Börse Schanghai

Das chinesische Kursbeben geht weiter

Die Börse Schanghai ist am Montag um 8,5 Prozent eingebrochen - der heftigste Kurssturz seit 2007. Anleger befürchten einen Schwächeanfall der chinesischen Konjunktur. Markteingriffe der Regierung helfen wenig.
18 Kommentare

China zieht Dax nach unten: Angst um eine Blase wächst

SchanghaiDie chinesische Regierung hat es versucht. Mit massiven Eingriffen in den Börsen- und Bankensektor wollte sie einen weiteren Kursrutsch auf den chinesischen Aktienmärkten verhindern. Offenbar vergeblich. Denn die Börse in Schanghai ist am Montag um 8,5 Prozent eingebrochen auf 3.726 Punkte. Das ist der heftigste Kurssturz innerhalb eines Tages seit 2007. Auf jede Aktie, die im Verlauf des Tages gestiegen war, kamen 75 Anteilsscheine, deren Kurse in den Keller gingen. Auch der Leitindex an der zweitgrößten chinesischen Börse in Shenzen schloss mehr als acht Prozent tiefer.

Andere asiatische Finanzmärkte steuerten ebenfalls ins Minus: Der japanische Nikkei verlor 0,7 Prozent , der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,8 Prozent. Auch die Börsen in Europa drehten im Sog der asiatischen Turbulenzen ins Negative. In der ersten Stunde nach seiner Eröffnung verlor der Dax mehr als einen Prozent.

Für Verunsicherung sorgte Chinas Konjunktur. Die Anleger haben Angst vor einem wirtschaftlichen Schwächeanfall der Volksrepublik. Dafür spricht, dass der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging. Außerdem hatte am Freitag der Markit-Einkaufsmanagerindex gezeigt, dass Chinas Industrie im Juli so stark geschrumpft ist wie seit 15 Monaten nicht mehr.

Nach Ansicht von Börsenexperten setzen zudem Spekulationen auf eine baldige US-Zinswende Chinas Märkten zu. Die Aussicht auf eine höhere Verzinsung in den USA macht Anlagen im Dollar-Raum für viele Investoren wieder attraktiver.

Nach einer Hausse in der ersten Jahreshälfte sind die chinesischen Börsen von Mitte Juni bis Anfang Juli 2015 um rund ein Drittel eingebrochen. Die Regierung hatte daraufhin ein Konjunkturprogramm aufgelegt sowie Handelsbeschränkungen verhängt, um den Ausverkauf zu stoppen. So wurden zum Beispiel Großinvestoren dazu verpflichtet, ihre Aktienpakete an chinesischen Unternehmen ein halbes Jahr lang zu halten. Die Aktien von 1.400 chinesischen Unternehmen wurden vom Handel ausgenommen. Auch Börsengänge wurden verschoben.

In den vergangenen drei Wochen schien es so, als hätten die Maßnahmen Erfolg: Die chinesischen Börsen erholten sich. Nachdem der Leitindex auf ein Tief von 3.373 Punkten gesunken war, legte der Leitindex binnen weniger Wochen beinahe 1.000 Punkte zu und kletterte in der vergangenen Woche auf 4.317 Punkte. Doch die Rally war offenbar nicht von Dauer.

„Der heutige Kurssturz hat die Stimmung der Anleger deutlich abgekühlt”, kommentiert Mari Oshidari, Analystin bei Okasan Securities in Hongkong. „Er hat außerdem gezeigt, dass die chinesischen Aktienmärkte ohne die Unterstützung der Regierung viel zu fragil sind.”

Der Sturz des Drachen
27. Juli
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Auch im Juli müssen Chinas Anleger einen neuen Kurssturz verdauen. Die Börse Schanghai bricht um 8,5 Prozent ein auf 3.726 Punkte. Das ist der heftigste Kurssturz innerhalb eines Tages seit 2007. Auch der Leitindex an der zweitgrößten chinesischen Börse in Shenzen schloss mehr als acht Prozent tiefer...

Börse Schanghai bricht ein
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Grund für den Sturz: Die Anleger haben Angst vor einem wirtschaftlichen Schwächeanfall der Volksrepublik. Dafür spricht, dass der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging.

24. Juli
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Eine private Umfrage zeigt, dass der chinesische Industriesektor im Juni so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr geschrumpft ist. Die wichtigsten Indizes Chinas in Shanghai und Shenzhen verlieren 1,3 und 1,8 Prozent. Damit endet eine seit rund drei Wochen andauernde Erholungsphase.

