Börse Tokio
Anleger in Fernost hoffen auf EZB-Zinssenkung

Die Tokioter Börse schließt 0,3 Prozent im Minus. Die Händler warten auf die Leitzins-Entscheidung der Europäischen Zentralbank am heutigen Donnerstag.
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Die Anleger in Fernost haben sich vor dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht aus der Deckung gewagt. Am Donnerstag tendierten die meisten Börsen der Region wie auch der Aktienmarkt in Tokio schwächer. Die EZB dürfte nach Einschätzung der meisten Experten den Schlüsselzins um einen viertel Prozentpunkt auf 0,75 Prozent senken, um angesichts der Euro-Krise die lahmende Wirtschaft anzukurbeln. Dieser historische Schritt unter die Marke von einem Prozent dürfte die Stimmung an den asiatischen Börsen aufhellen. Zugleich richteten die Investoren ihren bangen Blick aber schon auf die US-Jobdaten am Freitag, nachdem sich in den vergangenen Wochen die Hinweise auf eine Konjunkturabkühlung verdichtet hatten.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 0,3 Prozent im Minus bei 9079 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index verlor ebenfalls 0,3 Prozent und schloss bei 776 Punkten. Auch die Börsen in Shanghai und Taiwan notierten schwächer. Die Aktienmärkte in Hongkong und Korea bewegten sich dagegen kaum vom Fleck. Singapur konnte ein Plus einfahren.

Wie vielerorts hofften auch die Anleger an den asiatischen Märkten auf neue Impulse, wenn die EZB erstmals in ihrer Geschichte den Leitzins auf unter ein Prozent senken sollte. Doch in Japan wurde eine EZB-Zinssenkung von einigen Experten auch als zweischneidiges Schwert gefürchtet: "Sollte das dazu führen, dass der Euro gegenüber dem Yen fällt, wäre das schlecht für japanische Aktien", sagte Yutaka Miura, technischer Analyst bei Mizuho Securities.

Am Donnerstag mussten große Exporttitel wie Canon und Honda etwa dem Markttrend entsprechende Abschläge hinnehmen. Gefragt waren dagegen Maschinenbau-Werte wie die des Unternehmens Komatsu, die 3,5 Prozent zulegten. Aus den USA kamen keine Impulse, weil die Wall Street am Vortag zum Unabhängigkeitstag geschlossen geblieben war.

Unter den Investoren in Fernost machte sich zudem Ernüchterung nach dem jüngsten Euro-Gipfel breit. Zwar waren die Anleger noch immer risikobereiter, doch unter die Erleichterung über die in Brüssel erzielten Vereinbarungen mischte sich auch neue Skepsis. Ein Effekt, den Händler bereits öfter beobachtet haben: "Im vergangenen Jahr haben die Börsen immer wieder zugelegt, wenn sich europäische Politiker im Grundsatz geeinigt haben", sagte Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley.

Annika Reinert
Petrina Engelke
Handelsblatt Online / Freie Mitarbeiterin

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