Börse Schweiz
Züricher Börse erlebt größten Kurssturz aller Zeiten

Die Schweizer Nationalbank sorgt für Tumulte an der Züricher Börse. Mit der Abkehr vom Mindestkurs hat die Notenbank die Schweizer Anleger tief schockiert. Zwischenzeitlich gab der SMI über 14 Prozent nach.
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ZürichDer seit Herbst 2011 von der SNB am Devisenmarkt verteidigte Mindestkurs des Euro gegenüber dem Franken von 1,20 Franken ist überraschend gekippt worden, und der Einlagenzins wurde auf minus 0,75 Prozent reduziert, womit insbesondere der Züricher SMI einen abrupten und umfassenden Kursverfall einleitete. Mit leichter Verspätung folgten die meisten Europabörsen dem Trend nach unten; die Verluste blieben allerdings wesentlich geringer als an der Schweizer Börse. Am Nachmittag konnten sich die meisten europäischen Aktienmärkte im Gegensatz zum SMI erholen.

In Zürich mussten die Händler mitansehen, wie der SMI Opfer der Schweizer Notenbankpolitik wurde. Der Leitindex erlebte mit einem Minus von unfassbaren 14 Prozent den größten Tagesverlust in Geschichte der Schweizer Börse. Zuletzt konnte sich der SMI leicht „erholen“. Am Nachmittag notierte er 10,3 Prozent tiefer auf 8252 Punkte.

Die starken Unterschiede in der Geldpolitik in den bedeutenden Währungsräumen, die Aufwertung des Dollars und die Abwertung des Euros haben die SNB zu diesem Schritt veranlasst. „Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind“, so die SNB.

„Der Franken bleibt zwar hoch bewertet, aber die Überbewertung hat sich seit Einführung des Mindestkurses insgesamt reduziert. Die Wirtschaft konnte diese Phase nutzen, um sich auf die neue Situation einzustellen“, teilte die Schweizerische Nationalbank weiter mit.

Ökonomen sind mit dieser neuen Situation allerdings alles andere zufrieden. „Die Aufhebung des Mindestkurses kommt sehr überraschend und die SNB dürfte an Glaubwürdigkeit verlieren, da sie in den vergangenen Monaten stets die vehemente Verteidigung der Untergrenze betonte,“ monierte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg. „Der Euro-Franken-Kurs wird nun den Marktkräften überlassen und es dürften sich Kurse im Bereich der Parität einstellen“, so der Experte.

Bei den Einzelwerten gab es auf breiter Front selten zu beobachtende Kursverluste, die in der Regel prozentual zweistellige Werte erreichten. Der Franken wertete mit der SNB-Mitteilung zu den wichtigsten Währungen der Welt stark auf. Exporteure waren entsprechend am stärksten betroffen, aber es brachen der breite Markt und sämtliche Aktien in Züricher Index ein.

Mit der Swatch Group, Richemont und Actelion gaben die schwächsten Titel zwischen knapp 14 und knapp 17 Prozent nach. Titel der UBS sanken um elf Prozent, die Aktien der Credit Suisse verloren 10,9 Prozent. Julius Bär musste ein Minus von 11,8 Prozent hinnehmen. Roche-Aktien sanken um 9,8 Prozent, Nestle um 8,6 und die Titel der Zürich-Versicherung um 6,7 Prozent.

Roman Tyborski
Roman Tyborski
Handelsblatt / Volontär
Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Börse Schweiz: Züricher Börse erlebt größten Kurssturz aller Zeiten"

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  • Die haben eben keinen Draghi, der "alles tun wird..."

  • ein gewaltiger kursturz wird bei uns doch schon längst erwartet den aber keiner sehen will.

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