Anleger in Japan lassen kräftig Federn

Börse Tokio
Anleger in Japan lassen kräftig Federn

Nach den jüngsten Gewinnen schlägt die Stimmung in Japan um. Die Anleger schauen auf den etwas stärkeren Yen und die schlechte Konjunktur. Gewinnmitnahmen bestimmen den Handel - und eine erneute Dreamliner-Panne.
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TokioGewinnmitnahmen und ein nach unten geschraubter Ausblick für die globale Wirtschaftsentwicklung haben am Mittwoch an den Börsen in Fernost für Verluste gesorgt.

Die Weltbank rechnet für dieses Jahr nur noch mit einem Plus der weltweiten Wirtschaftsleistung von 2,4 Prozent; im Juni waren noch drei Prozent in Aussicht gestellt worden.

Grund für die revidierte Prognose sei die schwächelnde Konjunkturerholung in den meisten Industrienationen. Angesichts der eingetrübten Aussichten hielten sich die Anleger zurück: Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans gab rund 0,4 Prozent nach.

In Tokio sorgten nach der Rally in den Tagen zuvor Gewinnmitnahmen für Verluste. Der Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte brach um knapp 2,6 Prozent auf 10.600 Punkte ein. Vor allem eine Erholung des Yen verursachte diesen höchsten Verlust an einem Tag in den vergangenen acht Monaten.

Japans Wirtschaftsminister Akira Amari hatte vor einer zu großen Yen-Schwäche gewarnt und damit den Erholungskurs der Landeswährung eingeleitet. Am Tag zuvor war der Nikkei noch auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren geklettert.

Auf den Verkaufszetteln standen am Mittwoch insbesondere Exportwerte. "Es ist eine Korrektur. Die jüngsten Gewinne einiger Exportwerte waren berechtigt, andere nicht. Deswegen verkaufe ich jetzt Exporteure, die zuletzt zugelegt haben, aber deren Fundamentaldaten weiterhin schlecht sind wie beispielsweise Panasonic", sagte der Chef von Myojo Asset Management, Makoto Kikuchi. Auf der Verliererliste fanden sich unter anderem Toyota mit einem Minus von 2,6 Prozent und Canon mit Abschlägen von mehr als vier Prozent.

Ebenfalls unter Druck befanden sich die Zulieferer von Boeing. Nachdem ein Dreamliner in Japan zu einer Notlandung gezwungen wurde, entschied sich die Fluggesellschaft All Nippon Airways, zunächst alle 17 Maschinen am Boden zu behalten. Die Aktien von Fuji Heavy Industries gaben 2,9 Prozent nach. Für GS Yuasa und Mitsubishi Heavy ging es ebenfalls nach unten.

Deutliche Verluste verbuchten auch die Börsen in China. Anleger realisierten Gewinne und hielten sich mit Käufen vor der Veröffentlichung weiterer Wirtschaftsdaten Ende der Woche zurück. In Shanghai büßte der Aktienmarkt mehr als ein Prozent ein, in Hongkong rund 0,5 Prozent. Nur die Börse in Australien lag wegen gefragter Bank-Titel deutlich im Plus.

Der Währungskrieg zwischen Fernost und Europa geht weiter. Der scheidende Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat der Gemeinschaftswährung zuletzt einen Schlag versetzt. Juncker bezeichnete die Einheitswährung als deutlich überbewertet und sagte: "Der Wechselkurs des Euro ist gefährlich hoch."

Daraufhin gab der Euro im fernöstlichen Handel nach und fiel auf 1,3285 Dollar nach 1,3304 Dollar im späten New Yorker Handel. Zum Yen stand die Einheitswährung bei 117,30 und damit deutlich unter dem 20-Monatshoch von 120,13.

Zum Dollar notierte der Yen bei 88,28 Yen, am Montag hatte die Währung noch ein Zweieinhalb-Jahreshoch von 89,67 markiert. Japans Wirtschaftsminister Akira Amari warnte am Dienstag vor einer zu großen Yen-Schwäche und lenkte damit die Landeswährung ebenfalls auf Erholungskurs ein.

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