Börse New York Yellen-Rede gibt der Wall Street Auftrieb

Mit Spannung hatten US-Anleger die Rede der Fed-Chefin Janet Yellen erwartet. Sie erklärte, die Notenbank werde bei Zinserhöhungen behutsam vorgehen – und gab der Wall Street Auftrieb. Auch die Ölpreise erholten sich.
Update: 29.03.2016 - 23:42 Uhr

Anleger reagieren auf Yellens Worte

New YorkUS-Notenbankchefin Janet Yellen hat mit moderaten Äußerungen zur Geldpolitik der Wall Street am Dienstag Auftrieb gegeben. Anleger werteten ihren Auftritt als Signal, dass die Fed weitere Zinserhöhungen nicht forcieren wird. Yellen verwies auf einer Veranstaltung in New York auf Risiken für die Weltwirtschaft. Sie nannte es daher angemessen, dass die Zentralbank weiter „vorsichtig“ vorgehen werde. Dies sorgte auch für Kursgewinne des Euro zum Dollar, US-Staatsanleihen legten zu. Die Ölpreise erholten sich zeitweise etwas von ihren Verlusten.

„Den Märkten gefällt, was sie da hören“, sagte Marktökonom Peter Cardillo vom Finanzhaus First Standard Financial. Yellen habe Spekulationen über einen aggressiveren Kurs der Fed besänftigt. Zuletzt hatten einige Notenbanker sich dafür ausgesprochen, die Zinsen mehr als nur ein Mal in diesem Jahr anzuheben.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,6 Prozent höher bei 17.633 Punkten, nachdem er vor Yellens Rede leicht im Minus gelegen hatte. Der breiter gefasste S&P-500 stieg 0,9 Prozent auf ein Jahreshoch von 2055 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,7 Prozent auf knapp 4847 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax 0,4 Prozent höher mit knapp 9888 Punkten.

An der Wall Street standen Apple-Aktien im Blick, die 2,4 Prozent gewannen. Die US-Regierung zieht im Streit um die Entschlüsselung eines iPhones ihre Klage zurück. Denn sie hat nach eigener Auskunft das Smartphone eines islamistischen Attentäters nun doch ohne Hilfe des Unternehmens geknackt.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Zu den Verlierern zählten Bankenwerte. Sie gerieten nach Yellens Äußerungen unter Druck, weil Zinserhöhungen der Branche helfen würden. Bank of America -Papiere sanken 1,5 Prozent, Wells Fargo -Titel 1,3 Prozent und JPMorgan -Aktien 0,6 Prozent.

Der Kurs von SunEdison -Anteilsscheinen brach um 55 Prozent ein. Der US-Solaranlagenhersteller steht nach Angaben seiner Tochter TerraForm Global möglicherweise kurz vor der Pleite.

An der New Yorker Börse wechselten rund 970 Millionen Aktien den Besitzer. 2448 Werte legten zu, 594 gaben nach und 116 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,78 Milliarden Aktien 2109 im Plus, 735 im Minus und 129 unverändert.

Auch an den US-Kreditmärkten lösten Yellens Bemerkungen Käufe aus. So stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 20/32 auf 98-13/32. Sie rentierten mit 1,80 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 29/32 auf 97-31/32 und hatten eine Rendite von knapp 2,6 Prozent.

  • rtr
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