Börse Tokio
Asiens Aktienmärkte hoffen auf EU-Krisengipfel

Die Anleger in Asien haben ihre Angst vor der Schuldenkrise ein wenig abgeschüttelt. An der Börse in Tokio steigen die Aktienkurse im späten Handel. Zu den Gewinnern zählten erneut die defensiven Werte.
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Die Aktienmärkte in Fernost haben am Mittwoch überwiegend fester notiert. Angesichts der Verunsicherung der Anleger vor dem EU-Krisengipfel in dieser Woche blieben große Sprünge jedoch aus. "Die Investoren hoffen, dass die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone über eine Banken- und Fiskalunion reden werden", sagte Fumiyuki Nakanishi von SMBC Friend Securities. "Sie werden enttäuscht sein, wenn dabei nichts Konkretes herauskommt." Zudem lastete ein technischer Faktor auf dem Markt: Schwergewichte wie der Kameraproduzent Canon, der Autobauer Honda und der Reifenhersteller Bridgestone verbüßten einzig deshalb Abschläge, weil nach der jüngsten Dividendenausschüttung neue Besitzer von Aktien dieser Firmen zunächst leer ausgehen.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss in Tokio 0,8 Prozent im Plus bei 8730 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gewann 0,9 Prozent auf 745 Punkte. Auch die Börsen in Hongkong, Singapur und Taiwan notierten im Plus. Die Leitindizes in Korea und Shanghai traten dagegen auf der Stelle.

Nach der Dauerkrise in der Euro-Zone erhielten die Hoffnungen von Investoren auf die Einführung von Euro-Bonds zunächst einen Dämpfer. Bundeskanzlerin Angela Merkel erteilte vor dem EU-Gipfel einer solchen Vergemeinschaftung von Schulden erneut eine klare Absage. Die Anspannung vor dem EU-Gipfel lastete in Tokio vor allem auf den Standardwerten. Der Handel mit einigen hochspekulativen Papieren kleinerer Unternehmen wie Mutoh Holding, Look Inc blühte dagegen. Die Titel legten bis zu 18 Prozent zu. "An so einem Tag können Händler ziemlich viel Spaß haben", resümierte Kenichi Hirano von Tachibana Securities.

Zu den Gewinnern zählten erneut aber auch defensive Werte, auf die Investoren gerade wegen der Sorgen über die Euro-Schuldenkrise zurückgriffen. So verbesserten sich die Papiere von Japan Tobacco um 3,8 Prozent. Anleger schätzen das Unternehmen für seinen kontinuierlichen Cashflow. Die Aktien von Softbank legten gut vier Prozent zu. Anleger zeigten sich erfreut über Berichte, dass das Unternehmen 2013 zum landesgrößten Produzenten von Solarstrom aufsteigen wird. Auf dem Parkett angesagt waren auch die Anteilsscheine von Bau- und Immobilienunternehmen.

In Seoul notierten die Aktien von Samsung gegen den Trend 2,5 Prozent im Plus. Nach der jüngsten Niederlage im Patentstreit mit dem iPad-Hersteller Apple wird erwartet, dass der südkoreanische Rivale in die Berufung geht.

Nach den Kursverlusten im Zuge aufflammender Euro-Sorgen haben die US-Börsen am Dienstag wieder Tritt gefasst. Der Optimismus blieb in einem unruhigen Handel allerdings gedämpft, vor allem weil das klamme Spanien Investoren immer höhere Zinsen für frisches Geld bieten muss. Die Refinanzierungskosten der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone haben sich zuletzt nahezu verdreifacht. Allerdings werteten Portfolio-Manager wie James Dailey vom TEAM Asset Strategy Fund die Zuwächse nicht als nachhaltig: "Die Gewinne könnten jede Minute verschwinden."

Die Investoren warten nun darauf, ob das Treffen der Finanzminister aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien am Abend in Paris sowie die Beratungen der EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstag und Freitag für Entspannung sorgen werden. "Der Markt achtet nun auf jede Bemerkung, die in den nächsten Tagen gemacht wird und aus der geschlossen werden kann, was bei dem Gipfel herauskommen wird", sagte Ken Polcari von ICAP Equities in New York. Die Skepsis über die Entschlossenheit der EU zu handeln, hatte die Anleger am Vortag in Scharen zum Rückzug getrieben.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsende mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 12.534 Punkten. Das Leitbarometer pendelte im Handelsverlauf zwischen 12.452 und 12.576 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei knapp 1.320 Punkten, ein Aufschlag von 0,5 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent und ging mit 2.854 Punkten aus dem Handel. In Frankfurt verabschiedete sich der Dax mit einem Plus von 0,1 Prozent mit 6136 Punkten aus dem Handel.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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