Börse New York
Zurückhaltung an der Wall Street

Zwei Tage vor der Anhörung des geschassten FBI-Chefs James Comey ist die Nervosität an der Wall Street gestiegen. Investoren griffen dafür verstärkt beim Gold zu und trieben den Preis der „Antikrisen-Währung“ nach oben.
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New YorkVor einer mit Spannung erwarteten Aussage des früheren FBI-Chefs haben sich Anleger an der Wall Street am Dienstag zurückgehalten. Die wichtigsten Indizes beendeten den Tag mit Verlusten. James Comey hatte die Ermittlungen in der Russland-Affäre geleitet und wurde im Mai von Präsident Donald Trump gefeuert.

Anleger befürchten offensichtlich, dass seine Aussage vor einem Senatsausschuss am Donnerstag Trumps Rückhalt im Kongress schwinden lassen könnte. Damit stünden die Pläne des Republikaners für eine Gesundheits- und Steuerreform infrage. Ebenfalls am Donnerstag wählen die Briten ein neues Parlament. Zudem kommen die Mitglieder des Rates der Europäischen Zentralbank zusammen, um über die weitere Geldpolitik zu entscheiden. Wegen der drei Großereignisse sprach ein Analyst der BayernLB von einem „Super-Donnerstag“.

Der Dow Jones fiel um 0,2 Prozent auf 21.136 Punkte und der S&P 500 um 0,3 Prozent auf 2429 Zähler. Der Nasdaq-Index gab um 0,3 Prozent auf 6275 Stellen nach. In Frankfurt war der Dax mit einem Verlust von gut einem Prozent aus dem Tag gegangen.

Im S&P 500 gehörten die Aktien des Pharmaherstellers Valeant mit plus 1,78 Prozent zu den Gewinnern. Kreisen zufolge ist der deutsche Medizintechnik-Hersteller Carl Zeiss Meditec am Augenchirurgie-Geschäft von Valeant interessiert. Das Volumen der Transaktion könnte bei rund zwei Milliarden US-Dollar liegen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Materie vertraute Personen. Noch gebe es aber keine Entscheidung. Zudem könnte es weitere Bieter für die Sparte geben.

Dagegen sanken die Titel des Arzneimittelherstellers Perrigo um 2,01 Prozent. Mit Konzernchef John Hendrickson verließ nun der zweite hochrangige Manager nach Finanzchefin Judy Brown das Unternehmen, seit der Investor Starboard Value gegen Ende 2016 eingestiegen war.

Aktien von Michaels gaben um 8,4 Prozent nach. Der Anbieter von Wohnaccessoires hatte seine Prognose zusammengestrichen. Auch andere Einzelhandelsunternehmen mussten Kursverluste verbuchen. Auslöser war der Tweet eines CNBC-Reporters, demzufolge der Macy's-Finanzchef vor einem Rückgang der Gewinnmarge warnte. Macy's fielen um mehr als acht Prozent. Für den Konkurrenten Nordstrom ging es um 3,6 Prozent bergab.

Derweil setzten die Aktien mehrerer Technologie-Größen ihre Rekordjagd fort. Die Titel des Elektroautobauers Tesla gehörten zu den Favoriten der Anleger im Nasdaq 100: Nach einem Anstieg bis auf 359,49 Dollar gewannen sie am Ende 1,59 Prozent auf 352,85 Dollar. Das Analysehaus Pacific Crest bleibt weiter positiv gestimmt und hob das Kursziel auf 439 Dollar an. Damit sehen die Experten immer noch ein Kurspotenzial von 22 Prozent gegenüber der aktuellen Bestmarke.

Beim Streamingdienst Netflix stand nach einer Bestmarke bei 166,82 Dollar ein Kursplus von 0,07 Prozent auf 165,17 Dollar zu Buche. Die US-Investmentbank Cantor Fitzgerald hatte ihr Kursziel von 165 auf 190 US-Dollar angehoben und blieb bei der Einstufung „Overweight“.

Dagegen zollten die beiden Schwergewichte Amazon und Alphabet ihrem Höhenflug Tribut, der ihre Börsenkurse jüngst erstmals in den vierstelligen Bereich geschoben hatte. Nach Rekordhochs bei 1016,50 beziehungsweise 1008,61 Dollar gaben die Aktien des Online-Händlers und des Google-Mutterkonzerns nach.

Auch im Mittelpunkt standen die Aktien des weltgrößten Einzelhändlers Wal-Mart Stores, der sich einer Offensive von Amazon.com ausgesetzt sieht. Der Onlinekonzern kündigte an, seine Prime-Mitgliedschaft für arme Amerikaner günstiger anzubieten. Damit zielt er direkt auf eine wichtige Kundengruppe von Wal-Mart. Die Aktien des Supermarktbetreibers fielen um 1,7 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 834 Millionen Aktien den Besitzer. 1332 Werte legten zu, 1584 gaben nach, und 170 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,88 Milliarden Aktien 1089 Werte im Plus, 1769 im Minus und 227 unverändert.

Während Investoren mit Blick auf den Donnerstag um Aktien eher einen Bogen machten, waren mutmaßlich sichere Anlagen gefragt. Auch wegen der Spannungen um das Golfemirat Katar verteuerte sich Gold um mehr als ein Prozent.

Auch Staatsanleihen waren gefragt. So verteuerten sich die zehnjährigen US-Papiere um 10/32 auf 102-02/32 und rentierten mit 2,14 Prozent. Bei den Papieren mit einer 30-jährigen Laufzeit betrug das Plus sogar 20/32 auf 103-26/32. Die Rendite fiel auf 2,81 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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