23. Juli
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Die chinesische Regierung sichert den Märkten erneut ihre Unterstützung zu. Die Anleger feiern die staatlichen Eingriffe. Der Shanghai Composite Index gewinnt mehr als zwei Prozent und schließt den sechsten Tag in Folge im Plus.

13. Juli
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Die Maßnahmen der Regierung greifen. Die Anleger greifen erneut zu chinesischen Aktien. Der chinesische Leitindex springt über die 4000-Punkte-Marke – das erste Mal seit dem Sturz am 2. Juli. Für die Anleger ist das ein wichtiger Schritt und die Hoffnung, dass die Maßnahmen der Regierung Wirkung zeigen. Innerhalb von nur drei Handelstagen gewinnt der Index mehr als 20 Prozent.

9. Juli
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Nach den angekündigten Markteingriffen gehen die chinesischen Börsen auf Erholungskurs. Der Shanghai Composite Index gewinnt im Handelsverlauf mehr als ein Prozent. Das sorgt auch auf anderen asiatischen Märkten für Entspannung.

8. Juli
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Die Behörden verschärfen die Auflagen für Sicherheiten bei Wetten auf fallende Kurse chinesischer Kleinwerte. Außerdem fordern sie Banken und Versicherer auf, verstärkt Aktien zu kaufen. Die Börsenaufsicht warnt vor „Panik” und „irrationalen Verkäufen”...

  • rtr
  • Bloomberg
  • jur
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18 Kommentare zu "Börse Schanghai: Das chinesische Kursbeben geht weiter"

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  • achte auf die dunkle Seite der Macht...

  • Leider scheinen Sie den Weg von der 5.000 zur 12.000 nicht mitgemacht zu haben, sehr schade!

  • achte auf den Chart und
    nie auf das, was Folgeinstanzen sagen

  • yapp. Die Dinge sind, wie sie sind.

    Haste Zitronen, mach Limo
    hast Wind, dann geh segeln
    haste Vola, denn trade

  • Naja, die Natur wirft alles auf den Markt, auch Opportunisten. Solange die Mistel den Saft des Baum nicht völlig aussaugt, sind die Dinge eben wie sie sind und funktionieren sicher. Nachteil/Risiko der Strategie: der Opportunist geht zwangsläufig mit seinem Wirt unter.

    Ich verwurzele mich lieber selbst in er Erde...

  • Wenn auf der Käuferseite der Bonds aber dann (fast) nur noch die eigene Zentralbank steht, und die eine Unmenge "Geld" drucken muss, um die Bonds zu monetarisieren, merkt auch der allerletzte Depp, dass die Währung der Zentralbank nur noch zum Verheizen im Kaminofen taugt, sprich: baldige Hyperinflation.

  • in China rumpelt es so schwer, dass es zu erwarten ist, wann es bei uns in den Keller geht! aber da stehen schon die absoluten profis da und erzählen dem depperten Anleger ja nicht verkaufen, oder der Dax bald bei 15.000? hehehe für wie blöde hält man die leute?

  • @H. Metz. Da können wir warten, bis wir schwarz werden. Super-Mario kauft alle Bonds auf. Alternativlos.

  • Nur komisch, dass es nicht einen Starinvestor gibt, der mit Charttechnik reich wurde. Früher gabs auch Bauernregeln, wenn der Hahn kräht auf dem Mist... ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.

    In jeden Chart kann ich alles reininterpretieren, darum werden ja auch die ganzen Profis im Test meist von den reinen Zufallssystemen geschlagen.

  • Das muss man sich erst einmal geben: in China wollen kommunistische Zentralplaner die notwendige Bereinigung vollkommen übertriebener Aktienkurse verhindern, indem sie Verkäufe VERBIETEN (und offenbar strafrechtlich gegen Leerverkäufer vorgehen). Freier Markt ist also nur dann erwünscht, wenn es gut läuft.
    Viel, viel wichtiger ist allerdings, mit welchen Maßnahmen die Chinesen ihre Aktienkurse sonst noch stützen wollen: nämlich mit Billionen-Verkäufen von europäische Staatsanleihen und US-Treasuries:
    http://www.epochtimes.de/China-Billionen-Rettung-und-Staatsanleihenverkaeufe-soll-totalen-Boersencrash-verhindern-a1254963.html
    Nachtigall, ick hör dir trapsen. Das wird richtig spannend, denn natürlich ist das sowieso nur wertloser Sondermüll, den die Chinesen da (noch) halten.
    Auf diesen längst fälligen Bond-Abverkauf warte ich übrigens schon seit etlichen Jahren...

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