schon die US-Konjunktur negativ zu beeinflussen. Aktuell zum Brexit verwies die Fed darauf, sie habe ohnehin große Swap-Linien mit Großbritannien und der Euro-Zone vereinbart. Daher sei es jederzeit möglich die Dollar-Liquidität in Europa sicherzustellen.

Die schwärzesten Tage der Börsengeschichte
19. Oktober 1987 – der „Schwarze Montag”
1 von 8

Am „Schwarzen Montag” brach der US-Standardwerte-Index Dow Jones um 22,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seiner Geschichte. Die Panikverkäufe breiteten sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Der Tokioter Leitindex Nikkei rauschte nach dem Crash an den US-Börsen um knapp 15 Prozent in die Tiefe. Der Londoner Auswahlindex FTSE verbuchte mit knapp elf Prozent lediglich den zweitgrößten Tagesverlust seiner Geschichte. Tags darauf beschleunigte er jedoch seine Talfahrt und verlor gut zwölf Prozent.

16. Oktober 1989 – der Dax-Absturz
2 von 8

Der deutsche Leitindex Dax, der erst 1988 aus der Taufe gehoben wurde, fiel um rund 13 Prozent und folgte damit der Wall Street, wo Finanzierungsschwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten. Für den Dax ist das der erste und der größte Crash seiner Geschichte.

23. Mai 1995 – die Asien-Krise
3 von 8

Nicht nur die Jahre 2015 und 2016 machten China für Aktienabstürze bekannt. Den ersten größeren Crash gab es vor rund 11 Jahren: Die Furcht vor Eingriffen der Regierung in den chinesischen Aktienmarkt ließ den Shanghai-Composite Index um 16,4 Prozent abstürzen.

6. Oktober 2008 – das Lehman-Beben
4 von 8

Kurz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wurde die Unsicherheit an den Aktienmärkten immer größer. Der italienische Leitindex verbuchte mit einem Abschlag von mehr als acht Prozent seinen größten Tagesverlust, der Leitindex der portugiesischen Börse gab knapp zehn Prozent nach. Der EuroStoxx50 fiel um acht Prozent. An der Wall Street ging es ebenfalls bergab, allerdings nicht ganz so stark: Der Dow-Jones-Index gab 3,6 Prozent nach. Auch für den Dax ging es kräftig bergab. Der Dax schloss mit einem Minus von 7,1 Prozent auf 5387 Punkten.

3. August 2015 – die griechische Tragödie
5 von 8

Die Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern haben im Sommer 2015 für ein Kursbeben an der Börse des Landes gesorgt. Zuvor wurden die Märkte geschlossen, um Kapitalmarkt-Turbulenzen zu verhindern. Allerdings blieb der Erfolg überschaubar: Am ersten Tag nach der fünfwöchigen Zwangspause stürzte die Athener Börse ins Bodenlose. Der Leitindex verbuchte mit einem Minus von 16 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte.

24. August 2015 – ein neuer China-Crash
6 von 8

Bereits im Sommer 2015 sorgte China für Panik unter den Anlegern weltweit. Angesichts der Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in der Volksrepublik rutschten die Börsen rund um den Globus immer weiter ab. Der Shanghai Composite Index brach um 8,5 Prozent ein. Der Dax verlor in der Spitze 7,8 Prozent auf 9338 Punkte. An der Wall Street stürzt der Dow-Jones-Index zeitweise um 6,6 Prozent und der Nasdaq-Composite sogar um bis zu 8,8 Prozent ab.

07. Januar 2016 – und wieder ein Drachen-Kursbeben
7 von 8

Die neuerliche Abwertung der chinesischen Landeswährung lässt die Aktienbörsen in der Volksrepublik wanken. Am 7. Januar wurde der Handel an der chinesischen Börse das zweite Mal binnen weniger Tage per Notbremse gestoppt, nachdem die Leitindizes um sieben Prozent absackten. Die Sitzung dauerte weniger als eine halbe Stunde und war damit der kürzeste Börsentag in Chinas Geschichte. Der Dax rauscht das erste Mal seit Oktober wieder unter die 10.000-Punkte-Marke und gibt zeitweise knapp vier Prozent nach.

An Der Wall Street gerieten vor allem Unternehmen mit einem großen Geschäft in Europa unter die Räder. Vor allem die Titel der in London tätigen US-Banken wie Citigroup, Bank of America, JP Morgan und Goldman Sachs brachen um bis zu acht Prozent ein.

Auch Aktien des Elektronikkonzerns Apple, der zuletzt mehr als ein Fünftel seines Umsatzes in Europa erzielte, verloren mehr als 2,5 Prozent. Die Papiere von Facebook fielen um drei Prozent. 

Aus der US-Politik kamen gemischte, aber bisher unaufgeregte Reaktionen. US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump sieht durch den Brexit Aufwind für sich selber. „Die Leute wollen ihr Land zurück und Geld zurück. Das wird mehr und mehr passieren“, sagte er, als er einen Golfplatz in Schottland eröffnete. US-Finanzminister Jack Lew sagte, die Regierung „respektiere“ die Entscheidung der Briten und werde mit ihnen zusammenarbeiten, um „Stabilität, Sicherheit und Wohlstand in Europa und darüber hinaus“, zu sichern.

Der Politik-Experte Ian Brenner sorgt sich aber wegen der langfristigen politischen Konsequenzen des Brexit. Er befürchtet eine größere geostrategische Instabilität. US-Investoren, etwa der bekannte Fondsmanager Michael Hasenstab, hatten im Vorfeld auch die Befürchtung geäußert, der Brexit könne zu einer politischen Ansteckung in der Euro-Zone führen und sie destabilisieren.

  • rtr
Startseite

Mehr zu: Börse New York - Wall Street verliert heftig

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%